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Strategische Geste

Premiere: Russische Langstreckenbomber in Südafrika gelandet

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Blackjack auf der Waterkloof-Basis nahe PretoriaAPA/AFP/EMMANUEL CROSET
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Zwei Langstreckenbomber Tupolew Tu-160 Blackjack wurden erstmals in der Geschichte zu einem Besuch nach Afrika verlegt. Ziel ist die Stärkung der Kontakte Pretoria-Moskau und Flaggezeigen in Afrika.

Vor dem Hintergrund des großen Afrika-Russland-Gipfels, der am Dienstag in der russischen Schwarzmeerstadt Sotschi begonnen hatte und bis heute Donnerstag dauert, hat es ein historisch beispielloses Ereignis gegeben: Zwei strategische Bomber Typ Tupolew Tu-160 (Nato-Code: Blackjack") der russischen Luftwaffe sind am Mittwoch auf der südafrikanischen Luftwaffenbasis Waterkloof nahe Pretoria gelandet. Der Flug diente nach Angaben aus Russland dem Training; die symbolische Wirkung konnte angesichts der Versuche Russlands, seine Position nicht nur in Afrika auszubauen, aber nicht übersehen werden.

Tatsächlich hieß aus dem Moskauer Verteidigungsministerium, diese erstmalige Verlegung großer russischer Kampfflugzeuge nach Südafrika solle die militärischen Beziehungen beider Länder fördern. Es handelt sich zugleich um den ersten Aufenthalt dieser strategischen Bomber, die in Russland als „Weißer Schwan" bekannt sind, in Afrika überhaupt.

Gripen-Eskorte

Luftfahrtkenner hatten über die bevorstehende Verlegung bereits vor wenigen Tagen geschrieben. Zudem hatte das südafrikanische Militär in einem auch per Twitter verbreiteten Brief die Landung der Bomber angekündigt, ursprünglich für Dienstag, und nicht zuletzt Plane Spotter und Journalisten dazu eingeladen. Über dem Luftraum des Landes wurden die Bomber von Saab-„Gripen"-Jägern sowie „Hawk"-Jets der südafrikanischen Luftwaffe eskortiert.

Südafrikanische und russische Offiziere.APA/AFP/EMMANUEL CROSET

Neben den Bombern flogen auch ein Großraumtransporter mit Ersatzteilen und Versorgungsgütern sowie ein Iljuschin-Passagierflugzeug mit Diplomaten, Journalisten und Offizieren von Russland nach Südafrika.

Waterkloof ist praktisch der Hauptstützpunkt der südafrikanischen Luftwaffe mit ihren rund 220 Fluggeräten aller Art, deren harter Kern zuletzt etwa 17 aktive Gripen (plus neun Trainer) und 24 Hawks waren, Letztere taugen auch als leichte Erdkamfflugzeuge. In Waterkloof sind allerdings in der Regel keine Kampfmaschinen; die Gripen und Hawks befinden sich in Makhado, der „Fighter Town" im Nordosten des Landes nahe der Grenze zu Simbabwe.

Südafrikanische GripenSüdafrikanische Luftwaffe/Frans Dely

Berichten zufolge hätte der Besuch der Blackjacks schon 2016 stattfinden sollen; er wurde aber kurz zuvor verschoben, weil man die Bomber damals für Angriffe auf Ziele in Syrien brauchte.

Die „Weißen Schwäne" sind in der Vergangenheit mehrfach für Flaggenzeige-Aktionen benutzt worden, namentlich 2003, 2008 and 2018 in Venezuela. Von den seit den 1980ern in Serie gebauten 27 Stück sind noch 16 im Einsatz. Die riesigen Maschinen haben eine Reichweite von maximal mehr als 12.000 Kilometern, können Mach zwei erreichen und intern rund 45 Tonnen Waffen mitführen, darunter auch Kernwaffen.

Putins Milliardeninvestitionen für Afrika

Für den Gipfel in Sotschi am Schwarzen Meer waren unterdessen 44 Staats- und Regierungschefs Afrikas geladen, insgesamt zählte man rund 10.000 Teilnehmer aus 54 afrikanischen Staaten und Russland. "Afrika wird immer mehr zu einem Kontinent der Möglichkeiten", sagte Russlands Präsident Wladimir Putin vor dem Gipfelstart. Er kündigte Milliardeninvestitionen für Afrika an.

Russland will rund drei Jahrzehnte nach Zusammenbruch des Ostblocks an alte Kontakte aus Sowjetzeiten anknüpfen. Nicht zuletzt unter dem Einfluss Moskaus hätten ab den 1960er-Jahren viele Kolonien des Westens in Afrika ihre Freiheit erlangt, erinnert der russische Afrika-Experte Leonid Fituni. Die Sowjetunion und verbündete Staaten wie die DDR habe den Ländern damals geholfen, eigene Wirtschaften aufzubauen. Hunderttausende Afrikaner seien in Russland ausgebildet worden.

APA/AFP/EMMANUEL CROSET

Der Vizechef des Afrika-Instituts der russischen Akademie der Wissenschaften ist überzeugt, dass Russland von der neuen "Goldgräberstimmung" in Afrika profitieren könnte. Fituni verweist auf die Chinesen, die seit Jahren ihren Einfluss dort ausbauen und weit vor den Russen liegen. Unter dem Druck antirussischer Sanktionen der USA und der EU könne das Land den afrikanischen Wachstumsmarkt nutzen. Zudem kommt man dort mittlerweile weniger gern mit europäischen Unternehmen und Staaten in Kontakt, weil diese häufig allerhand Ansprüche hinsichtlich etwa Umweltschutz und Menschenrechte stellen.

China sehr weit voran

Russland will etwa Getreide und landwirtschaftliche Maschinen, Flugzeuge und Weltraumtechnik, Fahrzeuge, pharmazeutische Produkte und Waffen exportieren. Das Handelsvolumen könnte von 20 Milliarden US-Dollar (2018) in Bälde um das Dreifache steigen, heißt es. Zum Vergleich: Das chinesisch-afrikanische Handelsvolumen betrug zuletzt (2018) etwa 300 Milliarden Dollar (2018).

Putin indes will Afrika weder China noch dem Westen überlassen. Russische Kommentatoren haben Afrika sogar schon zum Schlachtfeld eines neuen Kalten Krieges mit dem Westen erklärt. Mit etwa 30 afrikanischen Staaten haben die Russen Medien zufolge zuletzt militärische und politische Vereinbarungen getroffen. Ende November soll ein Flottenbesuch russischer und chinesischer Kriegsschiffe im südafrikanischen Marine-Stützpunkt Simons Town südlich von Kapstadt stattfinden. (wg/Reuters)