Oft sind es Momente unerwarteter Güte vor tragischem Hintergrund, die uns in Filmen zu Tränen rühren.
Von Bambi bis Boyhood

Wie Filme uns zum Weinen bringen

Immer wieder geben wir uns gern der Wirkung sogenannter Tearjerker hin. Warum uns glückliche Filmmomente oft mehr rühren als traurige, und welche Szenen selbst Hartgesottenen nahegehen dürften.

Und dann sinkt man in den Sitz, spürt, wie es einem die Brust zuschnürt, wie das Schlucken schwerer wird und der Blick trüber. Bald rollt die erste Träne die Wange hinab. Man hört ein Schniefen von nebenan, schaut sich verstohlen um und merkt: Man ist nicht als Einzige in Auflösung begriffen. Das Drama auf der Leinwand hat einen völlig erfasst. Es hält einen körperlich fest, selbst das Popcorn, das sich plötzlich ganz zäh anfühlt, mag einen nicht recht in die Realität zurückholen. Dann irgendwann der Abspann: Man wischt sich die Augen ab, atmet tief durch, schickt ein mildes Lächeln durch den Kinosaal: Was für ein tearjerker, was für ein weepie!

Das Englische hat gleich zwei Wörter für jene Filme, die uns besonders zu Tränen rühren – und wenn wir allzu rührselige Schinken auch gern verächtlich behandeln, so ist die Idee, sich einer Fiktion emotional ganz hinzugeben, doch auch für viele eine erfüllende. Zumal als empathischer Mensch gilt, wer im Kino schluchzen kann: „Traue niemandem, der bei Mufasas Tod nicht weint“, lautet ein Spruch, den man unter „König der Löwen“-Fans hört. Die Szene, in der Löwenbub Simba den reglosen Körper seines Vaters anstupst und ganz ungläubig ruft: „Steh auf, Papa“, bevor er versteht, dass Papa nicht mehr aufstehen wird, ist einer der berühmtesten Taschentuchmomente der jüngeren Filmgeschichte. Was genau drückt uns auf die Tränendrüsen?