Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Schnellauswahl
Fokus auf "Besser als gedacht"

Es geht voran – aber keiner glaubt daran

Die Zahlen zeigen: Noch nie ging es der Menschheit so gut wie heute. Aber wir weigern uns, die frohe Botschaft zu akzeptieren. Die verzerrte Wahrnehmung liegt in Evolution und Psychologie begründet. Können wir uns davon befreien? Sollten wir es überhaupt?

Man sollte sich nicht über Kollegen lustig machen. Erst recht nicht, wenn sie vermutlich einen weniger interessanten Job haben. Aber seien wir ehrlich: Was in Gemeindezeitungen und Bezirksblättern steht, ist meistens recht langweilig. Das hat einen Grund: Dort passiert nichts Spannendes, sprich: Schlimmes. Man berichtet über kleine Erfolge, kleine Verbesserungen, rasch gelöste Probleme. Wie öde!
Gottlob wissen wir aus nationalen Medien (und millionenfach geteilten Handyvideos): In der großen weiten Welt geht alles den Bach runter. Es regieren Not und Gewalt. Eine Katastrophe jagt die andere. Dabei picken die Verbreiter aus der Flut von Nachrichten wenige schockierende Abweichungen heraus. Weit akkurater wäre die Lage der Welt beschrieben, würde man die Berichte aller öden Provinzmedien der Welt akkumulieren: Das „Dort“, wo so vieles langsam besser wird, ist unser aller „Hier“. Da uns diese Einsicht fehlt, sehen wir das Ferne seltsam verzerrt: In Umfragen schätzen die meisten die eigene Lage als recht gut ein, die allgemeine aber als miserabel. Die Hölle, das ist überall anders.

Sind nur Journalisten schuld daran, dass es an Optimismus mangelt? Es liegt an uns allen: Wir wollen vom schrecklichen Flugzeugabsturz hören, aber nicht darüber, dass sich die Zahl der Flugzeugabstürze seit den Siebzigerjahren trotz zehnmal so vieler Passagiere halbiert hat. Unsere Sucht nach dem Alarm, auch wenn es meist ein falscher ist, hat evolutionäre Wurzeln: Wer in grauer Vorzeit stets nach neuen Gefahren Ausschau hielt, überlebte eher als jene, die sich entspannt auf die Wiese legten. Die Gene der Sorgenvollen haben sich durchgesetzt und auf uns Heutige übertragen.

Wir Retromanen

Zugleich haben wir eine Tendenz, die Vergangenheit zu verklären. Der Urlaub, das Familientreffen, erst recht die ferne Jugend: Auch wenn sie noch so unerfreulich ausfielen, malen wir sie in der Erinnerung in rosigen Farben. Gerade die 1950er- und 1960er-Jahre gelten als Goldenes Zeitalter, an dem man sich wieder orientieren solle. Das ist kein Zufall: Viele aktuelle Meinungsmacher sind überreife Babyboomer, die damals ihre Kindheit verlebten. Unsere Nostalgie – oder treffender: Retromanie – lässt sich psychologisch erklären. Es ist unserer mentalen Gesundheit abträglich, wenn unsere Erinnerungen widersprüchliche Gefühle hervorrufen. Wir schreiben sie deshalb so um, dass sich alles zusammenfügt – und zwar zum Positiven. Denn die Alternative wäre ein rundum negatives Fazit, an dem wir persönlich verzweifeln müssten. Das wäre keine gute Basis für das Meistern der eigenen Zukunft.

