Start-ups

Von Früchten des Erfolgs

Cornelia Diesenreiter, Gewinnerin in der Kategorie Start-ups
Cornelia Diesenreiter, Gewinnerin in der Kategorie Start-ups(c) MIRJAM REITHER

Durch Cornelia Diesenreiters Unternehmen Unverschwendet landen Gemüse und Obst nicht im Müllcontainer, sondern im Magen – im Form von Chutneys und Co. Das einzigartige Konzept brachte der 32-Jährigen nun die Auszeichnung.

Als Cornelia Diesenreiter auf die Bühne der Austria'19-Gala kommt, zittern ihre Hände, erzählt sie später. „Ich bin gerade so berührt, dass es mir schwerfällt, Worte zu finden“, sagt sie ins Mikrofon, während sie den Preis in Händen hält, mit dem sie gerade als Österreicherin des Jahres 2019 in der Kategorie Start-ups ausgezeichnet wurde.

Denn die 32-Jährige gründete das Unternehmen Unverschwendet, das Lebensmittel vor dem Müll rettet. Aus Obst und Gemüse, das nicht verkauft werden konnte, wird Feinkost gefertigt – etwa Marmeladen, Saft oder Chutneys. Mittlerweile werden die Produkte im eigenen Laden am Wiener Schwendermarkt, im Onlineshop und in einigen Supermärkten verkauft. Gläser und Flaschen gefüllt mit Wassermelone und Pfeffersirup, Marille-und-Vanille-Konfitüre oder Marille-Zwiebel-Chutney – Lebensmittel, die beinahe im Müllcontainer statt im Magen gelandet wären.

Die Idee zum Unternehmen kam Diesenreiter, die zuvor unter anderem eine Kochlehre absolviert hatte, als sie während ihres Studiums das nachhaltige Produktdesign in London erlebte. Als kleiner Verein begann 2015 so die Geschichte von Unverschwendet, ein Jahr später gründete sie mit ihrem Bruder Andreas das Start-up. Das überschüssige Obst und Gemüse zur Herstellung bekommt Diesenreiter von landwirtschaftlichen Betrieben im Großraum Wien. Das reicht von Marillen aus der Wachau bis zu Miniwassermelonen aus dem Burgenland. Angst, dass man verdorbene Lebensmittel vorgesetzt bekommt, muss man keine haben – das Unternehmen setze auf strenge Qualitätskontrollen.

„Ein Herzensanliegen“

Als Diesenreiter nun auf der Bühne steht, merkt man, wie sehr ihr das Thema Lebensmittelabfall am Herzen liegt. „Es war nie mein Ziel, Unternehmerin zu werden, es war mir einfach ein Herzensanliegen, etwas gegen Lebensmittelabfälle zu machen. Danke für den wunderbaren Abend, danke für die Auszeichnung“, sagt sie und verabschiedet sie sich dann von der Bühne. Fast zwei Stunden später falle es ihr noch immer schwer, Worte zu finden, erzählt dann die gebürtige Oberösterreicherin abseits, als den Gästen gerade die Nachspeise serviert wird. „Dass diese Mission so eine Bühne bekommt – das freut mich irrsinnig“, sagt sie. Denn oft bekomme die Idee der Lebensmittelrettung zu wenig Aufmerksamkeit. „Es spricht jeder über Nachhaltigkeit, aber das sind dann leider oft nur Teilaspekte.“ Ihr Ziel als Unternehmerin: genau das zu verändern.

So ein Projekt könne man aber nur gemeinsam aufbauen, das betont Diesenreiter an diesem Abend immer wieder. Sie und ihr Bruder haben ein Team von zehn Leuten, vom Verkäufer bis zum Logistiker, hinter sich. „Als ich von der Bühne heruntergekommen bin, habe ich ihnen gleich geschrieben: Wir sind Österreicher des Jahres!“ Ein Selfie mit dem Preis gab es mit dazu. „Wir werden das dann morgen auch zusammen ordentlich feiern“, sagt Diesenreiter. Und wie feiert man als Besitzerin eines Lebensmittelunternehmens? „Mit köstlichen, geretteten Lebensmitteln natürlich.“ Und einem Gläschen Sekt. Um die Früchte ihres Erfolgs gemeinsam zu genießen, wie sie es ausdrückt – im wahrsten Sinne des Wortes.

Dann wird sie aber wieder ernst. Die Selbstständigkeit habe ihre Hochs und Tiefs, erzählt Diesenreiter. Wenn sie die Sofiensäle später an diesem Abend mit einem Preis in der Tasche verlässt, kann man wohl behaupten: Das war ein Hoch.

Arztbefunde und Schnarchtrainings

Der Austrian Start-up-Monitor zählte im vergangenen Jahr 1500 Gründungen von Start-ups seit 2004 – die Hälfte davon in Wien. Die Konkurrenz in der Kategorie war für Diesenreiter dementsprechend groß. Neben ihrem waren noch zwei weitere Unternehmen für den Preis nominiert: Medicus, das Fragen zu medizinischen Daten mit einer Software klärt, und Snorefree, das wieder für ruhige Nächte sorgen soll.

Baher Al Hakim, selbst studierter Zahnmediziner, übersetzt mit Medicus medizinische Daten in eine leicht verständliche Sprache. Denn immer wieder sei er von Freunden gebeten worden, Laborbefunde und Arztbriefe zu erklären. Das übernimmt nun seine Software, die speziell auf die jeweilige Person zugeschnitten ist.
Nicht nur komplexe Befunde, sondern auch das Schnarchen können einen zur Verzweiflung treiben. Sigismund Gänger, selbst einst ein Betroffener, entwickelte die App Snorefree gemeinsam mit dem Logopäden Dario Lindes. Mit einem „Work-out zur Stärkung der Lippen, Zunge und Rachenmuskulatur“ soll wieder Ruhe ins Schlafzimmer einkehren.