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Wenn Trump Esperanto lernt

Namen sind Schall und Rauch, erst recht für den größten Präsidenten aller Zeiten, der im Donald-Trump-Paralleluniversum lebt.

Wie in aller Welt soll man sich all die Leute merken, die wie durch eine Schwingtür im Weißen Haus ein- und ausgehen, früher oder später ohnehin für immer gehen – oder besser: gegangen werden – und allenfalls als Fußnote in die Geschichte eingehen? Steve, Mike, John oder Jim: Namen sind Schall und Rauch, erst recht für den größten Präsidenten aller Zeiten, der im Donald-Trump-Paralleluniversum lebt. Selbst die eigene Frau mutiert via Twitter von Melania zu Melanie, immerhin nicht zur Nathalie oder Stephanie.

Und erst die Nachnamen: Wer denkt nicht an eine Veräppelung, wenn Apple-Chef Tim Cook kurzerhand als Tim Apple apostrophiert wird? In der Reduktion einer komplexen Realität hat es der US-Präsident zur Meisterschaft gebracht. Wer im Stundentakt ausländische Präsidenten empfängt wie Sauli Niinistö oder Sergio Mattarella, wer Briefe schreibt an Zungen- und Knochenbrecher wie Kim Jong-un – den „kleinen Raketenmann“ – oder Recep Tayyip Erdoğan, der soll da noch den Überblick behalten? Da muss es reichen, angelehnt an den Mafia-Jargon, vom „Türken“ zu sprechen.So ein Präsident hat's schwer. Womöglich lernt Trump nun auch Esperanto, die künstliche Weltsprache – und schrieb darum von Verteidigungsminister Mark Esper als Mark Esperanto und machte ihn so zum Italoamerikaner wie Mike Pompeo. (vier)

Reaktionen an: thomas.vieregge@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.10.2019)