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Missbrauchsvorwürfe

„Original Play“: Ruf nach besserem Kinderschutz

Ein Großteil der Schulen und Kindergärten setzte die Zusammenarbeit mit dem umstrittenen Verein aus. Dieser wiederum hat angekündigt, seine Methode und Ausbildung zu überprüfen.

Wien. Die Debatte um den Verein „Original Play“, gegen den es in Deutschland Missbrauchsvorwürfe gibt, geht weiter. Nachdem inzwischen die meisten österreichischen Kindergärten und Schulen, in denen das umstrittene Spiel angeboten wurde, die Zusammenarbeit ausgesetzt haben, fordern Kinderschutzvereine nun einen besseren Kinderschutz, wenn Vereine – wie „Original Play“ – in Kindergärten oder Schulen geholt werden.

Es müssten Standards definiert werden, nach denen externe Organisationen in Schulen oder in Kindergärten zugelassen werden, sagt Astrid Winkler von ECPAT – einem Netzwerk zum Schutz von Kindern vor sexueller Ausbeutung – darunter etwa die Anforderung, dass es in der jeweiligen Organisation ein Kinderschutzkonzept gibt. Das sei ein ganzes Paket an Maßnahmen, in dem es darum gehe, Gewalt gegen Kinder zu verhindern: Es reiche etwa von der Überprüfung und der Ausbildung des Personals über das Wissen bezüglich Missbrauch, Übergriffe und Grenzen bis hin zu einem internen Meldesystem.

Aus dem Bildungsministerium heißt es, man arbeite seit dem Fall des umstrittenen Sexualkundevereins Teenstar an Qualitätskriterien für externe Organisationen, die an Schulen geholt werden. Diese sollen alle Vereine betreffen, deren Arbeit die körperliche und emotionale Entwicklung von Kindern betrifft. Angekündigt war, dass diese Kriterien die Basis für eine Akkreditierung sein sollten. Offen ist, ob sie in punkto Kinderschutz so weit gehen wie von den entsprechenden Vereinen gefordert.

 

Angebot sicherer machen

Der Verein „Original Play“ hat unterdessen angekündigt, seine Methode und die Regeln, die Ausbildung und die institutionellen Rahmenbedingungen für die Kurse zu überprüfen. Die aktuellen Vorwürfe würden sehr ernst genommen, auch wenn in Österreich kein Fall von Übergriffen oder von Missbrauch bekannt geworden sei.

Man wolle sich ansehen, was notwendig sei, damit das Angebot sicherer und professioneller werde, hieß es am Dienstag. Künftig würden etwa auch von jenen, die bei Kursen hospitieren, Strafregisterauszüge verlangt. Der Verein zeigte sich gleichzeitig erschüttert über „die pauschale Ablehnung unseres Angebots“, die aktuellen Diskussionen würden „bis hin zu Mord- und Gewaltdrohungen führen“, hieß es am Dienstag.

Die Kurse des Vereins, bei denen fremde Erwachsene mit Kindern und Jugendlichen rangeln, waren in Österreich in mehr als 100 Einrichtungen angeboten worden – unter anderem bei der Diakonie und den Kinderfreunden. Mehrere Bundesländer haben die Zusammenarbeit bereits verboten bzw. dazu geraten, die Kurse nicht anzubieten. Am Montag hat die Volksanwaltschaft ein Prüfverfahren eingeleitet. (APA/red.)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.10.2019)