Vom Schlimmsten ausgehen, die Vergangenheit beschönigen: Kombiniert liefert das den populären Seufzer „Früher war alles besser“. Da sich die Klage seit dem alten Babylon in jeder Generation wiederholt, müssten wir nun am vorläufigen Tiefpunkt der Geschichte angelangt sein. Das Gegenteil ist der Fall: Nach fast allen objektiven Kriterien – Wohlstand, Gesundheit, Lebenserwartung, Sicherheit, Freiheit – geht es der Menschheit so gut wie nie zuvor. Aber das wollen wir nicht hören.
Auf die Frage „Hat sich die extreme Armut weltweit in den vergangenen 50 Jahren verdoppelt, halbiert oder stagniert sie?“, gibt nur einer von zehn die richtige Antwort (halbiert). Affen würden raten, sie hätten eine Trefferquote von einem Drittel. Wir sollten aber schlauer sein als Affen. Als rationale, selbstbestimmte Wesen sind wir auch unseren Genen und Instinkten nicht hilflos ausgeliefert. Wir können dem kurzfristigen Aufreger weniger Aufmerksamkeit schenken als der langfristigen Entwicklung, die seriöse Statistiken zeigen.

„Trendlines, not headlines“: Das predigen Autoren wie Steven Pinker, Hans Rosling oder Johan Norberg. Ihre Bücher sind nicht erfolglos, aber im lauten Chor der Schwarzmaler gehen sie unter. Die Reaktion auf ihre frohe Botschaft ist Skepsis. Es klingt ja auch verdächtig nach Werbung oder PR-Aussendung. Man weicht zurück: Da will mir jemand etwas verkaufen. Wer hingehen Missstände anprangert, hat sofort unsere Sympathie: Da will mir jemand helfen. Oft hört man auch: Politik darf sich nie mit dem Erreichten zufriedengeben. Nur: Das macht auch keiner der genannten Autoren. Sie sagen nur, dass sich seit der Aufklärung vieles dramatisch verbessert hat.

Aber schon dieses Vertrauen auf den Fortschritt macht sie gerade Intellektuellen suspekt. Eine lange Reihe von Philosophen, von Rousseau über Spengler bis Heidegger, haben den Lauf der Welt als Verfallsgeschichte gedeutet. Wortgewaltig und wirkmächtig, auch wenn die Basis nur das dumpfe Bauchgefühl von jedermann war. Oder doch Kalkül im Wettstreit der Meinungen? Wir wissen: Ein Rezensent, der Bücher oder Aufführungen verreißt, wird für kompetenter gehalten. Umso mehr gilt das für Analysen von Gesellschaft, Politik, Ökonomie. Wer sich da über Erreichtes freut, kriegt prompt ein „naiver Optimist“ ums Ohr gehauen.

Konservative Aufklärer

Muss das sein, weil nur Kritik etwas bewegt, weil ohne sie nichts weitergeht? Wahre Aufklärer sind heute zwangsläufig konservativ: Sie verteidigen Errungenschaften, die in der Geschichte der Menschheit beispiellos sind. Sie fragen sich: „Wie war das möglich?“, um auf dieser Basis in kleinen Schritten weiter zu verbessern.

Mehr Gehör finden jene, die „unheilbare Missstände“ anklagen und Radikales fordern: autoritäre Führung statt Demokratie, Abschottung statt Kooperation, Knebelung der Marktkräfte. Wir sollten ihnen nicht nur Zahlen entgegenhalten. Sondern auch Stolz im Herzen und Wut im Bauch.

Serie: ''Besser als gedacht''

In diesem Schwerpunkt wollen wir nicht schönfärben, sondern falsche Bilder zurechtrücken. Mit Fakten. Wir wollen Ihnen nicht weismachen, dass alles paletti ist auf dem Planeten. Doch vieles ist besser als gedacht.

>> Zur den bereits erschienenen Artikeln der Serie

Serie: "Besser als gedacht"

Markus Wagner wurde mit 28 Jahren durch den Verkauf seiner Firma zum Millionär. Heute verkuppelt er Firmen aus Europa mit internationalen Tech-Größen.
Serie: "Besser als gedacht"

Premium Auf Augenhöhe mit den Stars im Valley

Österreich ist innovativer, als man denkt. Von ehemaligen Angestellten, die mit Mitte 40 Firmen gründen, Uni-Absolventen, die im Silicon Valley für Staunen sorgen und den Stolpersteinen auf ihrem Weg zum ganz großen Erfolg.
Frauen haben heute zwar mehr Wahlmöglichkeiten. Sie verrichten aber immer noch den Großteil der unbezahlten Arbeit und verdienen meist schlechter.
Serie: "Besser als gedacht"

