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Kamine und Kachelöfen

Offenes Feuer mit Stil

Klassiker. Der „Gyrofocus“ von Dominique Imbert aus dem Jahr 1968.
Klassiker. Der „Gyrofocus“ von Dominique Imbert aus dem Jahr 1968.(c) Atelier Dominique Imbert

Wie sich formschön mit offenem Feuer heizen lässt – Knistern, Flammen und Geschichte(n) inklusive.

Einfach nur zur Erhöhung der Temperatur braucht sie niemand mehr: Wie viele Grad es in der Wohnung oder dem Haus haben soll, lässt sich exakt für jeden Raum einzeln einstellen – wenn gewünscht auch am Smartphone. Trotzdem werden für Kamine und Kachelöfen gern deutlich fünfstellige Summen ausgegeben, denn sie können Dinge, die auch die beste Heizungsanlage eben nicht kann: Sie kreieren diese ganz besondere Atmosphäre, die nur dann entsteht, wenn man das Feuer sieht oder zumindest knistern hört; diesen Duft, der an die Winter der Kindheit erinnert und den kein Raumparfum imitieren kann.

Seit Anfang des Jahres herrscht absolute Nachfrage nach Pastelltönen.

Geraldine Förster, Antike Kachelöfen

Außerdem verströmen sie eine besondere Art von Wärme, die nicht nur gefühlt dabei hilft, schneller abzuschalten, wie eine Studie der Versuchs- und Forschungsanstalt der Hafner aufzeigt: Laut dieser können Menschen aufgrund der langwelligen Infrarotstrahlung am Kachelofen, die ähnlich wie die Sonneneinstrahlung in die tieferen Hautschichten eindringt, rascher entspannen und die Muskeln regenerieren. „Der große Wärmespeicher lädt sich schnell unter großer Hitze auf, gibt diese Wärme aber langsam und sehr mild über viele Stunden ab", erklärt Thomas Schiffert, Geschäftsführer des Österreichischen Kachelofenverbands. Außerdem werde die Raumluft, anders als bei der Konvektionswärme durch Heizkörper – nicht erhitzt oder ausgetrocknet, nennt der Innungsmeister einen weiteren Vorteil der Öfen, der unter anderem auch von Allergikern besonders geschätzt wird.

Wohlgefühl seit Urzeiten

Abseits aller Vernunft, physiologischer Wirkung und Energieeffizienzüberlegungen bedient das Sitzen am Feuer aber nach wie vor ganz emotionale Bedürfnisse, die noch aus Urzeiten stammen, als der Mensch sich am Feuer sicher und gut aufgehoben gefühlt hat. Außerdem sehen gut gemachte offene Kamine, Kachel- oder Kaminöfen mit oder ohne Feuer darin einfach gut aus – und es ist kein Zufall, dass sie in Immobilieninseraten so gut wie immer extra erwähnt werden.

Kachelöfen von Biedermeier bis Art déco hat Géraldine Förster.
Kachelöfen von Biedermeier bis Art déco hat Géraldine Förster.beigestellt

Wenn sie darüber hinaus auch noch eine Geschichte erzählen können, avancieren die wärmenden Designerstücke ganz besonders schnell zu Liebhaberstücken. Eine der weltweit größten Sammlungen von Biedermeieröfen findet sich in Wien, genauer gesagt in der Währinger Straße, in der Géraldine Förster heute das 115 Jahre alte Familienunternehmen „Antike Kachelöfen" führt. Über 40 Öfen aus allen Epochen finden sich in den Ausstellungsräumen, „außerdem haben wir noch zehn bis 15 Öfen im Lager, die noch gar nicht aufgebaut sind", so die Unternehmerin. Wobei auch das Geschäft mit den historischen Wärmequellen – die ältesten Modelle in Försters Schauraum sind aktuell gute 200 Jahre alt – gewissen Moden unterliegt.

