Private Anleger sind kaum an Staatsanleihen interessiert. Aus diesem Grund will Oberndorfer, Geschäftsführerin der Bundesfinanzierungsagentur (Öbfa), die Nachfrage nach Schuldverschreibungen der Republik forcieren.
Wien(nst). Unter heimischen Privatanlegern sind österreichische Staatsanleihen nicht besonders beliebt. Lediglich zwei Prozent des Finanzvermögens privater Haushalte sind in Bundesanleihen veranlagt, sagt Martha Oberndorfer, Geschäftsführerin der Bundesfinanzierungsagentur (Öbfa), am Montag vor Journalisten.
Dies hängt wohl auch mit der bescheidenen Bekanntheit der Anleihen zusammen. Eine Studie von GfK Austria unter 1000 Befragten zeigt, dass sich nur vier Prozent der Österreicher für die Veranlagungsmöglichkeit einer Anleihe interessieren. Mehr als 60 Prozent sagen gar, sie kennen dieses Finanzprodukt kaum bis gar nicht.
Aus diesem Grund will Oberndorfer die Nachfrage nach Schuldverschreibungen der Republik forcieren. „Die Retailinvestoren nutzen die volle Palette, die sie ausnutzen könnten, nicht aus“, sagt Oberndorfer. „In Richtung des Europadurchschnitts sollten wir uns bewegen können.“ Dieser würde in etwa bei zwölf bis 15 Prozent liegen. In manchen Märkten würden sogar 30 Prozent des Anleihenvolumens von privaten Investoren gehalten, sagt Oberndorfer. In Österreich beträgt der Anteil der Privaten lediglich fünf Prozent.
Käufer sind in erster Linie Banken (32 Prozent), Fonds (28 Prozent), Notenbanken und internationale Organisationen (22 Prozent) sowie Versicherungen (13 Prozent). 25 Prozent der Bundesanleihen werden von österreichischen Investoren gehalten. Die übrigen 75 Prozent gehen an ausländische Anleger, vor allem aus Deutschland und Großbritannien.
Doch wie attraktiv sind heimische Staatsanleihen überhaupt? Die Renditen der zehnjährigen Anleihe lagen in den vergangenen zehn Jahren jährlich bei 6,2 Prozent, sagt die Öbfa. Zehnjährige Anleihen der Eurozone hätten im Vergleich dazu jährlich durchschnittliche Zinsen von 5,5 Prozent abgeworfen. Rainer Singer von der Erste Bank sagt, „dass es auf die Risikoneigung des Einzelnen ankommt. Prinzipiell macht es aber Sinn, heimische Anleihen zu kaufen.“ Denn Österreich habe im Vergleich zu anderen Staaten gute Fiskalzahlen vorzuweisen.
Raiffeisen-Analyst Valentin Hofstätter ist der Ansicht, dass man Ertrag und Risiko abwiegen müsse. Auf der einen Seite „kann man mit österreichischen Anleihen nicht viel verdienen“. Dafür seien sie sicher. Die Rendite einer Zehn-Jahres-Anleihe lag gestern bei bei rund 3,2 Prozent. Die Anleihen der Republik sind mit der Bestnote Triple A ausgestattet.
Anleihen bei Inflation meiden
Ungeachtet dessen erhöhten sich die Zinsaufschläge für die Schuldverschreibungen der Republik in der Vorwoche. Schuld daran waren ungarische Politiker, die einen Staatsbankrott ihres Landes in den Raum stellten. Die Analysten aber beruhigen: „Es ist ein bisschen Theater, was hier passiert“, sagt Hofstätter. „Österreichische Anleihen sehen wir jedenfalls nicht mit einem Fragezeichen.“
Fraglich aber ist, wie sich die Geldmarktsituation in den kommenden Jahren entwickeln wird. Steigt die Inflation eines Tages an, sind Anleihen, vor allem mit langen Laufzeiten, weniger attraktiv. „Wenn man glaubt, dass die Inflation kommt, sollte man Anleihen eher meiden“, sagt Singer.
In diesem Jahr hat die Öbfa bereits rund 13,5 Mrd. Euro Staatsanleihen emittiert. Das entspricht etwa der Hälfte von dem, „was wir im Gesamtjahr noch platzieren wollen“, sagt Oberndorfer. Details zur nächsten Emission wurden keine bekannt gegeben.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.06.2010)