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Zehntausende flüchten vor Feuer in Kalifornien

Verbrannte Erde: Ein Löschhelikopter verteilt in der Nähe von San Bernardino Wasser auf ein schwelendes Glutnest.
Verbrannte Erde: Ein Löschhelikopter verteilt in der Nähe von San Bernardino Wasser auf ein schwelendes Glutnest.imago images/ZUMA Press

In Kalifornien wüten mehrere Waldbrände. Gouverneur Gavin Newsom hat den Notstand für die betroffenen Gebiete ausgerufen und erhebt Vorwürfe gegen einen privaten Energieversorger.

Verheerende Waldbrände fressen sich weiter durch Teile Kaliforniens. Die seit Tagen wütenden Brände haben bereits Dutzende Häuser zerstört, Zehntausende Menschen wurden aufgerufen, ihre Häuser zu verlassen. Am verheerendsten sei derzeit das „Kincade“-Feuer im Sonoma County, einer Weinbauregion rund 120 Kilometer nördlich von San Francisco, teilten die Brandbekämpfer mit.

Die Flammen breiteten sich auf einer Fläche von mehr als 10.000 Hektar aus. Rund 80 Anwesen und mindestens zwei Weingüter brannten ab. Mehr als 2800 Helfer waren im Einsatz. Windböen von bis zu 160 Stundenkilometern fachten die Flammen immer wieder an. Ein Ende der Feuer war vorerst nicht in Sicht: Der Nationale Wetterdienst warnte vor anhaltenden gefährlich starken Winden bei gleichzeitig niedriger Luftfeuchtigkeit. Diese angesichts der Stärke und Dauer der Winde bedrohliche Kombination könnte zur weiteren Ausweitung möglicher Brände führen.

In Südkalifornien wütete das „Tick“-Feuer nahe der Stadt Santa Clarita. Zwischenzeitlich mussten 40.000 Menschen ihre Häuser verlassen, viele konnten nach kurzer Zeit aber wieder zurückkehren. Bei dem Brand rund 50 Kilometer nördlich von Los Angeles wurden mindestens 16 Gebäude zerstört und 18 weitere beschädigt. Rund 10.000 Bauwerke galten als gefährdet. Eine Fläche von mehr als 18.000 Hektar wurde in Schutt und Asche gelegt.

Ein Bild aus Windsor, Kalifornien, wo Feuer, Rauch und Asche die Luft erfüllen.
Ein Bild aus Windsor, Kalifornien, wo Feuer, Rauch und Asche die Luft erfüllen.APA/AFP/PHILIP PACHECO

Auch im mexikanischen Bundesstaat Baja California – mehrere Hundert Kilometer weiter im Süden – wüteten Waldbrände. Am stärksten betroffen war die Gemeinde Ensenada an der Pazifikküste, wie Mexikos Zivilschutzbehörde mitteilte. Am Freitag kamen bei Bränden in der Region drei Menschen ums Leben, vier wurden verletzt. Hunderte Soldaten waren zur Brandbekämpfung im Einsatz.

Wegen der großen Waldbrandgefahr begann der Energieversorger Pacific Gas & Electric (PG&E) bereits am Samstagabend, fast einer Million Haushalten – das entspricht rund drei Millionen Menschen – in Nord- und Zentralkalifornien den Strom abzustellen. 940.000 Kunden mussten nach Angaben von PG&E bis Montag ohne Elektrizität auskommen, 90.000 mehr als zunächst geplant.

„Gier und Missmanagement“

Bei starken Winden droht die Gefahr, dass Strommasten umstürzen oder Äste Leitungen abreißen und somit Feuer auslösen. Der Waldbrand in der nordkalifornischen Ortschaft Paradise, der im November vergangenen Jahres 85 Menschen das Leben gekostet hat, soll durch defekte Stromleitungen verursacht worden sein.

Gouverneur Gavin Newsom, der für die betroffenen Regionen den Notstand ausrief, warf dem privaten Versorger PG&E vor, die Blackouts seien das Ergebnis von „jahrelanger Gier, jahrelangem Missmanagement“. PG&E habe es verabsäumt, seine Anlagen zu modernisieren, etwa durch Investitionen in unterirdische Kabel. Newsom kündigte an, das Unternehmen für wirtschaftliche Schäden und die Kosten der Brandbekämpfung zur Kasse zu bitten. (Red.)[PWYS0]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.10.2019)