Unterwegs

Letzter Rauchtag im Gutruf!

In einem Räucherkammerl atmet man Schweizer Bergluft dagegen.
In einem Räucherkammerl atmet man Schweizer Bergluft dagegen.APA/HERBERT NEUBAUER

Reise in die Selchkammer der Erinnerung.

Geplant war das nicht wirklich, sonst hätte ich kaum meine nagelneue Panier – Weste und Sakko von Nigel Cabourn – übergezogen. Denn wer einkehrt im Gutruf, dem Edel-Tschocherl in der Wiener Milchgasse im Ersten, der weiß natürlich: In einem Räucherkammerl atmet man Schweizer Bergluft dagegen, so hingebungsvoll wird in dem wohnzimmergroßen Etablissement traditionell gepofelt. Oder eben: wurde.

Ich hatte mich bloß im Tag vertan, und so inhalierte ich Geschichte: Donnerstag, 31. Oktober, der letzte Rauchtag im Gutruf, wo man derlei nie für möglich gehalten hätte. Ich schaute Samstagmittag sicherheitshalber zu einer Kontrolle vorbei, und tatsächlich: Fernsicht bis zur Klotür. Keine Glut, nirgends.

„Zahlst 800 Euro, kannst gern rauchen“, sagt Chef Bernhard. „Die zweite kostet dann schon 1200.“

Verlockend, aber danke, sage ich, von der Heizerei bin ich schon lang befreit. „Was bin ich froh, dass ich nicht rauchen muss“, wie mein alter Herr zu sagen pflegt. An dem Abend freilich ließ ich es gern geschehen, passiv halt, es hatte etwas wärmend Nostalgisches. Alle taten ihr Bestes, wobei ein Normalabend wie früher nicht erreicht wurde: Die allgemeine Rauchleistung hat einfach nachgelassen.

Eine Dame griff zur Cohiba, was alleweil hohe Stilnoten zeitigt, zumal im Lokal ein Bild des früheren Gutruf-Gastes Helmut Qualtinger hängt, mit einem imposanten Tabakblätter-Geschütz bewehrt. „Was verbieten's als Nächstes?“ stand im Raum. Vielleicht den Hausschnaps. Zwei Tage auf dem Balkon, und das Gewand ist immer noch geselcht. Oder besser: existenzialistisch imprägniert. Ich werde gern dran schnüffeln.

timo.voelker@diepresse.com

Nächste Woche: Karl Gaulhofer


[PWMQN]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.11.2019)