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Pitztal-Ötztal

Wachsender Protest gegen Skigebietsfusion in Tirol

Symbolbild Pitztaler Gletscher.
Symbolbild Pitztaler Gletscher.(c) GEPA pictures (GEPA pictures/ Patrick Steiner)

Die Projektbetreiber wehren sich gegen Kritik: Man wolle keine Gipfel sprengen, nur eine „Spitze“ begradigen.

Pitztal/Ötztal/Wien. Der Protest gegen den geplanten Zusammenschluss der Tiroler Gletscherskigebiete Ötztal und Pitztal nimmt weiter an Fahrt auf: Am Dienstag hat eine vor drei Wochen angelaufene Onlinepetition gegen die „Gletscherehe“ bereits mehr als 70.000 Unterschriften erreicht – allein seit Montag wurden damit 30.000 Unterschriften abgegeben.

Die Unterzeichner der vom Naturschützer Gerd Estermann ins Leben gerufenen Petition fordern eine Festlegung von verbindlichen Ausbaugrenzen und eine Novellierung des Tiroler Seilbahn- und Skigebietsprogramms (TSSP). Umwelt-NGOs und Vereine wie Alpenverein, WWF und die Naturfreunde machen schon seit geraumer Zeit gegen das Vorhaben mobil und fürchten eine nachhaltige Beeinträchtigung des Naturhaushaltes auf dem bisher unberührten Gletscher. Die Ausbaugrenzen seien schlicht erreicht.

„Die Projektpläne zeigen klar, wie brutal hier mit der Natur umgegangen werden soll. In der ursprünglichen Gletscherlandschaft des Linken Fernerkogels würde kaum ein Stein auf dem anderen bleiben. Ein so überdimensioniertes Megaprojekt in einer hochsensiblen Gletscherlandschaft muss bei der Umweltverträglichkeitsprüfung durchfallen“, meint Landschaftsökologe Josef Schrank vom WWF Österreich. Grafiken würden die Verletzlichkeit der betroffenen Hochgebirgslandschaft verdeutlichen, so der Experte, der sich dabei auf die eingereichten UVP-Unterlagen berief.

Aufgrund des raschen Gletscherrückgangs würden sowohl die geplante Seilbahnstation am Mittelbergferner als auch mehrere Pistenabschnitte schon heute nicht mehr – wie ursprünglich vorgesehen – auf natürlicher Gletscherfläche liegen. „Aufgrund des fortschreitenden Gletscherrückgangs müsste hier eine Dauerbaustelle entstehen, um mit immer neuen baulichen Eingriffen und zusätzlicher Infrastruktur den Skibetrieb zu sichern“, warnte Schrank.

 

Betreiber: „Keine Sprengung“

Die Projektbewerber sehen hingegen bewusste Fehlinformationen rund um den geplanten Skigebiets-Zusammenschluss und orten den „Tiefpunkt einer Kampagne“ der Gegner des Projekts: Eine Sprengung des Gipfels des Linken Fernerkogels sei kein Thema. Dies sei eine bewusste Falschmeldung und Fehlinterpretation. „Das ist unrichtig und widerspricht schlichtweg den Tatsachen“, heißt es. Man wolle keinen Gipfel sprengen, sondern eine „Felskuppe“, bzw. „eine Gratspitze“ begradigen, wie es heißt. (APA/red.)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.11.2019)