Humanitäres Engagement

Hinsehen lernen, Hilfe leisten

Gewinner
GewinnerMirjam Reither
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Der Chirurg Harald Kubiena wurde für seinen Einsatz für Kinder, deren Gesichter aufgrund der Krankheit Noma zerfressen sind, ausgezeichnet.

Mehrmals pro Jahr fährt Harald Kubiena „nach unten“, wie er sagt. „Hinunter“ in den Niger, ein Land, das nicht nur geografisch betrachtet weit südlich von Österreich liegt, sondern ein Staat ist, der auch in den verschiedensten Statistiken eher auf den letzten denn auf den vorderen Plätzen auszumachen ist. Dort „unten“ hilft der Chirurg für plastische, ästhetische und rekonstruktive Chirurgie Kindern, die an Noma leiden. An der Infektionskrankheit, auch Wangenbrand genannt, erkranken jährlich bis zu 90.000 Kinder. Falls sie zu den knapp 10.000 zählen, die überleben, sind ihre Wangen und Knochen zerfressen, ihre Gesichter durch Löcher und Narben entstellt.

„Diese Kinder verlieren ihre Identität, bevor sie überhaupt eine haben“, sagt Kubiena, der seit 2014 nach Westafrika reist, um die Betroffenen medizinisch zu versorgen. „Sie wachsen mit einem Ungesicht heran – wir versuchen, ihnen das bestmögliche Gesicht zurückzugeben, das sie nie hatten.“ Um das zu schaffen, werden aus Ohr- und Rippenknorpeln neue Nasen geformt, Oberlippen konstruiert, Haut transplantiert.

Essen, trinken und sprechen

„In der Regel genügt ein Eingriff nicht“, erzählt Kubiena, sondern es bedarf Folgeoperationen, damit die Kinder letztlich wieder essen, trinken und sprechen können. „Ich habe im Niger sehen und hören gelernt“, sagt der 48-Jährige, der am Mittwoch im Rahmen der Austria'19-Gala zum Österreicher des Jahres 2019 in der Kategorie Humanitäres Engagement gekürt und mit einem langen Applaus bedacht wurde.

Doch seine Arbeit half Kubiena, selbst Vater von drei Kindern, nicht nur, das Sehen neu zu lernen, sondern auch, anderen das Tun zu erleichtern: Gemeinsam mit der Noma-Hilfe, der Hilfsaktion Noma und Interplast bringt er Medikamente und Ausrüstung in den Niger, damit nigrische Ärzte dort auch operieren können, wenn er nicht vor Ort ist.

Dieser Ort wurde am Mittwoch sodann auch physisch greifbar. „Ich habe einen kleinen Kieselstein aus dem Hof des Krankenhauses mitgenommen“, sagt Kubiena. „Hier erholen sich die Kinder von den Eingriffen – in ihrem Namen möchte ich mich für diesen gewaltigen Baustein an Aufmerksamkeit und finanzieller Hilfe bedanken, der durch die Nominierung ins Rollen gebracht wurde“, meinte der Mediziner und überreichte den Stein „Presse“-Chefredakteur Rainer Nowak, damit er „uns an diese Fülle in Österreich erinnert und daran, dass man Häuser von unten nach oben baut“.

Ein solches zu errichten ist auch Kubienas Plan. In Nigeria, einem Nachbarland des Niger, in dem Noma ebenfalls weit verbreitet ist, soll ein Krankenhaus entstehen, dessen ersten finanziellen Baustein Kubiena nun überreicht bekam. Denn „Humanitäres Engagement“ ist nicht nur die einzige Kategorie, deren Gewinner ausschließlich von den Lesern und Usern der „Presse“ bestimmt werden, sondern auch die einzige, die dotiert ist. Die drei Bestgereihten erhalten für ihr Engagement je 10.000 Euro, gestiftet von allen Sponsoren der Austria'19-Gala, zu denen das Bundesministerium für Europa, Integration, Äußeres, die Forschungsförderungsgesellschaft FFG, die Österreichischen Lotterien, der ORF, die Wirtschaftskammer Österreich und (erstmals) die Stadt Wien zählen.

Hilfe durch Rat und Tat

Neben Kubiena wurde der Verein Mädchenberatung, der Opfer von sexueller Gewalt unterstützt, prämiert. Entgegennehmen durfte den Scheck hierfür Christine Bodendorfer, die gemeinsam mit ihrem Team seit 30 Jahren Krisenintervention und Therapien für Minderjährige sowie Prozessbegleitung anbietet. Zum anderen (ohne Reihung) wurde die Plattform Superhands ausgezeichnet, deren Initiatorin Anneliese Gottwald es sich zur Aufgabe gemacht hat, rund 43.000 Kindern und Jugendlichen in Österreich, die sich um erkrankte Angehörige kümmern, mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.

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