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Fiona Fiedler: "Warum öffnet man nicht die Sonderschulen?"

Die Presse" begleitet die neuen Mandatare Corinna Scharzenberger (ÖVP), Max Lercher (SPÖ), Michael Schnedlitz (FPÖ), Sibylle Hamann (Grüne) und Fiona Fiedler (Neos) ein Jahr lang durch ihren Alltag im Nationalrat. Hier der dritte Teil mit Fiona Fiedler

Ausgerechnet im Burgenland hat sich diese Woche der Parlamentsklub der Neos zur Klausur zusammengefunden. Man tagte im Seehotel Rust, der langjährigen Stamm-Unterkunft der Wiener SPÖ. Diskutiert wurde die pinke Strategie angesichts Türkis-Grün. Im Update-Gespräch mit der „Presse" hat sich Neo-Mandatarin Fiona Fiedler vor allem über ihren Bereich - Menschen mit Behinderung, Inklusion - Gedanken gemacht.

Frau Fiedler, Sie hatten Geburtstag, alles Gute. Wobei Ihnen das Burgenland kein Geschenk gemacht hat. Warum hat es dort für die Neos nicht geklappt? Als Steirerin kennen sich ja mit den ländlicheren Strukturen aus.
Das ist traurig und tut mir so leid. Das Team hat sich wirklich ins Zeug gelegt. Aber wir Neos hatten zuletzt ein sehr gutes Jahr und das war halt einmal ein Bauchfleck. Das darf auch einmal passieren. Ich hoffe, dass es im März in der Steiermark (Anm.: bei den Gemeinderatswahlen) wieder besser geht.

Die Burgendlandwahl hat wieder gezeigt, wie sehr es auf die Spitzenkandidaten persönlich ankommt. War Eduard Posch die richtige Wahl?
Definitiv. Er hat sich extrem engagiert. Aber vielleicht war er noch zu unbekannt.

Sie sind Sprecherin für Menschen mit Behinderung und Tierschutz. Was aus Ihrem Bereich hat Ihnen im Regierungsprogramm am besten gefallen – und was so gar nicht?

Beide Bereiche sind mir zu kurz und zu vage ausgeführt. Eineinhalb Seiten zur Inklusion bei einem Programm von über 300 Seiten? Das ist zu wenig

Können Sie eine ganz konkrete Maßnahme nennen, die Ihnen abgeht?
Ich würde mir wünschen, dass inkludiertes Lernen ab dem Kindergarten durchgängig umgesetzt wird. Natürlich geht das nicht von heute auf morgen. Gerade deshalb vermisse ich auch so sehr konkrete Zeitpläne für die Umsetzung im Regierungsprogramm. Wobei man schon jetzt einiges tun könnte: Warum zum Beispiel öffnet man nicht verstärkt Sonderschulen für Kinder ohne Behinderung statt sie zu schließen? Das ist doch ein Schwachsinn. Die sind bereits entsprechend ausgerüstet, während man die Regelschulen erst adaptieren muss. Natürlich muss man auch die Regelschulen anpassen, also barrierefrei machen et cetera. Aber wenn es solche Einrichtungen gibt, wo schon alles da ist, sollte man die doch nutzen, oder?

Wie motiviert man Eltern von Kindern ohne Behinderung, ihr Kind dorthin zu schicken?
Voraussetzung ist natürlich, dass die Kinder dort den gleichen Unterricht wie in einer Regelschule erhalten. Und natürlich muss das Verhältnis der Kinder mit und ohne Behinderung in den Klassen passen. Vielleicht könnten die Klassen auch kleiner sein.

Haben Sie Beispiele für konkrete Standorte, die unnötiger Weise geschlossen wurden?
Nein, die habe ich jetzt nicht im Kopf. Aus meiner Zeit als Lehrerin weiß ich aber noch zu gut, dass es aber auch bei der Inklusion in den Regelschulen hapert: Man kriegt solch ein Kind in die Klasse, sucht um eine zusätzliche Betreuung an und dann wartet man ewig. Das schafft eine Situation, mit der keiner glücklich ist. Das Kind ist sich selber überlassen, der Lehrer, der ja kein Sonderschullehrer ist, ist überfordert, und auch für die anderen Kinder, die erst lernen müssen, mit dem behinderten Kind umzugehen, ist es schwierig. Vor allem, wenn es sich um ein schwer behindertes Kind handelt.

