Der FC Bayern entgeht einer Cup-Blamage, doch Trainer Niko Kovač steht nach dürftigen Auftritten mehr denn je in der Kritik. Nun verliert er auch noch seinen größten Unterstützer.
München/Wien. Der Vfl Bochum steckt im Abstiegskampf der zweiten deutschen Liga, hat dort von elf Spielen nur eines gewonnen und stand nur dank eines 3:2 über den KSV Baunatal, einen Fünftligisten aus der hessischen Provinz, in der zweiten Runde des DFB-Pokals. Dort allerdings fehlten nur ein paar Minuten, und Bochum hätte Rekordpokalsieger FC Bayern München frühzeitig verabschiedet.
In München kehrt also selbst nach einem Cupduell gegen einen kriselnden Zweitligisten keine Ruhe ein – im Gegenteil. Erst späte Tore von Serge Gnabry (83.) und Thomas Müller (89.) sicherten einen 2:1-Sieg, geholfen hat im Finish auch eine Rote Karte für Bochum. Ausgerechnet der praktisch schon ausgemusterte Müller erlöste die einfallslosen Bayern.
Der Pokal-Auftritt in Bochum war nicht das erste merkwürdige Spiel, das die Bayern in den vergangenen Wochen ablieferten. Da war die Heimniederlage gegen Hoffenheim, ein 2:2 gegen Augsburg und ein glanzloses 3:2 bei Olympiakos Piräus. Aber die Leistung am Dienstagabend gegen Bochum war die bisher schlechteste. Wieder ein Rückschritt, nachdem sich die Mannschaft von Niko Kovač am Wochenende mit einem 2:1-Zittersieg über Union Berlin zumindest Platz zwei in der Bundesliga zurückgeholt hatte.
Selbst Trainer Kovač sprach von einem „Fehlpass-Festival“ und wunderte sich über die Ideenlosigkeit seines Starensembles, das fast eine Stunde lang einem Rückstand hinterhergerannt war. „Das hat ganz klar mit der Einstellung zu tun“, meinte der 48-Jährige.
Ralf Rangnick?
Doch nicht zum ersten Mal in seiner über einjährigen Amtszeit blieben die Bayern gegen einen fußballerisch unterlegenen Gegner rätselhaft harmlos. Letztlich fällt dieser Umstand auf Kovač zurück. Denn Thiago, Coutinho, Coman und Co. sind viel zu begnadet, als dass sie Woche für Woche mit holprigen Arbeitssiegen der Spitze hinterherjagen müssten.
Auftritte wie in Bochum erhöhen wieder den Druck auf Kovač, erneut wurden jene Stimmen lauter, die dem vergleichsweise unerfahrenen Cheftrainer die große Aufgabe in München schlichtweg nicht zutrauen. So wurde bereits berichtet, dass der ehemalige Salzburg-Sportdirektor Ralf Rangnick als Nachfolger des Kroaten bereitstehen würde. Und weil Bayern-Präsident Uli Hoeneß am 15. November abdanken wird, verliert Kovač auch bald seinen größten Unterstützer im Verein.
Es heißt, Hoeneß feile bereits an der Abschiedsrede für seine letzte Jahreshauptversammlung. Doch bevor sich der 67-Jährige in den Aufsichtsrat zurückzieht und der langjährige Adidas-Chef Herbert Hainer als Präsident übernimmt, will Hoeneß seinen Schützlingen im Verein noch den Rücken stärken. Dazu gehört nicht nur Trainer Kovač, sondern auch Sportdirektor Hasan Salihamidžić. Der 42-Jährige soll „Sportbild“ zufolge in zwei Wochen zum Sportvorstand befördert werden.
Dass in der über zweijährigen Amtszeit von Salihamidžić weder ein internationaler Titel gewonnen, noch ein großer Transfer-Coup gelandet wurde, scheint Hoeneß nicht zu stören. Beobachter können sich Salihamidžić auch nur schwer am Verhandlungstisch vorstellen, wenn dem Bosnier die Führungsriege der europäischen Topklubs und raffinierte Spielerberater gegenübersitzen. Zu sehr hat das Profil des Sportchefs unter den ständigen öffentlichen Zurufen von Hoeneß und Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge gelitten.
Einen anderen Mann nach seinem Geschmack hat Hoeneß bereits installiert. Der 50-jährige Ex-Bayern-Goalie Oliver Kahn wird am 1. Jänner 2020 einen Posten im Vorstand antreten. Zwei Jahre später soll Kahn dann Vorstandschef Rummenigge ablösen und den FC Bayern allein führen. Immerhin: Kahn und Salihamidžić haben 2001 mit den Bayern die Champions League gewonnen.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.10.2019)