Airport Lounges

Ready for Take-off

New York, JFK. Sieben Jahre im Dienst, noch immer eine der schönsten Lounges überhaupt.
New York, JFK. Sieben Jahre im Dienst, noch immer eine der schönsten Lounges überhaupt.(c) Beigestellt

Fluglinien und Herrscherhäuser lassen sich Airport Lounges einiges kosten. Und schaffen Orte für Passagiere, die gediegener designt sind als manche Sterne-Unterkunft am Zielort.

Ihr Design ist manchmal großartiger als das des Sterne-Hotels am Ende der Reise: Airport Lounges sind die Orte, an denen sich die Fluglinien ihren besten Kunden von der besten Seite zeigen – und dafür werden weder Kosten noch Mühen gescheut. Vielmehr werden Stardesigner und -architekten verpflichtet, edelste Materialien verwendet und Räume kreiert, in denen auch sehr verwöhnte Reisende gern länger bleiben. Um zu essen, zu trinken, die Frisur richten zu lassen oder das Handy aufzuladen – oder zumeist einfach nur, um zu arbeiten, auch wenn einige dieser ästhetischen Kunstwerke eigentlich dafür zu schade sind.

Welchen Herausforderungen das Design einer Airport Lounge gerecht werden muss, hat Architekt David Loyola – der seit über 20 Jahren für die Gensler-Architekten Lounges auf der ganzen Welt plant – jüngst in einem Interview mit CNN verraten. Dazu gehört zunächst einmal die Aufgabe, in den First Class Lounges die Ansprüche gleich mehrerer Airlines unter einen Hut zu bekommen – wie beispielsweise bei der von ihm gestalteten One World Alliance Lounge am Flughafen in Los Angeles: „Dort habe ich mit der Qantas, Cathay Pacific und British Airlines gearbeitet, die alle sehr unterschiedliche Vorstellungen von dem Gemeinschaftsprojekt gehabt haben", erklärt er.

Strapazfähiges Mobiliar. Ein anderes Thema, das angesichts des aufwendigen Stylings kaum wahrgenommen wird, ist die Widerstandsfähigkeit, die das Mobiliar in den First und Business Lounges aufweisen muss. Denn auch wenn meist gut gekleidete Menschen in edlem Tuch auf ihnen sitzen, müssen die Sessel viel verkraften können, wie Loyola berichtet: „Eine Lounge hat eine wesentlich höhere Fluktuation als beispielsweise ein Restaurant oder ein Hotel", so der Architekt, „deshalb werden dort Möbel gebraucht, die einiges aushalten." Und auch die Grundrissplanung in den oft so großzügig wirkenden Räumen ist eine Kunst für sich. „Platz ist in den Flughäfen natürlich kostbar, aber das letzte, was eine Airline will, ist einen Businesspassagier ablehnen zu müssen, weil kein Platz mehr ist", erklärt der Aviationdesigner.

Es braucht Möbel, die einiges aushalten

David Loyola, Architekt

Neben all diesen praktischen Überlegungen sind Oasen für Reisende aber auch Botschafter des guten Geschmacks, mit denen Fluglinien, (und mancher Landesfürst) ihren Stil kommunizieren, Schwerpunkte setzen und sich wahlweise als techaffin, minimalistisch, üppig-prächtig, poppig oder clean präsentieren. Seit ein paar Jahren sei – außer der Notwendigkeit, dass wirklich jede Sitzgelegenheit auch eine Ladesteckdose haben muss – ein gewisser Sense of Place, ein Bewusstsein für den Ort, dazugekommen. Denn häufig seien die Lounges gerade für Geschäftsreisende die Räumlichkeiten, die den bleibendsten Eindruck nach all den Meetingräumen und Hotels hinterlassen. Über Geschmäcker, und damit die Frage, welche denn nun die schönsten Lounges der Welt sind, lässt sich bekanntlich streiten, eine gute Handvoll von ihnen taucht aber in fast jedem Ranking auf.

Anheimelnd und minimalistisch. Dazu gehört fast immer die American Express Centurion Lounge im Hongkong International Airport, die 2017 eröffnet worden ist. Hier finden sich unter einem geschwungenen Dach, das in Kombination mit den riesigen Fensterfronten ein gehobenes Hangarfeeling erzeugt, coole Bereiche in Schwarz-Weiß, spacige Sitzmöbel im 1950er-Jahre-Design, aber genauso warme Kupfertöne. Die Designer von Legend Interiors haben außerdem mit Lampen von Tom Dixon, eigens designten Barhockern von Bertoia und Eero-Saarinen-Tischen auf große Namen gesetzt. Und damit eine Atmosphäre geschaffen, die offensichtlich ein wenig zu anheimelnd für manche Gäste gewesen ist: Seit Kurzem müssen Besucher der Centurion Lounges beim Betreten unter anderem einen Boardingpass vorweisen, der zeigt, dass sie wirklich noch weiterfliegen. Und nicht einfach am Zielort für die Abendunterhaltung wieder in die Lounge einkehren  – weil es im Hotel eben auch nicht schöner ist.