Wie funktioniert Inklusion da überhaupt?
Als ich als Lehrerin damals eine Klasse für zwei, drei Wochen übernommen habe, hatte ich einen autistischen Schüler dabei. Als ich in die Klasse gekommen bin, ist er mit seiner Betreuerin auf der Seite gesessen. Ich habe dann gesagt, er soll doch mit uns mitmachen. Er konnte nur das A und das O in Texten erkennen, aber die As und Os hat er mir dann in Deutsch vorgelesen. Das hat ihn so gefreut, einfach weil er mitlesen durfte. Natürlich kann er keine Deutschschularbeit schreiben, aber er durfte sich ausdrücken.

Ihrer Erfahrung nach heißt Inklusion also öfter, dass die Kinder mit Behinderung zwar physisch in der Klasse sind, aber nicht Teil der Klasse?
Ja. Das heißt im Umkehrschluss aber nicht, dass sie alles mitmachen müssen. Das geht nicht immer. Aber der Schluss daraus kann auch nicht sein: Sitz in der Ecke und beschäftige dich mit deinem Lernspielzeug. Diese Kinder haben ein Recht auf Teilhabe. Sie sollen ein Gefühl der Gemeinschaft haben, wissen, wie das ist, wenn man im Kreis steht und jemand deine Hand nimmt. Ich kann nicht sagen: Ihr könnt nur die Hälfte, deshalb kriegt Ihr auch nur die Hälfte. Das ist so, wie wenn man eine Wohnsiedlung baut und meint, die Bewohner mit Behinderung sollen eben im Erdgeschoss wohnen, da der eh barrierefrei ist. Ich finde: Auch ein Mensch mit Behinderung hat das Recht sich eine Dachterrasse zu leisten, weshalb man zumindest ein Haus komplett barrierefrei bauen muss. Wenn ich morgen einen Unfall habe, möchte ich auch nicht aufs Abstellgleis geschoben werden, nur weil ich nicht mehr Kurvendiskussion rechnen kann.

Sie sind nicht nur als Lehrerin, sondern auch im Parlament eine soziologisch interessierte Beobachterin. Ist Ihnen seit unserem letzten Gespräch wieder etwas Neues aufgefallen?
Ich muss sagen, ich bin positiv überrascht. Ich habe inzwischen schon meine dritte Rede gehalten. Bei der ersten sind Zwischenrufe ja verboten, aber auch bei der zweiten und dritten gab es keine. Und ich habe meinen ersten Entschließungsantrag eingebracht, Thema war die persönlichen Assistenz in allen Lebensbereichen. Und dabei sind nach und nach alle im Saal aufgestanden. Damit habe ich nicht gerechnet. Das ist ein Moment, der mir heute noch Gänsehaut zaubert, ein bisschen wie persönliche standing ovations. Dieser Zusammenhalt über Parteigrenzen hinweg hat mir gut gefallen. Gefallen hat mir auch, dass der Bundesminister Anschober gesagt hat, dass er seine Hand ausstreckt und gemeinsam mit allen regieren will. Ich habe das Gefühl: Der hat verstanden worum es geht.

Das klingt, als würden Sie ihm zutrauen, dass er einen guten Job macht.
Definitiv. Natürlich hat er von heute auf morgen nicht alle Antworten, aber das ist ja logisch

So viel Lob von einer Oppositionspolitikerin ist ungewöhnlich. Ist Ihr Job nicht Kritik?
Ehrlich? Meine Idee von dem Job ist, dass man gemeinsam etwas weiterbringt. Wir Neos werden kritisch bei Präventivhaft und U-Ausschuss hinschauen, aber wenn etwas funktioniert, werde ich doch nicht dagegen arbeiten.

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