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Spanien

Kanaren im Herbst: Baumtunnel, Bergriesen und Badestrand

Blick auf das Anaga-Gebirge
Blick auf das Anaga-GebirgeImago
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Die Kanaren sind stets eine zuverlässige Ecke, wenn es darum geht, den Winter abzukürzen. Und sie sind extrem abwechslungsreich: Sonne und Strand, Wind und Wolken auf dem Vulkan, darunter üppige grüne Natur.

Allein die Vorfreude, den Koffer bei Nebel, Graupelschauer und Schneematsch zum Terminal zu ziehen und zu wissen: Ein paar Stunden später knirscht darunter Sand. Gewiss, Strand und Sonne gehen immer, aber man verpasst so viel, wenn man nur in der Sonne liegt. Abwechslungsreich ist zum Beispiel Teneriffa, die größte der Kanarischen Inseln. Je nachdem, wo man sich herumtreibt, alles ist immer wieder überraschend anders. Strand und Berge, üppige Natur und Vulkanwüste – alles da.

Die geologisch ältesten Teile der Insel sind das Anaga-Gebirge im Nordosten und das Teno-Gebirge im Nordwesten. Schon die Anfahrt ist ein Naturerlebnis: Die Straßen schlängeln sich durch dichte Baumtunnel. Erste Station sollte das Anaga-Besucherzentrum in La Cruz del Carmen sein. Mitarbeiter wie Ranger Airam erklären, welche Routen je nach Zeitbudget und Kondition empfehlenswert sind. Und zwar nicht nur auf der Karte: Man kann sich die Gegend gleich am großen Bildschirm in 3-D aus der Vogelperspektive anschauen, zum Beispiel das verwunschene Palmental im Barranco del Cercado von San Andrés aus. Oder die Rundwanderung hinab zum Leuchtturm Baja Nègre von Chamorga aus am äußersten Nordostzipfel Teneriffas. Dafür unbedingt ein Picknick mitnehmen und unten am Strand genießen, denn es gibt keine Einkehrmöglichkeit.

Ein Spaziergang Richtung Norden nach Chinamada führt durch einen kühlen Zauberwald mit Tunneln aus Lorbeerbäumen mit wild verdrehten, knorrigen Stämmen, kanarischen Kiefern, Wildkräutern und weich-feuchtem, federndem Boden. „Der Wald speichert die Feuchtigkeit der Passatwinde“, hat Airam erklärt. Die Blätter und Nadeln „melken“ die Wolken, indem sie die Feuchtigkeit aus der Luft kämmen. Es regnet also nicht wirklich, aber die Haare kräuseln sich – ganz klar feuchte Luft also.

Zum Staunen: Die Mitte

Der Höhepunkt Teneriffas ist im Wortsinn der Pico del Teide im gleichnamigen Nationalpark. Mit 3718 Metern ist er nur 80 Meter niedriger als der Großglockner. Spaniens höchster Berg und Europas höchster Vulkan – ein Klassiker für das persönliche Gipfelbuch! Zwischen Meeresspiegel und dort oben ist wettermäßig jede Überraschung drin. Mit Wind ist immer zu rechnen, es kann aber auch schneien. Dafür sind die (Miet-) Autos aber nicht vorbereitet, deshalb kann es sein, dass einem die Zufahrtsstraßen vor der Nase gesperrt werden. Deshalb immer Webcams checken. Oft liegt zwischen Küste und Bergen auch eine geschlossene Wolkenschicht. Dann flexibel sein und entweder darüber oder darunter etwas unternehmen. Wer die ganz harte Tour braucht, kann auch vom Meer am Strand Playa El Socorro an der Nordküste bis zum Gipfel marschieren: Die Route 040 auf Teneriffa ist ein Wanderweg der Superlative. Der Weg führt auf mehr als 55 Kilometern vom Meer bis auf den Gipfel. Damit ist die Route 040 der Wanderweg mit dem größten Höhenunterschied Spaniens, der durch verschiedene Klimazonen und Vegetationsstufen führt.

In der Mondlandschaft rund um den Teide gibt es zwölf beschilderte Wanderwege, sogenannte Senderos, mit Gehzeiten zwischen zwei und fünf Stunden. Wer bequemer auf den Teidegipfel möchte, nimmt die Seilbahn, die nur bei zu starkem Südwestwind nicht fährt. Warm einpacken, denn der Gipfel liegt 1300 Meter höher als die Talstation. Wer zu Fuß ganz nach oben will, braucht eine Genehmigung der Parkverwaltung, die kostenlos solche „Permits“ ausstellt, die weit im Voraus gebucht werden sollten (Winter fünf bis sechs Wochen, Sommer neun Wochen). Der Teide-Nationalpark ist der mit der größten Besucherzahl Europas und der zweitgrößten der Welt. Dieser Ansturm muss eben organisiert werden. Sonst wächst bald kein Teide-Veilchen mehr, ein weltweit einziges Juwel der Pflanzenwelt, das dort nur oberhalb von 2500 Metern wächst und der ganze Stolz des Parks ist, wie die Wulfenia in Kärnten – beide blühen lila.

Teneriffa entstand durch vulkanische Aktivität, und so sieht es auf der Hochfläche um den Teide herum auch aus. Irgendwann hat man sich an Gesteinen sattgesehen, man möchte wieder ein bisschen Grün und Vegetation erblicken – also eine Etage tiefer in den Regenwald. Oberhalb von Aguamansa starten viele Wanderwege durch den dichten, duftigen Kiefernwald – manchmal gibt er den Blick frei auf das Orotava-Tal bis ans Meer und zum Teide – auf dem Los-Órganos-Höhenweg etwa: Auf größtenteils breiten gemütlichen Wanderwegen ohne große Höhenunterschiede geht es zu den Los Órganos, den steinernen Orgelpfeifen, eine durch Erosion geformte riesige Felswand.

Immer etwas wärmer ist es im Inselsüden. Und wenn ein Hotel so schön ist, dass man die Anlage nicht verlassen möchte, ist das im Royal Hideaway Corales Beach der Fall. Der Clou ist das geteilte Konzept: Der eine Teil ist nur für Erwachsene, der andere nur für Familien. So kann man die Füße hochlegen oder mit dem Nachwuchs im Pool planschen. Beim Sundowner am Infinity-Pool ist es aber doch eine Überlegung wert, einen Inselausflug zu machen. Muss aber nicht. Am Pool liegen oder planschen ist auch okay – erst recht, wenn zu Hause Winter ist.

KANAREN-TIPPS

Wandern: im Anaga-Gebirge und auf /um den Teide (Tipp: Observatorium besuchen).

Wohnen: Royal Hideaways Corales Beach, La Caleta (www.barcelo.com),

Hacienda Cuatro Ventanas (www.ha-ciendacuatroventanas.com), Casa Casilda in Tacoronte.

Einkehren: In Taganana im La Ola, Casa del Vino in El Sauzal,

www.hotel-emblematico-casa-casilda.business.site

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.11.2019)