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Glücksspiel

Rauchverbot belastet Casinos

Rauchen und zocken: Beides gemeinsam ist seit dem 1. November nicht mehr möglich.
Rauchen und zocken: Beides gemeinsam ist seit dem 1. November nicht mehr möglich.(c) Getty Images/EyeEm

Konzernchefin Glatz-Kremsner befürchtet Umsatzeinbußen von bis zu 30 Prozent. Die umstrittene Bestellung des FPÖlers Peter Sidlo zum Vorstand soll bald evaluiert sein.

Wien. Seit einem halben Jahr ist Bettina Glatz-Kremsner Chefin der Casinos Austria, und die vergangenen Monate waren ziemlich „intensive Zeiten“, wie sie sagt. Da waren zunächst einmal die Turbulenzen rund um die Bestellung des FPÖlers Peter Sidlo zum Finanzvorstand des Konzerns – die noch nicht ausgestanden sind, weil die externen Untersuchungen dazu noch andauern. Und jetzt, per 1. November, ist eine weitere Herausforderung hinzugekommen: das generelle Rauchverbot. „Wir rechnen in den österreichischen Casinos in den kommenden Jahren mit einem Umsatzrückgang von zehn bis 30 Prozent“, sagt Glatz-Kremsner.

Glücksspiel und Zigaretten gehören offenbar zusammen. Dass Casinobesucher auf Terrassen oder Innenhöfe ausweichen müssen, so sie rauchen möchten, wird wohl von vielen Gästen als Zumutung erachtet. „In den USA, wo es überaus strenge Rauchergesetze gibt, darf in Casinos sehr wohl geraucht werden“, gibt Glatz-Kremsner zu bedenken. Für die zwölf österreichischen Casinos kommt noch erschwerend dazu, dass einige in Grenznähe sind. Etwa das Casino Bregenz: Da ist die Konkurrenz in der Schweiz und in Liechtenstein nicht weit – „und dort darf man rauchen“, sagt Glatz-Kremsner.

Hauptthema für die Casinos Austria bleibt aber die „Causa Sidlo“. Am 12. August hat es ja Razzien beim neuen Finanzvorstand und beim Casinos-Großaktionär Novomatic gegeben. Grund war die Bestellung Peter Sidlos in den Vorstand des Unternehmens mithilfe der Stimmen von Novomatic-Vertretern im Aufsichtsrat. Headhunter Egon Zehnder hatte davor immerhin Bedenken zur Qualifikation des FPÖ-Bezirksrats Sidlo geäußert.

Seit Anfang September wurden die internen Untersuchungen des Unternehmens um externe ergänzt: Die Anwaltskanzleien Schima Mayer Starlinger und Frotz Riedl sowie der Wirtschaftsprüfer KPMG haben die Aufgabe, alle relevanten Informationen rund um die Bestellung zu prüfen. Wie man sich das vorstellen darf? Glatz-Kremsner: „Auch ich wurde befragt, und meine E-Mail-Konten wurden durchforstet.“

Erhebungen bis Monatsende

Sie rechnet damit, dass die Untersuchungen bis Ende November dauern werden. Und sie geht davon aus, dass Peter Sidlo „sich nichts zuschulden hat kommen lassen“. Er hat sich bis zur Klärung der Angelegenheit beurlauben lassen. Die Kosten für die externen Untersuchungen will Glatz-Kremsner nicht beziffern: „Aber dass so etwas nicht billig ist, ist klar.“ Ob der Bericht schlussendlich veröffentlicht oder unter Verschluss gehalten wird, werde der Aufsichtsrat entscheiden – der letztlich auch den Auftrag dazu gegeben habe.

Für sie persönlich sei das „keine sehr einfache Zeit“. Sie habe stets mit Nachdruck daran gearbeitet, dass das Unternehmen keinen Schaden nimmt.

Was Glatz-Kremsner im ersten Halbjahr auch gelungen ist – jedenfalls was die Zahlen betrifft: Im Konzern ist das Ergebnis um rund zwölf Prozent auf rund 49 Mio. Euro gestiegen. Besonders erfreulich entwickelte sich das Auslandsgeschäft: Dort wurde das beste Halbjahresergebnis seit zehn Jahren verbucht – es stieg um 150 Prozent auf 6,2 Mio. Euro.

Das lag auch daran, dass nicht rentable Betriebe in Tschechien, England und Australien zugesperrt wurden. Dafür werden neue Märkte erschlossen: In Kopenhagen wird ein neues Casino im ersten Quartal 2020 eröffnet, in Liechtenstein ein weiteres im zweiten Quartal. In der Schweiz und in Dänemark will man sich auch um Onlinelizenzen bewerben.

Die Casinos International ist also zur Cash Cow des Konzerns geworden – was auch deshalb interessant ist, weil Glatz-Kremsners Vorgänger Alexander Labak im vergangenen Jahr ganz versessen darauf war, das damalige Sorgenkind des Konzerns zu verkaufen. Glatz-Kremsner: „Es ist gut, dass wir das behalten haben.“

In Österreich stiegen die Glücksspielerlöse in den ersten neun Monaten um 3,6 Prozent auf 233 Mio. Euro, bei den Lotterien waren die Erlöse mit − 0,9 Prozent leicht rückläufig. Während Onlinegaming und Video-Lotterie-Terminals Zuwächse verzeichneten, sank der Betriebserfolg unter dem Strich um über 13 Prozent: Beim Lotto hatte es weniger Jackpots gegeben, bei den Sportwetten fehlten sportliche Großereignisse. (kor.)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.11.2019)