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Porträt

Manuela Fürst: "Ich habe mich einfach vieles getraut"

Finanzvorständin mit 41, Projektmanagerin in Fernost, „Doppel-Mama“: Die Karriere von Manuela Fürst, CFO bei Agrana Frucht, ist zweifellos außergewöhnlich. Die Ambivalenz zwischen Heim- und Fernweh prägte stets ihren Werdegang.

Als der Fotograf sie bittet zu posieren, schnappt sich Manuela Fürst kurzerhand einen Golfschläger und stellt sich vor die grüne Minigolfbahn, die sich in der Mitte ihres Büros befindet. Im siebten Stock des gläsernen Raiffeisen-Gebäudes am Wiener Donaukanal hat die 41-jährige Finanzvorständin von Agrana Frucht normalerweise nur wenig Zeit für Übungsschläge.

Die gebürtige Mostviertlerin ist das, was sich viele unter oft bemühten Begriffen wie „Powerfrau“ oder „Karrierefrau“ vorstellen. Die Unternehmerstochter „weiß, woher das Geld kommt“, wie sie sagt. Ihre Karriere sucht ihresgleichen. Nach der Tourismusschule studierte sie Internationale BWL, der Weg ins Ausland sollte ihr (bis heute) ständiger und treuer Begleiter werden. Wie auch ihr Ehemann, den sie bei PWC („am Kopierer, ganz klassisch“) kennen lernte, wo sie nach dem Studium zunächst tätig war. „Wo auch sonst sollte man einen Mann kennen lernen?“ sagt sie lachend.

Das Erklimmen der Karriereleiter verband die beiden, 2004 entschieden sie sich gemeinsam für einen MBA in Hongkong. „Ich habe damals festgestellt, dass in meiner Altersgruppe alle das gleiche machen. Die Kernfrage an mich selber war damals schon: Was ist eigentlich mein Alleinstellungsmerkmal?“ Die Auslandserfahrung sollte zu einem solchen werden. 18 Module absolvierte sie abwechselnd in Hongkong, Shanghai und Japan. Dazwischen wurde die Zeit „intensiv für Rucksackreisen bis hin zum Mount Everest Basecamp“ genutzt. Eine Phase, die Fürst „unfassbar wertvoll“ nennt.

Ausland und arktische Temperaturen

Den Weg zurück nach Österreich fand das Paar schließlich „aus romantischen Gründen“: Inzwischen standen Hochzeitspläne am Programm. Zurück in der Heimat „war ich innerhalb einer Woche bei Magna beschäftigt.“ Von 2008 bis 2010 war Fürst dort als Projektmanagerin tätig, wo sie auch viel Zeit in den USA verbrachte. Nach dieser Phase des „intensiven Reisens und Vollwahnsinns“, kehrte Fürst zurück nach Wien. „Ich habe mir eingebildet, dass der kleinere Radius reicht. Doch nach sieben Monaten war ich wieder zurück bei Magna.“ Um kurz darauf für ein großes Projekt nach Russland zu gehen. In der früheren Militärstadt Nizhny Novgorod herrschten bis zu -35 Grad. Ein Projekt, das sie „extrem geprägt hat“.

Es braucht mehr Mut. Den Drive, richtig Gas zu geben, nimmt einem niemand ab. Man braucht Pfeffer im Hintern. Ich habe mich einfach vieles getraut.

Manuela Fürst, CFO von Agrana Frucht

Ihren Weg säumen seither Heim- und Fernweh gleichermaßen. Den Hang für das Exotische drückt sich auch auf der Bürowand aus, die eine große, bunt bemalte Weltkarte ziert. Die Ambivalenz zwischen Ausland und Heimat wurde mit der Geburt von Marie Zoe (2010) und Maximilian (2013) noch intensiver. Denn schnell holte sie der Job wieder ein: Nach der Karenz ging es direkt zu dem Projekt in Russland zurück. Anschließend übernahm Fürst den Bereich M&A bei Magna Europe. Bis schließlich 2015 der Headhunter anrief und ihr einen Wechsel zu Agrana anbot. „Im ersten Moment wusste ich gar nicht, was ich damit anfangen soll“, sagt sie lachend. Sie nahm den Job an. Nach drei Jahren im börsennotierten Unternehmen wechselte Fürst als Vorständin für Finanzen, HR, IT und Recht zu Agrana Frucht.

