Porträt

Barbara Potisk-Eibensteiner: „Ich bin ein Papierkind“

Potisk-Eibensteiner
Vorständin Barbara Potisk-Eibensteiner nennt den Frauenmangel in den Führungsetagen "sehr bedauerlich".Clemens Fabry

Barbara Potisk-Eibensteiner ging über stählerne Umwege, bis sie „zurück“ zu ihren Wurzeln in der Papierindustrie fand. Als CFO der Heinzel Group und Aufsichtsrätin gehört sie zur weiblichen Minderheit in heimischen Vorstandsetagen.

Die Wege von Barbara Potisk-Eibensteiner führten lange Zeit über stählerne Treppen. Denn bevor die 51-Jährige 2017 Finanzvorständin der Papier- und Zellstoffgruppe Heinzel wurde, war sie jahrelang in der Stahlindustrie tätig. Zunächst bei Böhler-Uddeholm, dann als Finanzvorständin bei RHI, bis diese mit Magnesita fusioniert wurde. Ihre Anfänge fand die studierte Betriebswirtin allerdings ganz woanders: im Investmentbereich der Creditanstalt. Dass sie heute in der Papierindustrie tätig ist, ist für die gebürtige Steirerin jedoch wenig überraschend: „Ich bin ein Papierkind“, sagt sie selbst.

Der Vater war in der Papierindustrie tätig, die im Heimatort Gratkorn mit der Sappi-Fabrik eine lange Tradition hat. „Das hat schon eine gewisse Faszination für mich gehabt, immerhin habe ich auch in den Ferien, während meines Studiums in Graz, dort viel gearbeitet.“ Sie sei „extra weggegangen“, in die Bundeshauptstadt, „damit ich nicht in diese Branche gehe, in der jeder Weg vorgezeichnet ist. Jetzt aber hat sich der Kreis geschlossen.“

Es war für mich absolut hilfreich, ich bereue es keinen Tag, dass ich das gemacht habe. Ich habe viele interessante Menschen kennengelernt.

Barbara Potisk-Eibensteiner

Pionierin der ersten Stunde

Potisk-Eibensteiner war bereits bei der allerersten Runde des Führungskräfteprogramms „Zukunft.Frauen“ im Jahr 2010 dabei. Heute ist sie, neben ihrer Funktion als CFO bei Heinzel, auch Aufsichtsrätin bei der Allgemeinen Pensionskasse. „Zukunft.Frauen“ nennt sie dafür eine „extrem gute Vorbereitung“: Die Module zu juristischen Themen, Finanzwesen und Aktienmarkt seien nicht nur für Aufsichtsräte, sondern auch für die eigene Vorstandsposition nützlich. Denn: „Sie sind ja auf diese Position nicht vorbereitet. Das wird alles vorausgesetzt.“

Auf einen Blick

Das Führungskräfteprogramm „Zukunft.Frauen“ will qualifizierte Frauen in Management- und Aufsichtsratspositionen oder in der Selbstständigkeit etablieren, vernetzen und in der Öffentlichkeit sichtbarer machen. Generell sollen Frauen dadurch motiviert werden, sich für Führungspositionen zu bewerben. Entwickelt wurde der Lehrgang nach norwegischem Vorbild vom damaligen Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft, der Wirtschaftskammer Österreich (WKO) und der Industriellenvereinigung (IV). Jeder Durchgang besteht aus acht halbtägigen Themenblöcken und Kamingesprächen mit Experten. Derzeit läuft der 16. Durchgang, der 17. startet am
3. März 2020.

Zugangsvoraussetzungen für eine erfolgreiche Bewerbung sind mindestens fünf Jahre Führungserfahrung, betriebswirtschaftliches Fachwissen, starke Vernetzung und ein neuer Karriereschritt, der für die nächsten beiden Jahre angestrebt wird. Bewerbungen sind noch bis
21. November 2019 möglich. Nähere Infos unter: www.wko.at/zukunftfrauen.

Das „sehr feine Finanzmodul“ als eine Art Crashkurs für Unerfahrene fand sie gut. Dass der Lehrgang an der Ebene der eigenen Persönlichkeit ansetze, lobt Potisk-Eibensteiner ebenfalls. Generell decke „Zukunft.Frauen“ viele zentrale Herausforderungen ab. Die Kamingespräche mit erfahrenen Aufsichtsräten seien ihr in besonders positiver Erinnerung geblieben. „Es war für mich absolut hilfreich, ich bereue es keinen Tag, dass ich das gemacht habe. Ich habe viele interessante Menschen kennengelernt.“

Danach automatisch mit einem Job als Aufsichtsrat zu rechnen, nennt sie jedoch vermessen. Sei man nicht zumindest bereits auf C-Level, also im obersten Managementbereich, sei es schwierig bis unrealistisch, gleich nach dem Lehrgang von einer Stelle in einem Aufsichtsrat auszugehen. Das Spannungsfeld, das ein solches Mandat mit sich bringt, ist für sie der Grund: „Da gibt es sehr oft Konflikte. Oft wird es auch nicht so gern gesehen, wenn man dort und dort noch im Aufsichtsrat sitzt“, sagt die Vorständin. Sie selbst habe stets das Okay ihres eigenen Unternehmens eingeholt. „Das ist für mich selbstverständlich.“ Immerhin käme die zusätzliche Tätigkeit auch mit gewissen Abwesenheiten einher, „das muss irgendwo abgestimmt sein“.

Eklatanter Frauenmangel

Eine Aufsichtsratfunktion zu erhalten hänge „immer mit einem gewissen Netzwerk und einer gewissen Ausbildung“ zusammen. Als geprüfte Finanzanalystin empfiehlt sich Potisk-Eibensteiner dafür.

Je größer das Portfolio an Frauen ist, desto eher wird es angenommen, sie in Aufsichtsräte zu nehmen. So eine Datenbank kann da nur von Vorteil sein.

Barbara Potisk-Eibensteiner

Die Datenbank von „Zukunft.Frauen“ mache geeignete Frauen sichtbarer: „Je größer das Portfolio an Frauen ist, desto eher wird es angenommen, sie in Aufsichtsräte zu nehmen. So eine Datenbank kann da nur von Vorteil sein.“ Die magere Anzahl von aktuell sechs (!) Frauen in den Vorständen der 20 ATX-Unternehmen verärgert sie. „Es gibt immer noch einen enormen Aufholbedarf. Der Staat ist schon sehr bemüht, Frauenquoten zu erfüllen. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass es nur in staatsnahen Betrieben Sinn macht, auf eine 50/50-Quote zu gehen, und in anderen Unternehmen genau das Gegenteil passiert. Das ist einfach bedauerlich.“

Diese Serie wird von der „Presse“ in redaktioneller Unabhängigkeit gestaltet. Ermöglicht wird sie durch finanzielle Unterstützung von „Zukunft.Frauen“.

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.10.2019)