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Zahlen, bitte!

Die Kunst des Bezahlens

Diese leicht unangenehme Atmosphäre, wenn die Kellner mit der Rechnung kommen: Zusammen oder getrennt? Gedanken zu einer Geste der Geldübergabe.

Prospero Bertani, ein Opernliebhaber aus Reggio, machte sich im Mai des Jahres 1872 auf den Weg nach Parma, um sich Giuseppe Verdis Aufsehen erregende „Aida“ höchstselbst anzusehen. Unsicher, ob er denn Gefallen an dem Stück fand, setzte er sich wenige Tage später wieder in den Zug, und nach diesem Abend fiel sein Urteil eindeutig aus: „Die Oper enthält durchaus nichts, was begeistert und elektrisiert“, schrieb Bertani anschließend an Verdi. „Wenn die pomphaften Dekorationen nicht wären, würde das Publikum nicht bis zum Schluss aushalten.“

Seiner Kritik legte Bertani eine Quittung bei, denn Verdi solle ihm für diese Zumutung wenigstens das Geld zurückerstatten. Die Antwort des Maestros fiel kurzweilig bis spöttisch aus, tatsächlich aber ersetzte er dem Geplagten die Reisekosten – nicht jedoch das „verbrecherisch schlechte Abendessen auf dem Bahnhof“ (wie Bertani schrieb). Denn, so Verdi: „Es geht mir über den Spaß, dass ich ihm auch noch sein Abendessen bezahlen soll; er hätte ganz gut zu Hause essen können.“ Das Abendessen bezahlen. An dieser Frage haben sich durch die Jahrhunderte schon viele Geister geschieden. Wer zahlt was, wer lädt ein, wo verläuft die Grenze zwischen Angemessenheit und Frechheit, wer soll und darf denn nun die Rechnung übernehmen? Das Bezahlen ist durchaus eine eigene Kunst – und mit den gesellschaftspolitischen, soziologischen Veränderungen unserer Zeit ändert sich auch sie.