Premium Für Frauen ist das Leben nicht mehr grau

Für Frauen ist das Leben in den letzten Jahrzehnten selbstbestimmt, bunt und frei geworden. Gleichstellung ist zur allgemeinen Forderung geworden – manchmal zu einer leeren.
Psychiater Reinhard Haller am Wiener Praterstern – quasi dem Inbegriff des Ortes der öffentlichen Verunsicherung in Wien. Viel größere Gefahren lauern aber anderswo, sagt Haller.
Serie: "Besser als gedacht"

Premium Diebe im Netz statt Watschn im Wirtshaus

Raub, Diebstahl, Einbrüche – Kriminalitätsraten gehen zurück, auch wenn das Sicherheitsgefühl dem oft nicht entspricht. Das liege, so Psychiater Reinhard Haller, an einem enorm gewachsenen Sicherheitsbedürfnis – und unserer Kränkbarkeit.
Österreichs Gesundheitssystem ist in vielen Dingen Spitzenreiter.
Serie: "Besser als gedacht"

Premium Wo Österreichs Gesundheitssystem Spitzenreiter ist

Nach einer Krebserkrankung, einem Schlaganfall oder Herzinfarkt sind die Überlebenschancen nirgendwo auf der Welt größer als im österreichischen Gesundheitssystem – das auch bei der Telemedizin zu den Vorreitern gehört.
Das Amt anno dazumal: Heute geht vieles bereits auf digitalem Weg.
Serie: "Besser als gedacht"

Premium Revolution von Amts wegen

Manchmal ist die Bürokratie besser als ihr Ruf. Vor allem, was die digitale Verwaltung betrifft, ist Österreich stark. Mitunter können viele Bürger mit der Verwaltung da nicht mithalten.
Vor 25 Jahren lebte jeder zweite Chinese in bitterer Armut. Heute stellt das Land die global größte Mittelschicht.
Serie: "Besser als gedacht"

Premium Erleben wir das Ende der Armut?

In den letzten Jahrzehnten stieg der Wohlstand in den Schwellenländern enorm. Hunderte Millionen Menschen schafften den Sprung aus der extremen Armut. In China wuchs die global größte Mittelschicht heran. Dank geht an Marktwirtschaft und Globalisierung.
Serie: "Besser als gedacht"

Premium Fünf Bereiche, in denen die Welt täglich besser wird

Globale Trends und harte Fakten beweisen: Den Menschen ging es im Schnitt noch nie so gut wie heute. Wir sind reicher, gesünder und gebildeter als noch vor fünfzig Jahren. Fünf gute Gründe, um optimistisch in die Zukunft zu blicken.
So schön war es am Wörthersee nicht immer. Vor 50 Jahren stand er kurz vor dem ökologischen Kollaps.
Serie: "Besser als gedacht"

Premium Wie haben wir die vielen Umwelt-Probleme so rasch gelöst?

Giftige Gewässer, verpestete Luft und absterbende Wälder: Österreichs Umwelt war früher weitaus stärker belastet als heute.
Integration wird oft mit Assimilation gleichgesetzt.
Serie: "Besser als gedacht"

Premium Die verbesserte Lebensqualität der Migranten

Der Integrationspolitik in Österreich wird oft ein schlechtes Zeugnis ausgestellt, doch erfasst das auch die Gesamtlage? Wo es Erfolge gibt und warum multiple Identitäten endlich möglich sein sollten.
Wien hat in den vergangenen zehn, 15 Jahren in Sachen Freizeitkultur und Stadtleben ziemlich gewonnen – nicht nur, wie hier, am Donaukanal.
Serie: "Besser als gedacht"

