Vor zehn Jahren hat Oliver Holle seine zweite Karriere als Start-up-Investor begonnen.
Aufbruch

Plötzlich regnet es für Europas Start-ups Millionen

Die lange Durststrecke für Technologieunternehmen aus Europa ist zu Ende. Nie zuvor konnten europäische Start-ups mehr Geld einsammeln als heuer. Geschuldet ist das auch den Notenbanken. Ihre Nullzinspolitik treibt eine neue Spezies von Investoren mit tiefen Taschen in die Arme der Techszene. Für Österreich fällt bisher wenig ab.

Fast siebentausendmal im Jahr sagt Oliver Holle „Nein“. 7000 Geschäftsideen landen Jahr um Jahr auf dem Tisch des Österreichers, der mit seinem Fonds Speedinvest einer der größten Geldgeber für junge Start-ups in Europa ist. Nur eine Handvoll an Unternehmen schafft es ins Portfolio. Dennoch hätten sich die Zeiten grundlegend geändert, erzählt Holle. Denn nicht immer sind es die Gründer, die sich um Kapital anstellen müssen. „Bei guten Ideen ist es inzwischen auch in Europa so, dass Investoren darum wetteifern müssen, wer einsteigen darf. Früher wäre das ein Traum für mich gewesen“, sagt der 49-Jährige, der in seiner ersten Karriere selbst Internetunternehmer gewesen ist.

Heute steht der Wiener auf der anderen Seite. Vor bald zehn Jahren baute er in seiner Heimatstadt den ersten Speedinvest-Fonds auf, der gezielt in junge Technologieunternehmen investieren sollte. Damals war Österreich für Gründer eine finanzielle Wüste. Kaum liefen die staatlichen Förderungen aus, fingen die Probleme an. Banken wollten sich an den Start-ups nicht die Finger verbrennen. Interessierte Privatinvestoren gab es kaum. So musste Oliver Holle viel Überzeugungsarbeit leisten, und immer wieder erklären, warum jemand sein Geld in komplett unbekannte Internetfirmen stecken sollte. Wollten die Gründer über die Grenzen hinaus expandieren, blieb ihnen ohnedies nur der Weg ins Silicon Valley.

Heute ist das anders. Die europäische Techszene tritt langsam aus dem Schatten der amerikanischen und asiatischen Konkurrenz. Etablierte Industriebetriebe, Business Angels und Risikokapitalgeber suchen die Szene fieberhaft nach lohnenden Investments ab. In Fernsehshows werden Millionen für gute Geschäftsideen verteilt. Die Durststrecke der europäischen Technologieunternehmen geht langsam, aber sicher zu Ende.

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