Übernahme

LVMH: Ein neuer Diamant für das Imperium

Bald Teil des LVMH-Imperiums?
Bald Teil des LVMH-Imperiums?(c) REUTERS (ERIC GAILLARD)

Der Luxuskonzern LVMH will den Juwelier Tiffany kaufen – es wäre der bisher größte Deal der Franzosen.

New York/Paris. Ob beim Luxusgüterkonzern LVMH bald die Champagnerkorken knallen? Wenn das neue Vorhaben gelingt, wäre das allemal ein Grund. Denn die Franzosen haben ihr Auge auf niemand Geringeren denn den bekannten US-Juwelier Tiffany geworfen. Louis Vuitton Moët Hennessy bestätigte am Montag Vorgespräche mit den Amerikanern über eine Übernahme.

Der weltweit größte Luxuskonzern, der insgesamt 70 Marken im Portefeuille hat, neben Louis Vuitton und Givenchy auch Dior, Bulgari und Rimova, bietet 120 Dollar je Tiffany-Aktie. Die lag am Montag bei rund 117 Dollar, nachdem sie um sage und schreibe 32 Prozent nach oben geschnellt war. Tiffany wird von LVMH mit 14,5 Mrd. Dollar bewertet – ein ordentlicher Aufschlag zum aktuellen Börsenwert von knapp zwölf Mrd. Dollar. LVMH kommt fast auf das Zwanzigfache.

Eine Übernahme des 1837 von Charles Lewis Tiffany (mit vom Vater geliehenen 1000 Dollar) gegründeten Edel-Juweliers wäre die bisher größte von LVMH. 2017 etwa bezahlten die Franzosen sieben Mrd. Dollar für die restlichen Anteile an Christian Dior. Für den 1987 aus der Fusion von Louis Vuitton und Moët Hennessy entstandenen Konzern brächte der Deal wiederum einen gewaltigen Schub auf dem US-Markt, auf dem er seit Jahren zu expandieren versucht.

Der seit 1987 börsenotierte Juwelier wurde durch den Filmklassiker „Frühstück bei Tiffany“ mit Audrey Hepburn weltberühmt und ist bekannt für exquisiten Schmuck und die türkisen Verpackungen (die Farbe ist seit 1878 markenrechtlich geschützt). Das berühmteste Geschäft ist der Flagship-Store in der New Yorker Fifth Avenue.

Nicht nur dort spürt Tiffany den Handelskonflikt zwischen den USA und China. Wegen der Streitigkeiten, des stärkeren Dollar und schärferer Visa-Vorschriften sinkt die Zahl ausgabefreudiger chinesischer Touristen in den USA. Dazu kommen die Proteste in Hongkong.

Der Edel-Juwelier musste daher schon im zweiten Quartal deutliche Geschäftseinbußen verkraften. Verglichen mit dem Vorjahreswert sank der Umsatz um drei Prozent auf 1,0 Mrd. Dollar. Der Gewinn verringerte sich um sechs Prozent auf 136 Mio. Dollar.

Tiffany habe bereits Berater engagiert, die das Offert prüften, hieß es am Montag. Es gebe aber keine Garantie, dass es zu einer Transaktion komme, bestätigte LVMH. (eid/ag)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.10.2019)