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Morgenglosse

Zwei Passwörter für 1,50 Euro

Austria Vienna young woman waiting at underground station using smartphone model released Symbolfo
Junge Frau wartet auf die U-Bahn.(c) imago images / Westend61 (via www.imago-images.de)
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Mehr Sicherheit fürs Bankkonto lässt uns vielleicht ruhiger schlafen, macht aber das Leben nicht immer einfacher. Wieso keine Bagatellgrenze?

Sicherlich hat Ihnen ihr Bankberater schon von der zweistufigen Authentifizierung (Two-Factor-Authentification) für die Bezahlung eines Onlinegeschäfts oder auch nur für das Checken des Kontostandes erzählt. Die neue EU-Direktive, wonach wir uns unter anderem bei Online-Zahlungen künftig mit zwei Kriterien ausweisen müssen, wird gerade europaweit implementiert. Der Pin allein reicht nicht mehr. Der Doppelcheck mit zwei verpflichtenden Sicherheitsabfragen bei Online-Bezahlvorgängen soll mehr Sicherheit im Zahlungsverkehr bringen.

Über die Regelung sind auch nicht alle Händler glücklich. Sie befürchten eine kompliziertere Abwicklung der Geschäfte und so manchen Kunden, der ob der Komplexität dann vor dem Bezahlen doch den Hut drauf haut. Aber grundsätzlich sind sicherere Onlinegeschäfte zu begrüßen, darüber sind sich alle Experten einig.

Für Konsumenten wird es in Hinkunft nicht einfacher. Denn die Brüsseler Produzenten der Reglung haben bei ihrem Griff in die Regulierungslade eine Kleinigkeit vergessen: Dass es nämlich doch einen Unterschied macht, ob jemand ein größeres Möbelstück oder ein Fernsehgerät um mehr als 1000 Euro online bezahlt oder nur ein Bahnticket um 1,50 Euro. Wie wäre es mit einer Bagatellgrenze gewesen? Im Supermarkt einen Einkauf unter 25 Euro mit dem Smartphone oder einer Karte berührungslos zu bezahlen kennen wir doch als eine recht komfortable Angelegenheit.

Der Bahn-Pendler muss nun vor jeder Fahrt zwei komplizierte Codes aus Groß- und Kleinbuchstaben, Ziffern und möglicherweise noch aus Sonderzeichen auf das Display des Smartphones fabrizieren. Auch wenn der Betrag dann nur 1,50 Euro ausmacht. Das scheint dann doch eine vergleichsweise übertriebene Anforderung zu sein und kann auch der Sicherheit wegen nicht im Sinne der Erfinder sein.

Und so nebenbei, die ÖBB kann zwar nichts für die neue Regelung, aber dass die Staatsbahnen ihre App auf das neue System umstellen, hätten sie ihre Kunden schon wissen lassen können Dann wäre der eine oder andere Bahnfahrer nicht kalt erwischt worden.