Biedermeier in Pastell

Derzeit bleiben vor allem die dunkelbraunen und dunkelgrünen Exemplare im Lager, ganz besonders gefragt sind heuer dagegen Pastellfarben, wie sie berichtet: „Seit Anfang des Jahres herrscht eine absolute Nachfrage nach diesen Tönen, Blau und Grün sind unglaublich gefragt – aber eben nur in Pastelltönen. Und ich überlege gerade, ob ich einen blasslila Ofen, den ich noch im Lager habe, wieder aufbauen lasse", so die Expertin. Immer „gehen" dagegen weiße Exemplare, ganz besonders Jugendstilöfen, wobei die Auswahl der Stücke eine sehr individuelle Entscheidung ist, denn der Ofen muss zum Kunden wie auch zum Haus passen. Aufgebaut werden die schönen Veteranen des Heizens sowohl in ganz modernen Wohnungen wie auch in historischen Gebäuden, allerdings ist nur die Hülle wirklich antik. Das Innenleben wird komplett neu gefertigt und macht die Öfen dann auch wieder absolut einsatzbereit, nachdem sie von einem Hafnermeister vor Ort installiert worden sind. Das Äußere wird vorsichtig wieder aufpoliert, wobei gewisse Altersspuren durchaus erwünscht sind: „Da werden durch einen Keramikermeister Risse oder Brüche verschönert, wenn aber beispielsweise eine Figur abgeschlagen ist, dann lassen wir das so oder bilden diese nur auf ausdrücklichen Kundenwunsch nach", erklärt sie. Denn die Authentizität ist den meisten Käufern ein großes Anliegen, genau wie der Wunsch, den Ofen zu finden, der zur Epoche des eigenen Hauses gehört.

Für Schlösser und Bauernhäuser

Der muss aber nicht immer zwingend antik sein, wie Harro Berger berichtet, der seit über 50  Jahren handgefertigte Maßöfen baut. „Klassische Öfen sind dabei am stärksten gefragt", so der Wiener, „vor allem für Schlösser ist die Nachfrage hoch." Dabei bestehe die Kunst darin, neben den stilistischen Vorgaben die Proportionen des Raumes zu treffen, so der Hafnermeister, und das gelte nicht nur für Schlösser, sondern genauso für alte Bauern- oder ganz moderne Architektenhäuser, für die er immer wieder beauftragt wird. Und das hin und wieder gleich en gros statt en détail: „Für ein Bauernhaus habe ich kürzlich acht Öfen gebaut, und für Schloss Bach in Kärnten sechs", berichtet der Altmeister, dessen Tochter Elisabeth Berger das Keramikfamilienunternehmen in der Weihburggasse weiterführt.

Für Schlösser und Bauernhäuser baut Harro Berger Kamine.
Für Schlösser und Bauernhäuser baut Harro Berger Kamine.Nina Hader

In Magazinen und Museen

Wobei nicht nur antike Öfen eine Geschichte zu erzählen haben, auch ganz moderne Kamine können schon Klassiker sein. Dazu gehört sicherlich der hängende sogenannte „Gyrofocus", den Designer Dominique Imbert 1968 kreiert hat, und der seither nicht nur in Filmen und jedem Designmagazin gefeiert, sondern auch in den Museen für Gegenwartskunst in Bordeaux und Grenoble ausgestellt und im Guggenheim Museum in New York als ein hervorragendes Beispiel guten Designs präsentiert worden ist. In Österreich wird das legendäre Objekt des französischen Kaminbauers Focus über das Wiener Unternehmen Feuerkristall vertrieben; genau wie sein jüngerer Bruder, der „Filiofocus Teleskopie", der ebenfalls Designgeschichte geschrieben hat. Denn Stararchitekt Sir Norman Foster hat Imbert seinerzeit persönlich damit beauftragt, dieses spezielle Modell für ihn zu entwerfen. So entstand ein ganz neuartiger Kamin mit Hebe-Senk-Mechanismus, der genau wie die anderen hängenden, stehenden oder in die Wand eingebauten Focus-Kamine eines gemeinsam haben: Man kann dem Feuer in ihnen zusehen.

Und das ist immer noch eine Eigenschaft, die in der Gunst der Käufer ganz oben steht. Zumal viele Befürchtungen, die im Zusammenhang mit offenem Feuer stehen, entkräftet werden können, wie Natalie Pemberger, Geschäftsführerin von Feuerkristall, erklärt: „Kleine Kinder und Haustiere verbrennen sich nicht an offenem Feuer, da sie aufgrund ihrer natürlichen Instinkte nicht ins Feuer greifen", sagt die Unternehmerin. Viel eher rate sie besorgten Eltern und/oder Haustierhaltern davon ab, eine Glasscheibe vor die Flammen zu setzen – denn dass Kinder auf das heiße Glas greifen, sei wesentlich wahrscheinlicher.