Gewerbe

Die neue Funktion von Schauräumen

Buchstäblich auf Holz klopfen kann man im Showroom von Mareiner.
Buchstäblich auf Holz klopfen kann man im Showroom von Mareiner.Toni Muhr

Trotz Augmented Reality und E-Commerce boomen Schauräume von Interioranbietern. Vor allem Handwerksbetriebe aus den anderen Bundesländern zeigen in Wien gern, was sie können.

Es riecht nach Petersil und Olivenöl. Verführerisches Duftmarketing aus der Dose? Oder kocht hier etwa wirklich jemand Pasta? Anzunehmen. Auch das Klingen der zum Wohle prostenden Gläser weist darauf hin. Willkommen im Schauraum, der eben viel mehr ist als einfach nur Verkaufsfläche. Im Gegenteil: „Ich verkaufe hier gar nichts", meint Jörg Zecha vom Gartengestalter Begründer Argegarten. Gemeinsam mit dem auf Oberflächen spezialisierten Unternehmen Lavisio und dem Steinmetz Stone4you, betreibt Zecha die Location Schottenring 31 in Wien. Ihren Stammsitz haben alle drei Firmen in Niederösterreich. „Der Schauraum ist mein Stützpunkt in Wien", erzählt Zecha, „ich nütze ihn für Besprechungen, pflege das Netzwerk in der Stadt. Gewissermaßen ist er ein Teaser – die Leute werden hier auf uns aufmerksam und kommen dann zu unserem Hauptsitz in Hochstrass."

Wien: Hotspot der Multifunktionsräume

Es sind auffallend viele Handwerksbetriebe aus den umliegenden Bundesländern, die in den letzten Jahren in Wien in einen repräsentativen Multifunktionsraum investiert haben. Im Februar eröffnete das steirische Unternehmen Mareiner Holz in der Radetzkystraße im dritten Wiener Bezirk einen rund 400 Quadratmeter großen Showroom. Er diene vor allem als direkte Kontaktstelle zu internationalen Kunden, da die Anreise nach Wien durch den Flughafen sehr einfach sei, zugleich könne man aber die Wiener Kunden vor Ort betreuen, heißt es bei Mareiner. Zahlreiche Holzvarianten gibt es zu bestaunen, zum Angreifen und zum Riechen.

Im Formdepot in Wien arbeiten 13 Mitgliedbetriebe zusammen. Sie nutzen das 1400 Quadratmeter große Loft für Dinnerpartys und Kundentermine.
Im Formdepot in Wien arbeiten 13 Mitgliedbetriebe zusammen. Sie nutzen das 1400 Quadratmeter große Loft für Dinnerpartys und Kundentermine.Gabriel Büchelmeier

Schauräume wenden sich eben an alle Sinne und sind multifunktional: „Das Loft ist ein beliebter Platz für Kundentermine, Netzwerkveranstaltungen, Dinnerpartys, Workshops und Events", sagt Lisa Köstl von Formdepot, dem mit 1400 Quadratmetern größten Showcase in Wien. Es werde von den Formdepot-Mitgliedern und von Partnern genutzt und könne – so wie die restlichen Ebenen unterhalb des Lofts – auch extern für Veranstaltungen angemietet werden.

Der Schauraum ist ein Teaser

Jörg Zecha, Begründer Argegarten

Hinter der Marke Formdepot verbergen sich 13 Mitglieder aus den unterschiedlichsten Bereichen. Gemeinsam inszenieren sie in einem eigenen Haus im 16. Wiener Gemeindebezirk ihre Produkte, zeigen ihr Leistungsspektrum und ihre handwerklichen Kompetenzen und haben teilweise auch Büroniederlassungen im Haus. Da bietet sich das Cross-Selling natürlich an, wenn Kunden alles aus einer Hand haben wollen, aber Köstl versichert: „Die Kunden haben die Möglichkeit, vom Know-how, der Planung und Umsetzung eines eingespielten Netzwerks an unterschiedlichen Gewerken und Markenpartnern zu profitieren. Es gibt jedoch keine Exklusivität. Jedem Member steht es frei, die Partner für die Umsetzung eines Projektes zu wählen, die den Ansprüchen am besten gerecht werden, auch wenn diese nicht Teil des Formdepots sind."

Ein Büro voller Kunden

Von allen 13 Mitgliedern haben nur die Betreiber und Initiatoren des Formdepots, Mayr & Glatzl Innenarchitektur und Bauplanungs GmbH, ihren Firmensitz in Wien, die Standorte aller anderen finden sich in verschiedenen Bundesländern. Die Zusammenarbeit der einzelnen Firmen sowie 69 weiterer Markenpartner hat natürlich etwas, das im Co-Working-Metier hoch gelobt wird: Es kommt zu einem befruchtenden, Innovationen fördernden Klima und einem Wissenstransfer zwischen den Teilnehmern.

Veranstaltungsort, Showroom und Innenhofidylle beim Gartengestalter Begründer Argegarten.
Veranstaltungsort, Showroom und Innenhofidylle beim Gartengestalter Begründer Argegarten.Florian Wais

Dass sich Büroarbeitsplätze mit Räumen mischen, in denen Kunden verkehren, sieht auch Martin Cserni, Eigentümer der Cserni-Gruppe, als Vorteil. Das Kundenfeedback könne so von den Projektbetreibern direkt in die Produktionsstätte nach Fehring weitergegeben werden. Neben Wien finden sich auch in Hamburg, Graz und Fehring Cserni-Schauräume.

Gegenpol zur Digitalisierung

Im kleinen Format gibt es auch im Melker Stiftsgebäude in der Wiener Schottengasse ein Spezialisten-Co-Working-Space. Die steirische Tischlerei Prödl hat hier im zweiten Hof des wunderschönen Altbaus vor rund einem Jahr eine Mischung aus Büro, Treffpunkt, Musterlabor und Schauraum aufgemacht. „70 Prozent unserer Kunden kommen aus Wien", erzählt Juniorchef Matthias Prödl, der hier auch seine neue Möbelhandelsfirma Workshop betreibt. Sie konzentriert sich auf Büros und den gehobenen Privatbereich. „Ich verstehe einen Schauraum auch als Gegenpol zur Digitalisierung. Wir wollen doch die Materialien begreifen, also auch angreifen. Das geht im Internet nicht." Den Wienbezug gibt es schon lang, Vater Josef Prödl hat bereits viele Kontakte zu Architekten und Designern geschaffen, seit fast 20 Jahren, seit 2000, ist Prödl mit einer Niederlassung in Wien präsent.

Wir wollen Materialien begreifen. Das geht im Internet nicht

Matthias Prödl, Workshop

„Es war purer Zufall", gibt Jörg Zecha von der Argegarten, die seit Kurzem auch unter der Marke Begründer auftritt, zu, wenn er gefragt wird, wie es zu dem Schauraum an der Wiener Ringstraße gekommen ist. Josef Landauf von Lavisio hatte das Geschäftslokal entdeckt, alleine wollte er es nicht betreiben. Also eröffnete er im Oktober 2016 die 360 Quadratmeter große Fläche gemeinsam mit Stone4you und Argegarten. Der kleine, ungenützte Innenhof hat sich in eine Oase aus Holz, Pflanzen, Steinen und Designerlampen verwandelt. Genau das ist der Clou: Zu sehen, zu fühlen und zu schmecken, wie sich hochwertige Materialien kombiniert und angewandt anfühlen.