Prinz Harry und Herzogin Meghan suchen Mitgefühl über die Medien. Doch ist das der richtige Weg?
Herzogin Meghan

"Die britischen Boulevardmedien werden dein Leben zerstören"

In einer Dokumentation zur Afrikareise zeigen sich Prinz Harry und Herzogin Meghan ungewöhnlich offen und verletzlich. Das sorgt für Mitgefühl, aber auch Irritation.

Ungewohnt offen und emotional zeigen sich Prinz Harry und Ehefrau Herzogin Meghan in einer TV-Dokumentation "Harry & Meghan: An African Journey" des TV-Senders ITV, die im Zuge ihrer Reise durch Afrika entstanden ist.

Schon im ersten Teaser, den der TV-Sender auf Twitter ausstrahlte, war die 38-Jährige den Tränen nahe. Die Zeit als Schwangere und Mutter unter den Augen der Öffentlichkeit sei sehr hart gewesen. Es wurde ihr in einer Zeit sehr schwer gemacht, in der man als Frau sehr verletzlich sei, so die Herzogin. "Man versucht, Mutter zu sein und frisch verheiratet zu sein, und das kommt noch oben drauf. Außerdem danke für die Frage, ich wurde nicht oft gefragt, wie es mir geht, aber das ist eine sehr reale Sache, die man hinter den Kulissen durchmacht."

„Boulevardmedien werden dein Leben zerstören"

Die Skrupellosigkeit der britischen Boulevardmedien habe sie unterschätzt, obwohl sie ein britischer Bekannte davor gewarnt habe, als die Beziehung mit Harry ernst wurde. "Die britischen Boulevardmedien werden dein Leben zerstören", hätten sie gesagt, wären sich die Freunde aus den USA überwiegend gefreut hätten. "Als Amerikanerin habe ich das naiverweise nicht verstanden." Sie habe versucht, sich die britische "steife Oberlippe" zuzulegen doch die Zeit seit der Hochzeit sei "hart" gewesen. "Ich habe lange zu H gesagt - so nenne ich ihn [Harry] - es ist nicht genug, etwas nur zu überleben, oder? Das ist nicht der Sinn des Lebens. Man muss gedeihen, man muss sich glücklich fühlen." Aber sie habe ihr Baby und ihren Mann und das sei das Beste.

„Wenn ich eine Kamera sehe, kommt alles wieder hoch"

Auch für Prinz Harry sei die Zeit nicht leicht gewesen, vor allem, weil die Erinnerungen an seine 1997 verstorbene Mutter Prinzessin Diana dabei immer wieder aufkommen würden. „Immer wenn ich eine Kamera sehe, jedes einzelne Mal, wenn ich ein Klicken höre, jedes Mal, wenn ich Blitzlicht sehe, kommt alles wieder hoch". Es sei eine nicht verheilende Wunde. „Meine größte Angst ist, dass sich die Geschichte wiederholt.“

"Ein Teil des Jobs und ein Teil jedermanns Job ist es, ein mutiges Gesicht aufzusetzen und seine Wange hinzuhalten, aber für mich und meine Frau, da gibt, es sehr viel das weh tut, vor allem, wenn der Großteil unwahr ist. Aber wir müssen uns darauf fokussieren, authentisch zu sein und dafür einzustehen, an was wir glauben.“ Er wolle nicht dazu gezwungen werden das Spiel zu spielen, das seine Mutter tötete.

Das Paar entschied sich auch deshalb, britische Medien zu verklagen. Man würde eine "unbarmherzige Kampagne" gegen sie fahren, lautet der Vorwurf. Geklagt wurde etwa die "Mail on Sunday" wegen der Veröffentlichung eines privaten Briefes von Herzogin Meghan. Klage wurde auch gegen zwei britische Zeitungsverlage, die News Group Newspaper ("Sun") und Reach plc "Mirror" eingereicht, da sie illegal Mailboxnachrichten abgehört hätten. Während zu Beginn der Beziehung zwischen Prinz Harry und Herzogin Meghan die Stimmung in der Boulevardpresse noch sehr positiv war, berichtete sie später zunehmend kritischer.

Harry und William „auf unterschiedlichen Pfaden"

Erstmals bezog Prinz Harry in der Dokumentation auch Stellung zu dem Gerücht, dass auch die Beziehung zu seinem Bruder Prinz William gelitten hätte. "Wir sind derzeit sicherlich auf unterschiedlichen Pfaden", meinte er dazu. Aber er werde immer für William da sein - und umgekehrt.

"Wir sehen uns nicht mehr so oft wie früher, da wir so beschäftigt sind", sagte Prinz Harry über sein Verhältnis zu seinem Bruder. "Aber ich liebe ihn sehr, und der Großteil der (Spekulationen) ist aus dem Nichts entstanden." Als Brüder habe man gute und schlechte Tage.

Die neue Offenheit der beiden Royals, die sonst großen Wert auf ihre Privatsphäre legen, wurde von den britischen Medien nicht nur beklatscht. Das Paar würde sich nur beklagen, anstatt die Dokumentation zu nutzen, um ihre Projekte in Afrika noch weiter zu promoten. Jan Moir von der "Daily Mail" schreibt etwa: "Das Schockierende war, dass Harry und Meghan nicht über die armen Afrikaner sprachen, die sie getroffen hatten und die so lange und hart gekämpft haben, ihre unglückliche Situation im Leben zu überwinden. Sie sprachen über sich selbst."

Die User im Netz zeigen sich ambivalent. Während die einen ebenfalls nicht verstehen, worüber sich die Royals, die zweifelsohne ein sehr privilegiertes Leben führen, beschweren, fühlen andere mit. "Keine Ahnung, wie man das sehen kann und kein Mitgefühl verspüren kann. Ich könnte das nicht durchmachen, was Meghan durchgemacht hat, egal ob während der Schwangerschaft oder als neue Mutter. Absolut überwältigend."

>> Artikel auf ITV.com

(chrile/APA/dpa)