Premium Wien wird jünger und jünger

Alt, grau und verschlafen ist Wien schon lang nicht mehr. Wie Wien zum jüngsten Bundesland wurde, und wie die Jungen die Stadt verändern.
Abgesehen von der „pinkifizierten“ Massenware ist die Qualität der Kinderbücher gestiegen. Sie haben nur kaum Zeit, sich zu etablieren.
Serie: "Besser als gedacht"

Premium Kinderbücher, zum Fressen gut

Ein verschluckter Bruder, Weisheiten einer Katze und die menschliche Anatomie als Bastelanleitung: Die neue Kinder- und Jugendliteratur ist voller künftiger Klassiker.
Das Tennisturnier in der Wiener Stadthalle lockt stets Massen an.
Serie: "Besser als gedacht"

Premium Weltmeisterliche Gastgeber

Ski alpin, Formel 1, Tennis, Beachvolleyball: Österreichs Sport schmückt sich mit vielen herausragenden Veranstaltungen und glänzt mit Know-how und Charme. An der ewigen Infrastruktur-Debatte gibt es jedoch kein Umhinkommen.
Wir legen mehr Wert darauf, was wir essen. Die Qualität der heimischen Lebensmittel steigt – ebenso wie der Bio-Anteil.
Serie: "Besser als gedacht"

Premium Wir essen zum Glück nicht mehr wie früher

Der Bio-Anteil der heimischen Lebensmittel wächst, die Vielfalt an Produkten steigt, und selbst Exotisches gibt es mittlerweile aus regionaler Produktion.
Auch Erling Braut H˚aland hat registriert, welche Stars in Salzburg geformt wurden. Er selbst ist schon mit 19 Jahren eine Bereicherung für die Bundesliga.
Serie: "Besser als gedacht"

Premium Das Zugpferd für Österreichs Fußball

Die oftmals belächelte Bundesliga ist besser als ihr Ruf: Red Bull Salzburg zeigt nun auch international auf, im Sog des Serienmeisters blühen Teams wie der Lask oder Wolfsberger AC auf.
Darf’s ein bisschen mehr sein? Die Konsumenten von Medien können heute wählerisch sein wie nie zuvor.
Serie: "Besser als gedacht"

Premium Nichts bleibt den Lesern heute verborgen

In ihrer Vielfalt haben Medien eine große Zukunft. Mehr News, schneller, multifunktional, lautet die Online-Devise. Das kann aber auch eine Engführung bewirken. Als Korrektiv dazu ist deshalb die gedruckte Zeitung weiter wesentlich.
Wir sind relativ glücklich, auch wenn wir es nicht immer zugeben.
Serie: "Besser als gedacht"

Premium Unglücklich sind immer nur die anderen

Die Österreicher zählen trotz Affinität zum Jammern zu einem der glücklichsten Völker. Im „World Happiness Report“ belegen sie heuer Platz zehn. Wobei wir mehr uns selbst als die anderen als glücklich einschätzen.

Geschichten des Jahres 2019

„Für den amerikanischen Traum lohnt es sich zu sterben, für den europäischen lohnt es sich zu leben.“
Geschichten des Jahres…

Premium Wolfgang Schüssel: „Selbst einfache Leute leben wie Fürsten“

Altbundeskanzler Wolfgang Schüssel sah die Welt stets ein wenig optimistischer. Das tut er auch heute. Etwa in Bezug auf den Klimawandel. Die Herausforderung der Migration, findet er, werde zum Testfall für das europäische Modell. Boris Johnson steht er skeptisch gegenüber. Bei den Grünen hofft er auf einen Lernprozess seit seinem Koalitionsversuch 2003.

Serie: "Besser als Gedacht"

Ola Rosling
Serie: "Besser als Gedacht"

Premium Ola Rosling: „Auch Männer können sich ändern“

Der schwedische Statistiker Ola Rosling hat sich dem rationalen Denken verschrieben, gibt seinen Schwächen aber dennoch nach: Warum Zucker und Drama kein Widerspruch zu gesundem Essen und Fakten sein müssen, warum Männer immer recht haben wollen und warum es ratsam ist, Menschen mit anderen Meinungen zuzuhören, erzählte er der „Presse“.