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Halb Wien mit Rad erfahren

"Rund um Wien"
"Rund um Wien"(c) Benedikt Kommenda

„Ich fahr so viel allein, dass ich ganz vergessen hab, wie leicht es in der Gruppe geht!“

Gemütlich im Windschatten dahinrollend, umschreibt ein Teilnehmer unbewusst, welchem Zweck diese kleine Radsportveranstaltung (auch) dient: Sie soll zeigen, dass selbst Distanzen von über 100 Kilometern zu schaffen sind, wenn man sie gemeinsam angeht und in überschaubare Etappen teilt. Vor allem aber ist die alljährliche Aktion Rund um Wien, die Johannes Pepelnik am Sonntag zum fünften Mal organisiert hat, dazu gedacht, die Stadt aus verschiedenen Perspektiven erfahrbar zu machen.

Pepelnik ist Anwalt und legt zwar auch einen Schwerpunkt seiner Arbeit auf Fahrrad- und Straßenverkehrsthemen; fürs Radeln zu werben ist aber eine private Mission – selbst gebackene Haferflockenriegel für alle inklusive. Einmal war das Wasser in der Stadt Thema von Rund um Wien, heuer waren es die zentrumsfernsten Öffi-Stationen, 2020 sind es die Friedhöfe.

Beim Start am nebligen Morgen vor der Urania ist gleich der erste Patschen zu beheben, der zweite und letzte folgt wenig später. Ein Sturz verläuft glimpflich: Pepelniks Sohn hat sich zu ambitioniert in die Kurve gelegt, sodass ihm das Rad auf dem feuchten Asphalt wegrutscht. Während ältere Radler ihn trösten, dass am neuen Fahrrad bloß Sattel und Lenker leicht beleidigt seien („nur Verbrauchsmaterial“), fragt eine mitradelnde angehende Kinderärztin den Buben, ob er selbst eh okay sei. Ja, ist er, und trotz blutigen Knies wird er am Nachmittag noch Staatsmeister im Landhockey in seiner Altersklasse werden. Deswegen muss er bei der ersten Labestation bei Kilometer 40 aussteigen, wie übrigens auch ich (aus Zeitgründen, nicht wegen Hockey). Die zweite Labung nach 80 Kilometern und dritte am Ende nach 120 Kilometern versäumen wir – und doch habe ich in meinem Halbrund um Wien (jenseits der Donau) Gegenden gesehen, die mir bisher nicht vertraut waren.

Die nächste vergleichbare, aber mehr für Hardcore-Radler gedachte Veranstaltung ist bereits fertig geplant: Am 8. Dezember fährt Pepelnik mit Freunden und Freunden von Freunden auf Wiener Straßen eine summierte Höhendifferenz von 1600 Metern: fürs Großglockner-Feeling in der Stadt.

E-Mails an: benedikt.kommenda@diepresse.com

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.10.2019)