Informationskrieg

Wie funktionieren Trollfabriken?

(c) REUTERS (Lefteris Karagiannopoulos)

200 Fake-Konten löschte Facebook kürzlich. Sie stehen im Verdacht, Einfluss auf die Wahlen in Afrika genommen zu haben. Betrieben sollen sie von „Putin-Koch“ Yevgeny Prigozhin worden sein.

Facebook löscht 200 Konten, die im Zusammenhang mit Putins Vertrautem, dem Oligarchen und Gastronomie-Tycoon Yevgeny Prigozhin, „Putins Koch“ stehen sollen. Offenbar waren sie Teil einer Troll-Fabrik, die aktiv Einfluss auf die Wahlen in Afrika nehmen wollten. Wie es in solchen Troll-Fabriken zugeht, berichtet Katarzyna Pruszkiewicz. Sechs Monate kuratierte sie 200 Profile bei Facebook, Twitter und Instagram. Was sie schrieb? Je nachdem was der Auftraggeber forderte. In den sechs Monaten beeinflusste sie User zu Gunsten der PiS-Regierung und des Staatssenders TVP.

Es fing alles mit einer Hausdurchsuchung Anfang des Jahres statt. Im Zuge der Berichterstattung über die Durchsuchungen stieß Pruszkiewicz auf die Firma Cat@Net. "Wir versuchen, ein starkes, positives Image für Firmen, Personen und öffentliche Einrichtungen aufzubauen", heißt es zum damaligen Zeitpunkt auf deren Webseite.

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Die junge PR-Firma ermöglicht das Arbeiten im Home-Office. Behinderten Personen stand man Pruszkiewicz zufolge sehr offen gegenüber. Immerhin erhielten sie dafür in vier Jahren mehr als 350.000 Euro Förderungen vom Staat.

Zu Beginn wurden ihr nur harmlose Aufgaben zugeteilt, berichtet sie. Das Anlegen eines authentisch wirkenden Twitter-Accounts, bei dem sie so schnell wie möglich auf 500 Follower kommen sollte. In der nächsten Stufe erhält sie Zugang zu einem fremden Account. Sie soll positiv über das Programm des polnischen Staatssenders schreiben: „Es wäre super, wenn Du die Staatssubventionen für TVP positiv kommentieren könntest“, schreibt Alicja per E-Mail. Das Narrativ: Medien wie TVP bräuchten unbedingt eine Unterstützung durch die Regierung, sonst würden sie untergehen und es gäbe nur noch trashige Reality-TV-Produktionen.

Pruszkiewicz schimpft gegen Lehrer-Demonstrationen, verteufelt einen Kuss zweier Männer während des Song-Contests und kritisiert eine Dokumentation über Missbrauch in der Kirche.

Sie steigt auf, erweist sich als zuverlässiger Troll. Sie bekommt administrative Aufgaben und erhält tiefere Einblicke in das System Trollfabrik. 200 Accounts, die von 14 Menschen täglich befüllt werden. Es werden Gemeinschaften zu anderen Usern aufgebaut, immer am extremen politischen Rand. Je nachdem, was gerade gefragt ist.

Insgesamt 725 Beiträge erscheinen im Februar im Zusammenhang mit dem polnischen Staatssender. Mit einer großen Reichweite. Das Recherche-Kollektiv Investigate Europe und das polnische Recherchebüro Fundacja Reporterów haben die Londoner Denkfabrik ISD Global beauftragt, die Troll-Kampagnen von Cat@Net zu analysieren. Laut ISD Global haben die Trolle in knapp zwei Jahren rund 15.000 Beiträge über TVP veröffentlicht, bis zu 15 Millionen Mal könnten diese Beiträge angesehen worden sein, schreibt ISD Global.

Realität verzerren

Es geht darum, die Realität zu verzerren. Mit Erfolg, die Beiträge sehen echt aus, verbreiten sich und verschwinden in der Masse der echten Antworten.

Trollfabriken gibt es viele. Eine davon soll sich auch in der Sawuschkin-Straße 55 in St.Petersburg befinden. Angeblich betrieben von Ewgeni Prigozhin. Als Catering-Unternehmer bewirtet er Gäste im Kreml und dank Staatsaufträgen auch Schulen und die Armee.

Wieso sollte aber ein reicher und erfolgreicher Unternehmer eine Trollfabrik betreiben? Journalistin Garmaschapova erklärt es sich so gegenüber SRF: "Prigozhin hat enge Verbindungen zum Kreml und sein Reichtum hängt davon ab, dass Putin weiter an der Macht bleibt. Er verdient grosse Summen mit staatlichen Aufträgen, die er auf undurchsichtige Weise erhält. Er finanziert die Troll-Fabrik also faktisch mit staatlichen Geldern."

>>> Troll-Fabriken Russland

>>> Buzzfeed

(bagre)