Vorwurf an Google: WLAN-Datensammlung war Absicht

The Google logo is seen at the Google headquarters in Brussels, Tuesday March 23, 2010. Google Inc. h
(c) AP (Virginia Mayo)

US-Anwälte sehen ein Patent aus 2008 als Beweis dafür, dass Google absichtlich spioniert hat. Google will Ermittlern alle Daten übergeben. Deutschland hat ein Street-View-Auto genauer unter die Lupe genommen.

Im Zuge der Datenschutzaffäre rund um Googles Street-View Dienst haben US-Anwälte neue Vorwürfe erhoben. Sie sehen laut Wired eine Patentanfrage aus dem Jahr 2008 als Beweis dafür an, dass das Abhören von WLAN-Verkehrsdaten kein Unfall oder Fehler sei, wie es Google bisher behauptet hatte. Die Kameraautos hatten nicht nur Fotos für Street View geschossen, sondern auch Datenverkehr von offenen WLAN-Netzen abgehört. Laut Google möglicherweise auch Teile von E-Mails oder sonstigen privaten Inhalten.

Google Street View

Street View ist eine Erweiterung für Google Maps, die die Umgebung auf Basis von Fotografien dreidimensional begehbar macht. Die Aufnahmen der Straßenzüge und Häuser werden mit auf Autos montierten Kameras gemacht. Google muss für diesen Dienst immer wieder heftige Kritik von Datenschützern einstecken.

Google rückt WLAN-Daten heraus

Google bestreitet die Relevanz des Patents. Eine Sprecherin bezeichnete es als "komplett ohne Bezug zum Code, der für das Sammeln der WLAN-Informationen mit Street-View-Autos verwendet wurde". Google-CEO Eric Schmidt erklärte in einem Interview mit der Financial Times, dass man sich den Forderungen von Regierungen beugen und die gesammelten Daten herausgeben werde. Außerdem wolle man die Ergebnisse einer externen Prüfung der Street-View-Vorgänge veröffentlichen.

Deutschland hat Kameraauto untersucht

Geprüft wurde bereits in Deutschland. Der Hamburgische Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar teilte in einer Aussendung mit, dass seine Behörde ein Kamerafahrzeug von Googles Street-View-Dienst genauer untersucht hat. Dabei zeigte sich, dass Google die WLAN-Daten dauerhaft auf eine Festplatte speichert und nicht einfach zwischenlagert. Caspars Team fand heraus, dass Google zu diesem Zweck das frei erhältliche Programm Kismet, als auch einen selbst geschriebenen Code einsetzte. Aufgrund der Ergebnisse hält Caspar "eine lückenlose Aufklärung für unabdingbar."

Österreichische Daten gelöscht

Auch Daten in Österreich waren abgegriffen worden. Die Datenschutzkommission hat als Reaktion darauf die sofortige Löschung der Daten als auch die Einstellung aller Kamerafahrten für Street View gefordert. Letzteres war eigentlich nicht mehr nötig, da Google selbst als Reaktion auf das Problem alle Fahrten von freiwillig eingestellt hatte.

(db)