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Denkmalschutz: Wer zahlt, schafft nicht immer an

Denkmalschutz zahlt schafft nicht
(c) Bilderbox
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Ist ein Gebäude historisch oder kulturell wertvoll, kann das für seinen Besitzer finanzielle Belastungen und erhebliche Einschränkungen mit sich bringen.

Der Marketingfachmann Horst Schwarzl und seine Familie besitzen in bester Wiener Zentrumslage ein prachtvolles Haus. Aber leben von dem Objekt, geschweige denn reich werden damit, können die Besitzer nicht: „Der Ertrag deckt knapp die Kosten der Erhaltung, man muss genau disponieren, damit man nicht draufzahlt“, erzählt Schwarzl. Wesentlich mehr Ertrag aus diesem Besitz zu erwirtschaften gelänge selbst den cleversten Immobilienexperten nicht. Denn das Barockhaus in der Lange Gasse steht unter Denkmalschutz. Horst Schwarzl darf sein Gebäude weder um- noch ausbauen – und schon gar nicht abbrechen, um stattdessen einen renditeträchtigen Neubau zu errichten.

 

Keine Frage des Alters

Solche Nutzungseinschränkungen durch Denkmalschützer drohen nicht nur Besitzern historischer Häuser. Selbst architektonisch interessante Gebäude aus jüngster Zeit werden immer öfter unter Schutz gestellt. Insgesamt sind heute in Österreich ungefähr 37.000Objekte von Pestsäulen bis zu Hallenbädern aus den Fünfzigerjahren betroffen. Ob ein Objekt entsprechende geschichtliche, künstlerische oder kulturelle Bedeutung hat und daher unverändert erhalten werden muss, bestimmt quasi im Amtsweg das Bundesdenkmalamt. Der Besitzer des Bauwerks kann dagegen zwar in einem Verwaltungsverfahren berufen – seine Chancen sind allerdings gering, er müsste den Behörden beweisen, dass sein Haus nicht schützenswert sei.

Freude mit den rigorosen Denkmalschutzbestimmungen haben die wenigsten Immobilienbesitzer. Denn die amtlich bestätigte Ehre, ein schutzwürdiges Gebäude zu besitzen, bringt fast immer finanzielle Nachteile. Das bestätigt Thomas Lang, Vorstand der ÖRAG Immobilien: „Denkmalschutz ist mit erheblichen Nutzungs- und Verwertungseinschränkungen verbunden, und das reduziert im Endeffekt immer den Wert einer Immobilie.“

Das Bundesdenkmalamt ist sich bewusst, dass seine Aktivitäten die Rechte des Eigentümers beschränken. „Im Vordergrund unserer Aktivitäten stehen die überlieferte Erscheinung und die künstlerische Wirkung des Bauwerks. Ansonsten handeln wir aber sehr tolerant und tragen bis zu einem gewissen Grad auch dem Entwicklungsbedarf einer Immobilie Rechnung“, sagt Andreas Lehne, Abteilungsleiter für Inventarisation und Denkmalforschung.

 

Viel Rat, wenig Geld

Mit diversen Beratungs- und Serviceleistungen will das Bundesdenkmalamt Hausbesitzern die bittere Pille versüßen. Finanzielle Zuwendungen halten sich aber oft in Grenzen, wie Lang aus Erfahrung weiß: „Bei der Sanierung eines Palais deckte die Förderung des Denkmalamtes gerade die Kosten für den Handlauf des Stiegengeländers“, so der ÖRAG-Vorstand. Da Denkmalschutz auch wesentlich zur touristischen Attraktivität des Landes beiträgt, fordern Experten deshalb mehr Unterstützung für betroffene Immobilienbesitzer durch den Bund.

Herausforderungen bringt der Denkmalschutz ebenso für mit Sanierungsarbeiten beauftragte Bauunternehmen. Die technischen Lösungen werden weitgehend von den Restauratoren vorgegeben, Wunschvorstellungen sind die Verwendung alter Techniken und Materialien. „Bei entsprechender Pflege der handwerklichen Fähigkeiten der Mitarbeiter ist es aber durchaus möglich, die Vorstellungen der Denkmalschützer zu erfüllen“, erzählt der Wiener Baumeister Karl Kopierski. Seine Handwerker nehmen regelmäßig an Weiterbildungskursen teil, die das Denkmalamt veranstaltet.

Schwarzl, dessen Haus sich schon seit Generationen im Familienbesitz befindet, steht Denkmalschutz trotz aller Einschränkungen positiv gegenüber: „Wenn man rein finanziell denkt, wird man die Sache anders sehen. Aber wenn man das Stadtbild von Wien im Auge hat, wird einem bewusst, dass es gut ist, solche Häuser zu erhalten.“

AUF EINEN BLICK

Der Denkmalschutz eines Gebäudes ist für den Besitzer zwar eine gewisse Ehre, aber vor allem eine finanzielle Belastung. Viele Einschränkungen erschweren zudem eine wirtschaftliche Nutzung der Immobilie.

Ob ein Gebäude unter Denkmalschutz gestellt wird, entscheidet das Bundesdenkmalamt. Eine Berufung dagegen ist möglich, die Erfolgsaussichten aber gering.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.06.2010)