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Der ökonomische Blick

Fridays for Equity: Klimawandel und Finanzmarktstabilität

THEMENBILD: WETTER / HERBST / BAeUME
APA/BARBARA GINDL

Jeden Montag präsentiert die „Nationalökonomische Gesellschaft“ in Kooperation mit der „Presse“ aktuelle Themen aus der Sicht von Ökonomen. Heute: Alex Stomper darüber, ob Zentralbanken den Klimawandel bekämpfen sollen.

Mein Arbeitsstandort, Berlin, ist ein Zentrum der Klimafolgenforschung. In dieser Szene geht seit der Finanzkrise eine Frage um: Könnte der Klimawandel die Finanzmarktstabilität bedrohen? Sollten deshalb nicht auch Institutionen der Finanzmarktaufsicht und Zentralbanken dazu beitragen den Klimawandel zu bekämpfen?

Beim Klimawandel denkt man zunächst an Risiken von Wetterextremen, wie z.B. Dürren. Es sind diese besonders erlebbaren Risiken, die maßgeblich dazu beitrugen breite Schichten unserer Gesellschaften so zu mobilisieren, dass sich nun – spät aber hoffentlich – selbst konservative Politiker auch für ein meteorologisch konservatives Klima einsetzen. Aber wie werden die politischen Antworten auf den Klimawandel aussehen? Eine wirkungsvolle Politik könnte erhebliche Auswirkungen auf Preise haben, deren Schwankungen in der Vergangenheit immer wieder Finanzkrisen auslösten, wie Immobilienpreise. Als Beispiel wäre hier die energetische Sanierung von Gebäuden zu nennen, für die zur Erreichung der Klimaziele im deutschen vermieteten Gebäudebestand nach jüngsten Schätzungen jährlich Kosten von mindestens sechs Milliarden Euro anfallen müssten (wobei die zulässige Kostenbeteiligung von Mietern bereits berücksichtigt ist). Diese Kosten können nicht vom Staat getragen werden, -- wenn der nicht auch die Mieten erhält. Leider erscheint es aber noch immer vielen unvorstellbar, dass ihr „Betongold“ nicht werthaltig bleiben kann, wenn es energetisch nachhaltig werden muss - das ist bisher einfach nicht „eingepreist“.

Und daher könnte es die Sorge um die Finanzmarkt- und in der Folge um die Preisstabilität sein, die uns letztlich von einer wirkungsvollen Klimapolitik abhält. Die gute Nachricht ist jedoch: Das muss nicht so sein, denn es gibt einfache und gleichzeitig billige Wege um die Stabilität von wichtigen Teilen des Finanzsektors zu sichern. Als Argument gegen die Bekämpfung des Klimawandels taugt die Finanzmarktstabilität daher nur wenn es keinen politischen Willen gibt die notwendige Stabilität sicherzustellen.

Der ökonomische Blick

Jeden Montag gestaltet die „Nationalökonomische Gesellschaft" (NOeG) in Kooperation mit der "Presse" einen Blog-Beitrag zu einem aktuellen ökonomischen Thema. Die NOeG ist ein gemeinnütziger Verein zur Förderung der Wirtschaftswissenschaften.

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Leider sieht es ganz danach aus. Seit der Finanzkrise kam es zu keiner ausreichenden Anhebung der Eigenkapitalausstattung von Banken. Es ist ihnen weiterhin möglich riskante Geschäfte ohne viel “skin in the game” zu machen, im Notfall auf Kosten der Allgemeinheit. Diese Politik beruht auf fadenscheinigen Argumenten, - ich empfehle die Lektüre des Buchs von Anat Admati und Martin Hellwig. In der Klimafolgenforschung kursieren nun Vorschläge die Finanzmarktregulierung noch zu komplizieren um sie industriepolitisch zu nutzen und Bankkredite in besonders grüne Industrien und Technologien zu lenken. Diese Vorschläge sind sehr gefährlich, denn sie verwässern eine Regulierung, die ihr eigentliches Ziel noch lange nicht erreicht hat. Banken würden Möglichkeiten gegeben bei grünen Investitionen Risiken einzugehen, die noch weniger durch Eigenkapital gedeckt sind. Soll so eine grüne Industriepolitik aussehen?

Ich schlage eine andere grüne Sichtweise der Bankenregulierung vor. Das primäre Ziel bliebe die Finanzmarktstabilität und die Vermeidung von Bankenpleiten. Das primäre Mittel wäre eine deutliche Anhebung des Eigenkapitals von Banken. Admati und Hellwig schlagen dazu eine Beschränkung von Dividendenzahlungen vor, bis genug Eigenkapital angesammelt oder anderweitig aufgenommen worden ist. Die Politik hätte dann den notwendigen Spielraum um den Klimawandel zu bekämpfen ohne durch Sorgen um die Finanzmarktstabilität eingeschränkt zu werden. Man könnte es dann zum Beispiel riskieren, dass der Immobilienmarkt auf klimapolitische Maßnahmen reagiert, die notwendig, aber im Moment noch nicht eingepreist sind.

Eigenkapital als „Stoßdämpfer"

Ein zweites Ziel sollte es sein den Bankensektor als Risikoträger zu nutzen um Risiken des Klimawandels abzufedern, die von Familienunternehmen und ihren Arbeitnehmern nicht allein getragen werden können. Eines meiner aktuellen Forschungsprojekte zeigt zum Beispiel, dass Banken dazu beitragen können die Beschäftigung in Sektoren zu sichern, in denen der Klimawandel das Produktivitätsrisiko erhöht. Die Resultate beruhen auf Daten über Hotelunternehmen in österreichischen Skigebieten, aber ähnliche Effekte sollten auch in anderen Sektoren auftreten, die Wetterrisiken ausgesetzt sind. Wir sollten das Eigenkapital von Banken daher als einen „Stoßdämpfer” sehen, der die wirtschaftlichen Effekte des Klimawandels mildert und eine effektive Klimapolitik ermöglicht weil er die Finanzmarktstabilität sicherstellt.

Um diesen Stoßdämpfer richtig einzustellen wird es notwendig sein zu analysieren wie klimabedingte Risiken aus finanzwirtschaftlicher Sicht einzustufen sind. Aber noch wichtiger ist der politische Wille das Eigenkapital von Banken endlich zu erhöhen um die Klimapolitik nicht zur Gefangenen der Finanzmarktstabilität zu machen. Mehr Eigenkapital für mehr “equity” gegenüber zukünftigen Generationen.

Weiterführende Links:

Alex Stomper: Bank Equity and Small-Firm Risk Taking
https://amor.cms.hu-berlin.de/%7Estompera/papers/bankequity.pdf

Anat Admati und Martin Hellwig: Des Bankers neue Kleider
https://www.m-vg.de/finanzbuchverlag/shop/article/3171-des-bankers-neue-kleider/

Der Autor


Alexander Stomper ist Professor für Financial Economics an der Humboldt Universität zu Berlin. Er analysiert Risikotransfers zwischen dem Finanzsektor und der Realwirtschaft, oftmals anhand von Daten über die österreichische Hotellerie. Im Sommersemester 2019 war er Gastprofessor am Berliner Mercator-Institut für globale Gemeingüter und Klimawandel.

Alex Stomper
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