Eva Glawischnig verlangt ein Wiener Wunder. Mutig. Aber wenn es nicht klappt, ist die Partei reif für die Gruppentherapie.
Da soll noch einer sagen, Politiker seien nicht lernwillig: Erst am Mittwoch hatte in einer als ATV-Sendung getarnten Gruppentherapie der Grünen Politikberater Thomas Hofer sinngemäß Eva Glawischnig geraten, für den Wahlkampf in Wien ein Duell gegen die ÖVP zu inszenieren. Quasi als Spiegelung des herbeigeschriebenen Zweikampfs Häupl vs. Strache. Und voilà, drei Tage später gibt die Bundessprecherin der Grünen das Match um Platz drei und das Überrunden der ÖVP als Wahlziel vor.
Sehr brav. Aber schlau? Abgesehen davon, dass das Durchreichen fremder Ideen nicht souverän wirkt (der Anschein genügt da schon), fragt man sich, warum man in Zeiten, in denen die Partei bitter einen Triumph braucht (nämlich so bitter, dass sie die letzten 0,xx-Zuwächse bei den Gemeinderatswahlen in Vorarlberg und Oberösterreich als Erfolg verkauft), per Zuruf einen Drahtseilakt einfordert. Noch dazu ohne Netz. Denn für Glawischnig ist Platz drei Voraussetzung für eine mögliche Zusammenarbeit mit der SPÖ, die sich „eine Koalition mit einem Wahlverlierer nicht leisten kann“. Mutig, aber schwerer kann man es sich echt nicht machen.
Und auch nicht der Wiener Grünen-Chefin Maria Vassilakou, die schon lange den Boden für eine Mitregierung bereiten will, sollte die SPÖ die Absolute verlieren. Vassilakou versucht das durch Lobbying und mit Van der Bellen in der Hinterhand. Aber ob „Sascha-Effekt“ und Stadtparteibonus tatsächlich für Platz drei reichen? Wenn nicht: Die nächste TV-Gruppensitzung wartet schon.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.06.2010)