Kanzler Franz Vranitzky während seines DDR-Besuchs.
30 Jahre Mauerfall

Wie die Stasi Österreicher in der DDR ausspionierte

Das neutrale Österreich und der Arbeiter- und Bauernstaat DDR kamen gut miteinander aus. Was die Stasi nicht hinderte, die Österreicher gnadenlos auszuspionieren – mit abgehörten Telefonen, Putzfrauen und dem Versuch, "Intimkontakte" festzuhalten, wie Dokumente aus dem Inneren des Spitzelstaats zeigten.

Am 9. Mai 1989, um 10.21 Uhr, ruft ein Mann „mit schwachem sächsischen Dialekt“ die österreichische Botschaft in Ostberlin an. Seinen Namen nennt er nicht. Er hegt nämlich den Verdacht, dass „die Apparate der Botschaft abgehört werden“. Der anonyme Anrufer weist darauf hin, dass die Kommunalwahlen in der DDR am Wochenende manipuliert worden sind, genauer könne er einen „Tipp geben“, „wo der Wahlbetrug stattgefunden hat“, und es sei doch im „internationalen Interesse, wenn man weiß, wie das gemacht wird“.

Der Mann hatte mit allem Recht. Die Wahlen waren natürlich gefälscht. Und die Telefone der Botschaft wurden angezapft. Die Stasi hörte das Gespräch mit. Das 30 Jahre alte Abhörprotokoll schlummert in den Archiven des „Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen“ in der Nähe des Ostberliner Alexanderplatzes. Es liegt der „Presse“ vor, so wie Hunderte weitere einst geheime Dokumente aus dem Herzen des Ministeriums für Staatssicherheit, also der Stasi, die in den letzten Jahren der DDR über Österreichs Botschaft angefertigt worden sind.

Einiges davon hat nur Unterhaltungswert, wie eine selten gut erhaltene Tonbandaufnahme, in der sich ein deutscher Journalist über den Ablauf des DDR-Besuchs von Kanzler Franz Vranitzky 1988 erkundigt und der Botschaftsmitarbeiter in den Unterlagen stöbert: „Bei meinen ganzen Kaszetteln kenn ich mich gar nicht mehr aus.“