ÖBB

Zug um Zug mehr Bahn

Die Bahn will den Regionalverkehr massiv ausbauen.
Die Bahn will den Regionalverkehr massiv ausbauen.APA/HELMUT FOHRINGER

Die Bahn will den Regionalverkehr massiv ausbauen – und bietet neue Fernzüge nach Bozen, Berlin oder Brüssel. Tickets werden teurer, wer 18 wird, bekommt ein Goodie.

Wien. Als größtes Klimaschutzunternehmen des Landes wollen sich die ÖBB positionieren. Und es ist wohl der richtige Moment, um bei den Zügen auszubauen: Die ÖBB bieten ab 15. Dezember vier Millionen zusätzliche Zugkilometer an – laut Bahnchef Andreas Matthä die größte Ausweitung der vergangenen Jahre, wenn nicht Jahrzehnte. Diese schlägt sich sowohl im Regionalverkehr als auch bei den Fernzügen nieder. Und in der Nacht, wo es bald nach Brüssel und Amsterdam geht. Die wichtigsten Änderungen.

Bessere Intervalle

Der neue Fahrplan soll einen massiven Ausbau des Nah- und Regionalverkehrs bringen. In der Ostregion soll es ein Plus von zehn Prozent geben, mit verbesserten Intervallen und längeren Betriebszeiten. Auf der Strecke St.Pölten–Wien sei laut Matthä so niemand mehr auf das Auto angewiesen. Im nationalen Fernverkehr gibt es neue Verbindungen am Tagesrand: Von Wien geht es spätabends nach Graz, von Graz frühmorgens nach Villach. Zudem gibt es eine späte Direktverbindung von Salzburg nach Wien. An Winterwochenenden ist eine direkte Verbindung von Wien über Linz nach Bischofshofen geplant.

Mehr Nachtzüge

Highlight wird die Nachtverbindung Wien–Brüssel, die im Jänner startet, und die es zwei Mal wöchentlich gibt. Ein Jahr später soll eine direkte Nachtverbindung nach Amsterdam folgen. Und das sollen nicht die letzten Destinationen eines ÖBB-Nightjets sein, die ÖBB sei mit anderen Staatsbahnen in Kontakt. Schweden sei nicht uninteressant. Nachgefragt werden Nightjets: Die ÖBB hat ein Plus von elf Prozent verzeichnet, sehr beliebt sind die Züge nach Rom oder Hamburg. Auf der Strecke Wien–Bregenz gab es einen Zuwachs um 20 Prozent.

Neue Fernzüge

Die internationalen Fernzüge – sie machen mehr als die Hälfte der rund 300 Fernverbindungen aus – werden ebenfalls ausgebaut. So wollen die ÖBB ihre Fahrgäste mit Start des neuen Fahrplans täglich von Wien über Salzburg und Innsbruck nach Bozen bringen. Von Graz über Wien und Krakau geht es nach Przemyśl in Polen. Und von Wien über das ungarische Debrecen nach Satu Mare in Rumänien. Ab dem Mai 2020 steht Fahrgästen zudem eine weitere Direktverbindung nach Berlin zur Auswahl: Von Graz geht es über Wien ohne Umsteigen nach Dresden und in die deutsche Bundeshauptstadt.

Teurere Tickets

Im Schnitt werden die Bahntickets mit dem neuen Fahrplan um 1,9 Prozent teurer. Verbundkarten sind nicht betroffen, ebenso wenig wie die Preise für die ÖBB-Vorteilscard. Teurer wird die Österreichcard. Die Strecke Wien–Linz kostet ab Mitte Dezember mit der Vorteilscard künftig 19,30 Euro statt bisher 18,70 Euro, ebenso um 60 Cent teurer wird die Strecke Wien–Innsbruck oder Wien–Salzburg. Jene rund 90.000 Jugendlichen, die 2020 ihren 18. Geburtstag feiern werden, bekommen von den ÖBB ein Geschenk: Sie können sich gratis die Vorteilscard holen.

Neue Services

Die ÖBB haben auch neue Services angekündigt. So soll es beispielsweise im Railjet Absperrmöglichkeiten für Koffer und Reisetaschen geben. Sie sollen im zweiten Halbjahr 2020 eingeführt werden und kontaktlos mit Bankomat- oder Kreditkarte funktionieren. Die Nightjets werden ab 2020 sukzessive mit WLAN ausgestattet. Die Kinderecken in den Railjets sollen dafür analog statt digital werden: Das Kinderkino wird zur Spielecke.

Mehr Carsharing

Ausgebaut werden soll das ÖBB-Carsharing „Rail & Drive“, das aktuell rund 5000 Mal pro Monat genutzt wird. Derzeit können an 27 Standorten Autos ausgeliehen werden, an zwölf davon E-Fahrzeuge. Weitere E-Standorte sind in Innsbruck, Klagenfurt und Graz in Planung, langfristig will die Bahn durchgängig Elektromobilität anbieten.

Modernere Flotte

Die Zugflotte soll moderner werden. Schon im Sommer sollen in der Ostregion nach und nach weitere 24 Cityjets vom Typ Desiro ML auf Schiene kommen. In Vorarlberg werden im nächsten Fahrplanjahr die neuen Cityjets vom Typ Talent3 eingesetzt. Zusätzlich erhalten rund 100 Doppelstockwagen ein Upgrade. Insgesamt steckt die Bahn in neue Züge, Umrüstungen und eine Serviceinitiative 2,8 Milliarden Euro.

Weniger Westbahn

Bei der privaten Westbahn ändert sich mit 15. Dezember auch etwas: Sie stellt Wien–Salzburg wie angekündigt von Halbstundentakt auf Stundentakt um. Von Montag bis Donnerstag sollen die Züge in der Früh und am Nachmittag aber doch halbstündig zwischen Salzburg und Wien fahren. Am Freitag, Samstag und Sonntag soll es ebenfalls Zusatzzüge geben, aber überwiegend zwischen Wien und Linz und nur teilweise bis Salzburg. Ab Dezember fährt die Westbahn nur noch am Westbahnhof ab. (red./APA)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.10.2019)