Die American Express Centurion Lounge in Hongkong besticht mit "Hangarfeeling".
Die American Express Centurion Lounge in Hongkong besticht mit "Hangarfeeling".American Express

Dass orientalischer Luxus und Minimalismus keine Gegenspieler sein müssen, lässt sich dagegen seit 2014 in der Qatar Airways Al Safwa First Lounge am Flughafen Doha bewundern, die zeigt, dass Üppigkeit und reduziertes Design wunderbar zusammenpassen. Hier sind edle Materialien wie Sandstein und jede Menge Marmor in einem Konzept verarbeitet, das von Dohas Museum für Islamische Kunst inspiriert worden ist.

Das zeigt sich etwa an der modernen Interpretation eines Springbrunnens mitten in der schon fast kathedralenhaft hohen Halle, dessen Wassersäule kerzengerade in die Höhe schießt. Dekoriert wurde hier mit Leihgaben des Museums, die neben der Schönheit arabischer Kunst den von Loyola erwähnten Sense of Place vermitteln – und den Wohlstand des Emirates ganz nebenbei natürlich gleich mit.

Streng und gediegen. Ein Klassiker in Sachen Minimalismus ist die First Class Lounge von Japan Airlines am Tokioter Flughafen Haneda. Hier hat Designer Ryu Kosaka das Konzept des Ma umgesetzt, das den leeren, offenen Raum zwischen den Dingen genauso zelebriert wie die Objekte selbst. Das tut Kosaka in einer Bibliothek, einer Sake Bar, einem Spielezimmer und einer dunkel-gemütlichen „Red Suite" mit Kunstwerken von Shuhei Hasado. Ebenfalls auf der gediegen-schlichten Seite, aber mit einem Schuss 1970er-Jahre findet sich der Lufthansa First Class Terminal in Frankfurt.

Frankfurt. Warten mit Goethe: gediegen-schlicht, mit viel Braun, Orange und einem Schuss 1970er-Jahre.
Frankfurt. Warten mit Goethe: gediegen-schlicht, mit viel Braun, Orange und einem Schuss 1970er-Jahre.Lufthansa First Class Lounge Frankfurt

Hier dominieren Braun- und Orangetöne in bestem Design, für das die Innenarchitekten des deutschen Büros Hollin & Radoske viel Lob bekommen haben. Geschwungene Ledersessel mit Fußschemel zum Relaxen gibt es hier ebenso wie den gediegenen Clubsessel – mit Ladestation, versteht sich. Zu den bekanntesten Designelementen des exklusiven Terminals gehören aber fraglos die exklusiven zumeist gelben Gummienten, die eigens für die Baderäume der Lounge entworfen worden sind – und sich bald zum begehrten Sammel- und Statusobjekt unter Vielfliegern entwickelt haben.

Mondän und poppig. Entspannung und Gelassenheit stehen auch in der 2016 renovierten Cathay Pacific First Class Lounge in London-Heathrow ganz oben auf der Prioritätenliste. Unter dieser Prämisse haben die Interiordesigner des britischen Studioilse hier mit natürlichen Materialien von Kirschholz bis Kalkstein, viel Grün (von Zimmerpflanzen bis zum Sofabezug und den Tassen) und Messingakzenten eine ganz eigene Stimmung erzeugt, in der es sich bis zum nächsten Flug gut aushalten lässt. Zu den Highlights der neuen Lounge gehören außerdem das Lichtkonzept und die Kunstwerke des chinesischen Künstlers Han Feng, mit denen eine sowohl gemütliche wie mondäne Atmosphäre erzielt werden soll.

Poppig, bunt und auch nach sieben Jahren im Dienst immer noch eine der schönsten Lounges überhaupt ist das Virgin Atlantic Clubhouse am New Yorker Flughafen JFK. Das riesige Sofa aus knallroten Lederpoufs ist mittlerweile genauso legendär wie die Lichterinseln über der geschwungenen Bar, die Sitzgruppen und Beistelltische im Raumschiff-Enterprise-Stil oder die lässig dazwischen gemixten Eames Chairs. Einen Einschnitt müssen die Fans der Lounge seit Anfang des Jahres allerdings hinnehmen: Das Angebot, sich im hauseigenen Spa einen frischen Haarschnitt verpassen zu lassen, ist heuer vorerst eingestellt worden.

Übergreifend schön. Zu den spektakulärsten Neuheiten in Sachen Loungedesign zählt derzeit allerdings keine einzelne Lounge, sondern vielmehr ein großes Dach, das gleich mehrere der exklusiven Aufenthaltsräume überspannt: In Istanbuls frisch eröffnetem Flughafen hat das Londoner Architekturbüro Softroom eine gigantische, geschwungene Deckenlandschaft kreiert, die gleich sechs Lounges überspannt. Die 19.000 Quadratmeter große „Flow Wall" wirkt gigantisch und schafft entsprechend eine gewisse Erwartungshaltung für das Design der darunterliegenden Lounges. Die aber, mit Verlaub, nicht von allen erfüllt wird.

>>>  Diashow: „Airport-Lounges: Gediegenes und kostbares Design"