Gender Pay Gap

Analyse: Wieso Frauen weniger verdienen, auch für gleiche Arbeit

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Frauen verdienen in Österreich durchschnittlich 19,7 Prozent weniger als Männer. Der Städtebund machte mit dem Equal Pay Day am 21. Oktober auf geschlechtsspezifische Einkommensunterschiede aufmerksam.

Im Vergleich zu Männern würden Frauen rund 72 Tage im Jahr unbezahlt arbeiten. Von vergangenem Montag bis Jahresende „hakeln“ Frauen nach diesem Modell also gratis. In den vergangenen zehn Jahren schrumpfte der Gender Pay Gap um 5,4 Prozentpunkte. Dennoch liegt Österreich weiterhin über dem EU-Schnitt. Die Gründe dafür sind vielfältig. Nicht alle lassen sich wissenschaftlich erfassen.

Kinderbetreuung und alte Verwandte pflegen, das ist in Österreich traditionell Frauensache. Mehr als die Hälfte der Frauen in Teilzeit gibt an, ihre Arbeitszeit wegen Betreuungspflichten kürzen zu müssen. Gerade am Land mangelt es an Kindergartenplätzen und Nachmittagsbetreuung. Tagesmütter und mobile Pflegekräfte sind teuer. Nicht jeder kann sich das leisten.

Mehr als jede zweite Frau muss deshalb für die Familie beim Beruf zurückstecken: 51,4 Prozent arbeiten Teilzeit. Bei den Männern sind es lediglich 11,8 Prozent. Insgesamt leisten Frauen um zwei Arbeitsstunden pro Woche mehr als Männer, zumindest wenn man Hausarbeit miteinrechnet. Das Problem: Privates Bodenwischen wird nicht entlohnt.

Führungspositionen

Eine verkürzte Arbeitszeit lässt sich nicht mit Führungspositionen vereinbaren. Auch vollzeitbeschäftigte Frauen sitzen deutlich seltener als Männer im Chefsessel. Sie verpassen durch Karenzzeiten Aufstiegschancen. Wieso kinderlose häufig gegen die gläserne Decke stoßen, ist nicht klar. Insgesamt sind nur 22 Prozent der Führungskräfte in Österreich weiblich. Bei den ATX-Vorständen gibt es beinahe doppelt so viele Männer, die Peter heißen, wie Frauen. Das Verhältnis ist sieben zu vier.

Frauen arbeiten statistisch gesehen öfters in schlecht bezahlten Branchen als Männer. Während der Frauenanteil in der kapitaltragenden Warenherstellung bei 23,8 Prozent liegt, sind mehr als die Hälfte der Angestellten in Handel und Gastronomie weiblich. Im Gesundheits- und Sozialwesen sind es sogar drei Viertel. Der Großteil der Frauen ist aber nicht Ärztin, sondern Krankenschwester oder Pflegeassistentin.

Frauen bekleiden schlechter bezahlte Berufe als ihre männlichen Kollegen in derselben Firma. So ist mehr als die Hälfte entweder als Büroangestellte oder Dienstleisterin, unter anderem als Verkäuferin, tätig. Damit stehen Frauen in der patriarchalen Unternehmenshierarchie tendenziell weiter unten.

Studienwahl

Mehr Frauen als Männer schließen ein Studium ab. Allerdings entscheiden sie sich für schlechter bezahlte Studienfächer wie Geisteswissenschaften oder Sozial- und Pflegestudien. Männer hingegen wählen häufiger die sogenannten Mint-Fächer – also Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik.

Nur ein Drittel der Gehaltslücke lässt sich auf Arbeitszeit, Branche, Beruf und Bildung zurückführen - das ergibt eine Analyse von Lohnindikatoren der Statistik Austria. Strukturelle Unterschiede sind zwar wichtige Faktoren, erklären aber nicht die Gesamtproblematik.

Zieht man objektiv messbare Faktoren ab, verdienen Frauen in derselben Position für dieselbe Arbeit 13,6 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen. Der Grund: Sie sind eben Mädchen.