Jüdisches Museum

Der Hase unseres Gewissens

Symbolfigur für das Überdauern und das Geschichtenerzählen: der „Hase mit den Bernsteinaugen“ aus der Netsuke-Sammlung der Ephrussis.
Symbolfigur für das Überdauern und das Geschichtenerzählen: der „Hase mit den Bernsteinaugen“ aus der Netsuke-Sammlung der Ephrussis.(c) JMW

Die Ausstellung „Die Ephrussis“ ist sichtbarer Höhepunkt einer jahrelangen Annäherung der von den Nazis vertriebenen Familie an Wien. Sehr bewegend.

Es ist schwer, diese Geschichte zu erzählen, ohne in der dicken Schicht nostalgischen Wiener Schlagobers zu versinken, die Edmund de Waal so gern vermeiden würde – wie er bei der Pressekonferenz zur Ausstellung über seine Familie im Jüdischen Museum am Dienstag betonte. Zu spät, denkt man bei sich. An der verlockend rührseligen Lesart des Schicksals der von den Nazis aus Wien vertriebenen jüdischen Bankiersfamilie, deren Nachkommen sich jetzt wieder mit der Stadt versöhnen, ist er allerdings nicht ganz unbeteiligt. Vor gut zehn Jahren goss er, der empathische Keramikkünstler, seine genealogischen Recherchen in einen der bewegendsten zeithistorischen Romane überhaupt, den Bestseller „Der Hase mit den Bernsteinaugen“.