Interview

WKO-Vizepräsidentin Martha Schultz: „Wir schaffen mehr“

Martha Schultz, WKO-Vizepräsidentin und Bundesvorsitzende FiW, fordert Entlastungen für Unternehmerinnen.
Martha Schultz, WKO-Vizepräsidentin und Bundesvorsitzende FiW, fordert Entlastungen für Unternehmerinnen.(c) Inge Prader

WKO-Vizepräsidentin Martha Schultz erklärt, was Unternehmerinnen alles schaffen – und welche Rahmenbedingungen sie dafür brauchen.

Beim Unternehmerinnen-Award stehen hervorragende Unternehmerinnen im Mittelpunkt, bei der WKO-Kampagne #schaffenwir die Leistungen der Wirtschaft insgesamt – so viel Bühne für unternehmerische Leistungen gab es noch nie . . .

Martha Schultz, WKO-Vizepräsidentin und Bundesvorsitzende FiW: . . . und genau das brauchen wir auch! Denn ohne Unternehmertum gibt es kein Wachstum, keine Arbeitsplätze und keinen Wohlstand im Land. Das ist alles keine Selbstverständlichkeit. Umso wichtiger ist es, diese Leistungen zu kommunizieren. Wer weiß, was unsere Unternehmen alles bewirken, wird auch anerkennen, dass wir bessere Rahmenbedingungen brauchen – gerade in konjunkturell schwächeren Zeiten. Wir schaffen mehr für ganz Österreich, wenn die Voraussetzungen dafür passen.

 

Wie sollen die Rahmenbedingungen für Unternehmerinnen verbessert werden?

In Österreich wird bereits jedes dritte Unternehmen von einer Frau geleitet, die Zahl der Gründerinnen liegt bei über 45 Prozent. Wir haben trotz struktureller Nachteile, wie dem Mangel an passender Kinderbetreuung, eine positive Dynamik, die wir unterstützen müssen. Wichtige Themen sind Finanzierung und Entlastung. Unternehmerinnen brauchen Geld in den unterschiedlichsten Unternehmensphasen: Gründung, Innovation, Expansion. Hier besteht einerseits Handlungsbedarf bei der Kreditvergabe, andererseits bei Anreizen für Beteiligungen. Wir wollen einen Beteiligungsfreibetrag von 100.000 Euro pro Jahr. Lohn- und Einkommensteuer, Körperschaftssteuer und Lohnnebenkosten müssen sinken. Dann haben Unternehmerinnen wieder mehr Luft zum Atmen.

 

40,9 Prozent der Unternehmerinnen sind Ein-Personen-Unternehmen. Wie kann man deren Leistungen besser unterstützen?

Ein wichtiges Thema ist die bessere steuerliche Absetzbarkeit von Arbeitsräumen daheim. Die Kosten für ein Arbeitszimmer darf man derzeit ja nur dann als Betriebsausgabe abziehen, wenn der gesamte Raum ausschließlich beruflich genutzt wird. Das ist aber absolut praxisfern. Daher müssen die Aufwendungen für Arbeitszimmer und Arbeitsbereiche steuerlich umfassender anerkannt werden. Sie sollen auch dann pauschal mit bis zu 1500 Euro pro Jahr steuerlich absetzbar sein, wenn der Raum zwar nicht den Mittelpunkt der betrieblichen Tätigkeit bildet, einem aber kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht. Wer Räume daheim sowohl beruflich als auch privat nutzt, für den soll es ein Betriebsausgabenpauschale geben. Das wäre eine spürbare Erleichterung für viele EPU und somit auch für viele Unternehmerinnen.

 


Wie unterstützt die Wirtschaftskammer weibliche Erfolgsgeschichten in der Wirtschaft?

Mit „Frau in der Wirtschaft“ (FiW) gibt es im Rahmen der Wirtschaftskammer ein starkes Interessenvertretungs- und Servicenetzwerk für Unternehmerinnen. Es ist wichtig, dass Unternehmerinnen über das gesamte Leistungsspektrum der Wirtschaftskammer hinaus – vom Gründerservice über Innovationsberatung und Weiterbildung bis zur Außenwirtschaft – eine Plattform zum Austausch haben und ihre Interessen auf den Punkt bringen können. Mir ist es ein großes Anliegen, dass noch mehr Unternehmerinnen in ihrer Interessenvertretung aktiv sind. Mehr Frauen in der und für die Wirtschaft sind besser für uns alle.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.11.2019)