Naschmarktsanierung: Neue Verzögerung

Naschmarktsanierung Neue Verzoegerung
Naschmarktsanierung Neue Verzoegerung(c) Die Presse (Clemens Fabry)
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Die Bagger kommen erst im September – frühestens. Vielleicht auch erst nach der Wien-Wahl. Erneuert wird in erster Linie unterirdisch: veraltete Gas-, Strom- und Abwasserleitungen.

WIEN. Zuerst hieß es, sie kommen im Frühling, dann wurde Sommer daraus und nun sollen die ersten Bagger frühestens im Herbst auftauchen. „Erst nach den Sommerferien“ soll der Bauch von Wien, wie man den Naschmarkt in Anlehnung an Emile Zola nennen kann, saniert werden, sagt die Bezirkschefin von Mariahilf, Renate Kaufmann (SP). Ein genauer Termin steht aber noch nicht fest.

Dabei wird der Besucher am Ende der bis zu fünf Jahre dauernden Generalsanierung keine große Veränderung bemerken. Denn der Naschmarkt bekommt im Grunde nur neue Innereien, wird bloß unterirdisch auf Vordermann gebracht. Die heillos veralteten Gas-, Strom- und Abwasserleitungen werden erneuert, der Boden muss dafür aufgerissen werden. Immerhin wird im Zuge dessen die Straße zwischen den Ständen einheitlich und vor allem barrierefrei gestaltet. Neue Leuchten ersetzen schon jetzt teilweise die alten Jugendstillampen. Aus Vorsicht und aus Furcht, Standler, Stammgäste und Touristen zu vergraulen, wurde die rund 14,7 Mio. Euro teure Sanierung von Anfang an in viele kleine Teiletappen zu je sechs bis acht Wochen zerlegt. Die erste soll, wenn mit der öffentlichen Ausschreibung (Angebotseröffnung ist am kommenden Dienstag) alles glattgeht, im September starten.

Christkindlstände als Provisorium

Begonnen wird mit der an der rechten Wienzeile gelegenen Parkfläche, weil auf der in weiterer Folge die provisorischen Holzhütten für jene Marktbetreiber Platz bekommen sollen, die während der Umbauphase ihres Marktbereiches weiter ihrem Geschäft nachgehen wollen. Wobei das so viele offenbar nicht sind. „Einige haben angekündigt, dass sie in den sechs Wochen der Sanierung selbst umbauen wollen oder Urlaub machen“, sagt Kaufmann. Vorerst hat die Stadt nur zehn der „eher rustikalen“ Holzhütten angemietet, die sonst bei Christkindlmärkten im Einsatz sind. Der Naschmarkt bekommt also einen kleinen Ausweichmarkt im dezenten Christmas-Look.

Die vielleicht stärkste Veränderung im Zuge der umfassenden Naschmarktsanierung betrifft die Schleifmühlbrücke. Derzeit noch in beide Richtungen befahrbar, soll die Verbindung zwischen rechter und linker Wienzeile in Hinkunft für den Verkehr gesperrt werden und als Freifläche für Konzerte, Kochshows, etc. genutzt sowie mit großen Pflanzencontainern begrünt werden. Dieser Vorschlag stieß aber mehrfach auf Kritik, unter anderem von der Wiedner Bezirkschefin Susanne Reichard (VP), die für ihre Anrainer „vor allem an Samstagen“ eine „massive Verkehrsbelastung“ kommen sieht, weil seit 2005 auch die Kettenbrücke gesperrt ist. Dass die autofreie Schleifmühlbrücke erst frühestens 2013 spruchreif wird, wie Kaufmann sagt, war Reichard bisher neu. Und tatsächlich hätte die Schleifmühlbrücke ursprünglich viel rascher kommen sollen. Die Verzögerung sieht fast ein wenig nach Taktik aus. So, als ob man das heikle Thema der autofreien Brücke vor der Wien-Wahl nicht angreifen möchte.

Die wiederholte Verzögerung des Sanierungsstarts freut hingegen andere: die Standler und Lokalbesitzer. Sie bleiben betont gelassen, manch einer glaubt sogar, dass ihn die Sanierung erst in einigen Jahren treffen werde. Auch Haya Molcho, Chefin des Neni, bleibt zuversichtlich. „Ich kann nur hoffen, dass die Stadt im Sommer eine Pause macht“, sagt sie. Das wird sie, sagt Michael Horak, der Baukoordinator des Marktamtes. Zudem werde der erste Marktstand erst im März 2011 betroffen sein. Denn nach dem Sanierungsstart im September wird ab November, während der kalten Wintermonate, wieder bis zum Frühling pausiert.

Auch wenn einige die Zeit nutzen wollen, um ihren Stand zu verschönern, bleibt die berechtigte Frage: Was macht man mit den Mitarbeitern während dieser Phase? „Es wird eine schwierige Zeit“, glaubt Molcho, „aber ich hoffe, dass der Naschmarkt danach wieder für die nächsten 100 Jahre schön ist.“

AUF EINEN BLICK

Generalsanierung: Der Naschmarkt bekommt neue Gas-, Wasser- und Stromleitungen, die Beleuchtung wird komplett erneuert. Die Sanierung soll schrittweise passieren, begonnen wird im Herbst voraussichtlich mit der Parkfläche an der rechten Wienzeile.

Danach werden die Marktreihen Stück für Stück saniert.

Der Markt wird zudembarrierefrei, die Stände werden neu (und logischer) nummeriert. Die sichtbarste Veränderung, die komplett autofreie Schleifmühlgassenbrücke, wird frühestens 2013 entstehen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.06.2010)

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