Schnellauswahl
Glosse

Brexit – das uneinnehmbare Schloss

Protokoll eines ganz normalen Tags in Westminster.

John B.: Ich leite diese Sitzung gerne, aber ihr müsst mich respektieren.
Boris J.: O.K. wir respektieren Dich.
Jeremy C.: Gut, wenn es sein muss.
John B.: Order!!!
Boris J.: So geht das nicht weiter. Wir brauchen Neuwahlen!
Jeremy C.: Ich habe ja immer gesagt, wir brauchen Neuwahlen.
Boris J.: Prima, wir sind uns einig!
Jeremy C: Nein, Neuwahlen erst, wenn zuvor das No-No-Deal-Abkommen in Stein gemeißelt und in Stonehenge aufgestellt wurde.
John B.: Order!!!
Boris J.: Schon in der griechischen Mythologie gab es solche Missverständnisse: Es geht nicht an, dass wir den zweiten Schritt vor dem ersten setzen. Das muss doch selbst einem mit zwei linken Füßen klar sein. So lange es keine Einigung über den No-No-Deal gibt, können wir ihn nicht in Stein meißeln.
Jeremy C.: Ich habe immer gesagt, dass die EU zustimmen muss, dass der No-No-Deal erst später kommt, damit er vorher in Stein gemeißelt werden kann und wir dann Neuwahlen abhalten – das muss doch selbst einer rechtsgedrehten Ringelsocke klar sein.
John B.: Order!!!
Boris J.: Wenn wir jetzt weder über den No-Deal noch über Neuwahlen abstimmen können, was sollen wir dann tun?
Jeremy C.: Warten, bis ich in den Umfragen vorne liege.
Boris J.: Ah, darum geht es Dir, Du Heuchler.
John B.: Order!!!
Jeremy C.: Und Dir? Dir geht es ums Land, um unsere Arbeitnehmer?
Boris J.: Es geht mir um den Brexit.
Jeremy C.: Warum sagst Du das nicht gleich. Beim Ausstieg aus diesem wirtschaftsliberalen Kapitalistenklub bin ich dabei.
Boris J.: Also gut, dann stimmen wir also morgen nochmals darüber ab – den Ausstieg aus diesem sozialistischen Delors-Machwerk.
John B.: Order!!! Ihr könnt nicht immer wieder über das selbe abstimmen. Das lasse ich nicht zu (beendet die Sitzung).

Die Queen räuspert sich, Big Ben läutet, die Themse blubbert. Und wieder beginnt in London ein neuer Tag. Franz K. macht sich Notizen für seinen neuen Roman.