Straffer Zeitplan und Teamwork

Eine gute Vorbereitung für diese Tätigkeit nennt Fürst das Führungskräfte-Programm „Zukunft.Frauen“, das sie 2013 im fünften Durchgang absolvierte. „Ich habe dort wunderbare Freundinnen gefunden.“ Die Datenbank, die die Absolventinnen als potenzielle Aufsichtsrätinnen bewirbt, habe sich durchaus rentiert: „Ich habe schon einige Anfragen bekommen.“ Die einzelnen Module hätten ihr insbesondere auf der Persönlichkeits-Ebene „den Horizont geöffnet“. 

Das Thema Sichtbarkeit von Frauen ist ihr generell wichtig, bei Agrana ist sie auch für Diversität zuständig. Für Kolleginnen will sie vor allem ein Vorbild sein: „Ich möchte anderen zeigen, dass es funktioniert.“ Ein Nebeneinander von Frauen und Männern sowie Familie und Kinder seien bei Agrana normal. Dass Frauen aber immer seltener werden, je höher es in der Hierarchie nach oben geht, sei nicht nur der biologischen Voraussetzung geschuldet. Oft scheitere es am fehlenden Biss - unabhängig vom Geschlecht: „Es braucht mehr Mut. Den Drive, richtig Gas zu geben, nimmt einem niemand ab. Man braucht Pfeffer im Hintern. Ich habe mich einfach vieles getraut“, sagt Fürst.

Ich gebe viel für meinen Job, aber schlagen tut mein Herz wo anders.

Manuela Fürst, CFO von Agrana Frucht

Sich selbst beschreibt sie als „international, Vollblutmanager, aber auch Doppel-Mama“. Als sie von ihren beiden „extrem coolen“ Kindern zu erzählen beginnt, holt sie sogleich ein Fotobuch hervor. „Ich habe ein unfassbares Glück mit denen“, sagt sie, während sie durch die Seiten blättert. Möglich wird die Vereinbarung von beiden Welten vor allem durch einen straffen Zeitplan: „Wir sind extrem organisiert. Wir schicken jeden Sonntag einen Plan aus an alle, die uns helfen.“ Darunter die Großeltern und drei Nannys, die sich in einer eigenen Whatsapp-Gruppe abstimmen.

Den Ausgleich zum durch getakteten Alltag holt sich Fürst beim Laufen oder Skitouren. Denn: „Es erfordert einen massiven Einsatz, Disziplin und Teamwork. Man muss bereit sein, zu investieren.“ Teils 70-Stunden-Wochen und Reisen um die Welt ließen oft nur eine Stunde Zeit am Abend übrig, um die Kinder ins Bett zu bringen. „Aber ich habe mich für diese Rolle entschieden.“ Für ihre Kinder auf die Karriere verzichten würde sie dennoch, wenn es nötig wäre: „Ich nehme mir die Freiheit, das System anzupassen. Ich gebe viel für meinen Job, aber schlagen tut mein Herz wo anders.“

Das Führungskräfteprogramm „Zukunft.Frauen“ will qualifizierte Frauen in Management- und Aufsichtsratspositionen oder in der Selbstständigkeit etablieren, vernetzen und in der Öffentlichkeit sichtbarer machen. Generell sollen Frauen dadurch motiviert werden, sich für Führungspositionen zu bewerben. Entwickelt wurde der Lehrgang nach norwegischem Vorbild vom damaligen Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft, der Wirtschaftskammer Österreich (WKO) und der Industriellenvereinigung (IV). Jeder Durchgang besteht aus acht halbtägigen Themenblöcken und Kamingesprächen mit Experten. Derzeit läuft der 16. Durchgang, der 17. startet am 3. März 2020.

Zugangsvoraussetzungen für eine erfolgreiche Bewerbung sind mindestens fünf Jahre Führungserfahrung, betriebswirtschaftliches Fachwissen, starke Vernetzung und ein neuer Karriereschritt, der für die nächsten beiden Jahre angestrebt wird. Bewerbungen sind noch bis
21. November 2019 möglich. Nähere Infos unter: www.wko.at/zukunftfrauen.

Diese Serie wird von der „Presse“ in redaktioneller Unabhängigkeit gestaltet. Ermöglicht wird sie durch finanzielle Unterstützung von „Zukunft.Frauen“.