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Der heißeste Börsenwert des Jahres

Varta profitiert vom Miniohrhörerboom.
Varta profitiert vom Miniohrhörerboom.APA/dpa/Sina Schuldt

Varta profitiert vom Miniohrhörerboom.

Ellwangen/Wien. In einem Industriegebiet im schwäbischen Ellwangen deutet auf den ersten Blick nichts darauf hin, dass hier das an der deutschen Börse derzeit erfolgreichste Unternehmen residiert. Der Batteriehersteller Varta hat einen der besten Börsengänge der letzten Jahre hingelegt: Der Marktwert hat sich allein heuer mehr als verdreifacht. Die Aktie ist eine der teuersten, bewertet mit neunmal Buchwert und zwölfmal Umsatz. Mit seinem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 113 ist Varta auf Augenhöhe mit Bayer.

Treiber dieses Hypes sind leistungsstarke Mikrobatterien, die einen Boom von drahtlosen Minikopfhörern befeuern, derzeit eines der beliebtesten Spielzeuge von Elektronikfans. Dank seiner Knopfzellen wurde Varta auch Weltmarktführer für Hörgerätebatterien – ein Markt, der von der alternden Bevölkerung profitiert. Noch schneller wächst der Markt für hochwertige Kopfhörer, der von Apples Airpods dominiert wird.

 

Doppelt so schnell

Dieser technische Vorsprung sorge dafür, dass Varta heuer mehr als doppelt so schnell wachsen werde als der Gerätemarkt, der schon um 30 Prozent zulegt, sagt Varta-Vorstandschef Herbert Schein. Während Varta Samsung, Sony und viele weitere Hersteller als Kunden nennt, vermeidet es Schein, Apple zu erwähnen, die Firma, die den Markt mit rund 60 Prozent anführt.

Analysten werten die Ausweitung der Produktionskapazität zuletzt auf 150 Mio. Zellen jährlich bis 2022 dahingehend, dass Varta Apple bereits als Kunden gewonnen hat.

Das Unternehmen, das seit 2007 zur Montana Tech Components, einer Holding des österreichischen Unternehmers Michael Tojner, gehört, hat heuer das europäische Batteriegeschäft von Energizer Holdings Inc erworben, die die Varta-Markenrechte für Handelsbatterien besessen hat.

Tojner sagte bereits 2017, er erwarte, dass Varta binnen fünf bis zehn Jahren die Umsatzmilliarde erreichen würde. Heuer sollen es bis zu 340 Mio. Euro werden. (Bloomberg)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.11.2019)