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Türkei

USA: Massaker an Armeniern war Völkermord

ARMENIA - PRE-ELECTION RALLY
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Mehr als ein Dutzend Staaten werten das Blutbad an den Armeniern bereits als Völkermord. Nun stufen auch die USA die Gräueltaten so ein. Sehr zum Ärger der Türkei: Sie zitieren den US-Botschafter ein.

Das US-Repräsentantenhaus hat die Massaker an den Armeniern im Osmanischen Reich während des Ersten Weltkrieges mit überwältigender Mehrheit als Völkermord anerkannt. Die entsprechende Resolution wurde am Dienstag mit 405 zu 11 Stimmen angenommen. In ihr heißt es, die USA würden den Völkermord an den Armeniern anerkennen und die Tötung von 1,5 Millionen Armeniern durch das Osmanische Reich verurteilen.

Ankara reagierte erbost: Das türkische Außenamt lud den US-Botschafter vor. Der US-Diplomat David Satterfield sei wegen einer "Resolution, die jeder historischen oder rechtlichen Grundlage entbehrt" ins türkische Außenministerium zitiert worden, teilten Ministeriumsvertreter am Mittwoch mit.

Die Türkei gesteht zwar den Tod von 300 000 bis 500 000 Armeniern während des Krieges zu, weist aber die Einstufung als Völkermord strikt zurück. Während des Ersten Weltkrieges waren Armenier systematisch verfolgt worden und unter anderem auf Todesmärsche in die syrische Wüste geschickt worden. Historiker sprechen von Hunderttausenden bis zu 1,5 Millionen Opfern.

„Rache an Militäroffensive"

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan bezeichnete die Resolution als „Verleumdung gegen unser Land“. Zuvor hatte der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu den USA via Twitter vorgeworfen, die "antiquierte Resolution" sei Rache für die türkische Militäroffensive in Nordsyrien. "Kreise, die glauben, dass sie sich auf diese Weise rächen werden, irren sich."

Durch die Militäroffensive gegen kurdische Kämpfer in Nordsyrien hatten sich die Beziehungen zwischen den beiden Ländern stark verschlechtert. Das türkische Militär war mit verbündeten Rebellen am 9. Oktober in Nordsyrien einmarschiert. Ankara betrachtet die Kurdenmiliz YPG als Terrororganisation. Für die USA waren die von der YPG geführten Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) ein wichtiger Partner im Kampf gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS). Der Abzug von US-Truppen aus Nordsyrien hatte den Einmarsch der Türkei erst möglich gemacht.

Der Deutsche Bundestag hatte im Juni 2016 in einer Resolution ebenfalls von Völkermord an den Armeniern gesprochen. Das hatte zu einer starken Verschlechterung der deutsch-türkischen Beziehungen geführt; Bundeskanzlerin Angela Merkel erklärte die Resolution als für ihre Regierung rechtlich nicht bindend. Auch Frankreich, Russland, die Schweiz und die Niederlande und mehr als ein Dutzend weiterer Staaten werten das Blutbad an den Armeniern als Völkermord. Die Südkaukasusrepublik Armenien fordert seit langem von der Türkei, die Gräueltaten als Genozid anzuerkennen.

(dpa)