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Wohnanlagen: Mit Hof und hohen Räumen

Wohnanlagen hohen Raeumen
(c) Die Presse (Clemens Fabry)
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Architekten tüfteln an innovativen Bauten. Das Ergebnis: viel Raum auch nach oben, Platz für Paradeiser und einen eigenen Patio.

„Und wo ist eigentlich Ihre Geheimwohnung versteckt?“ Diese Frage stellte unlängst ein Bewohner der Anlage „Wilhelmskaserne“ dem Architekten des Gebäudes, Walter Stelzhammer. Kein Wunder, hat dieser doch bei der Planung des Baus in der Wiener Vorgartenstraße neue, unkonventionelle Wege beschritten – bei Grundrisskonzepten, bei der Anordnung der Wohnungen zueinander beispielsweise.

„Es wirkt wie ein Durcheinander“, schmunzelt Stelzhammer. „Viele erkennen nicht, wie die Wohnungen genau angelegt sind.“ Doch das Durcheinander hat System. Der Architekt wollte Platz schaffen – für Räume mit fast vier Meter Höhe, für großzügige Loggien, für Privatsphäre in der Anlage. Und das in einem geförderten Wohnbau. Deshalb musste natürlich anderswo gespart werden; er habe ganz schön tüfteln müssen, um den finanziellen Vorgaben zu entsprechen, sagt Stelzhammer. Durch eine ausgeklügelte Anordnung der Wohnungen sei es dann möglich geworden, den Raum für Stiegenhäuser auf das notwendige Minimum zu beschränken – Raum, der dem Wohnen zugutekommt.

 

Krautgarten in Grün

Die Anlage Wilhelmskaserne ist nur ein Beispiel von vielen für neue planerische Zugänge im Wohnbau. Gebäude, in denen sich die Wohnungen entlang eines schnurgeraden Ganges aneinanderreihen, in denen ein Grundriss wie der andere aussieht, sind passé. Architekten wie Walter Stelzhammer arbeiten an Raumhöhen, die sogar Altbaubewohner staunen lassen. Oder an Wohnungen mit so vielen Grünflächen, dass selbst Hausbesitzer verwundert schauen.

Beim Projekt „Krautgarten“ im 22. Bezirk etwa war es Martin Haller von Caramel Architekten besonders wichtig, dass man bei jeder Wohnung die Möglichkeit hat, ein Gemüsegärtchen anzulegen. Die 17 Einheiten der Anlage haben entweder großzügige Loggien oder Terrassen, auf denen Paradeiser und Ribisel gedeihen sollen. Oder aber Eigengärten im Erdgeschoß, die den Bewohnern helfen sollen, sich ein wenig selbst zu versorgen. Und zusätzlich gibt es noch Gemeinschaftsflächen mit Wildzaun, Schottergarten, Liegeflächen – und noch einmal Platz für Beete, ganz nach dem Vorbild eines Gemüsegartens auf einem Bauernhof.

Selbst die grüngelbe Farbe des Baus passt ins Konzept, „das vor allem junge Familien ansprechen soll“, wie Haller sagt. Und auch hier ist man bei der Anordnung der Wohnungen unkonventionelle Wege gegangen. „Wir haben die Einheiten ineinander gestapelt und damit ganz individuelle Wohnungen geplant“, erklärt der Architekt.

 

Hofhaus in luftiger Höhe

Manchmal macht es schon der Bauplatz notwendig, ein ausgefallenes Gebäude zu errichten. So geschehen in Linz, auf einem Restgrundstück mit Busbucht davor, das wegen fehlender Aussicht und miserablen Lichtverhältnissen schlichtweg als unbebaubar galt. Die „x architekten“ haben sich der Problemfläche angenommen und kurzerhand einen eigenen Haustyp dafür erfunden. „My home is my patio“ heißt das Gebäude nun, auch hier wurden unterschiedliche Wohnungstypen neben- und übereinander gestapelt. Im Erdgeschoß finden sich Geschäftsflächen, darüber gibt es klassische Geschoßwohnungen und „Hofhäuser“ mit uneinsichtigen Patios und Terrassen auf zwei Etagen. Diese wurden auf den Bau aufgesetzt und vermitteln den Bewohnern das Gefühl, mitten in der Stadt in einer großen Anlage in einem Einfamilienhaus zu wohnen. „So kann bei enormer Dichte der Einheiten doch eine hohe Wohnqualität geschaffen werden“, sagt Projektleiter Max Nirenberger.

 

Wer bastelt mit?

Indes planen die „x architekten“ an einer weiteren Anlage, diesmal im Hamburger Stadtteil Wilhelmsburg. Die „Wohnwerkstatt“ soll ein regelrechtes Experimentierfeld in Sachen Zukunft des Wohnbaus werden. So entstehen nicht nur Wohnungen, sondern auch ein „Labor“, in dem an weiteren Innovationen getüftelt wird.


www.architekt-stelzhammer.at
www.caramel.at
www.xarchitekten.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.06.2010)