Suhrkamp-Verlag verteidigt Handke mit "Klarstellungen"

Representatives of the Association of Victims and Witnesses of Genocide hold a picture of the winner of the 2019 Nobel Prize for Literature Peter Handke in Srebrenica, during a protest in front of Sweden embassy in Sarajevo
Protest gegen Handke: Ein Genozid-Opferverband demonstriert vor der schwedischen Botschaft in Sarajevo.REUTERS

Der Verlag hat ein englischsprachiges Dokument erarbeitet, um – mit Originalzitaten – den Vorwürfen gegen Handke entgegenzutreten.

Der Suhrkamp Verlag hat ein Dokument zusammengestellt, das anhand von (übersetzten) Original-Aussagen Klarstellungen zu der rund um Peter Handkes Haltung zum Jugoslawien-Krieg entbrannten Nobelpreis-Debatte bieten soll.

Auf das kürzlich erst weithin bekannt gewordene Handke-Interview aus dem Jahr 2011 mit der Zeitschrift „Ketzerbriefe“ geht dieses Dokument auf seinen vorläufig 24 englischsprachigen Seiten nicht ein, auch nicht auf die kürzlich Buchpreis-Rede von Saša Stanišić. Aber mit vielen anderen ins Englische übersetzten Original-Aussagen bietet der Suhrkamp Verlag darin Argumentationshilfen gegenüber Handke-Kritikern.

Gedacht ist diese Materialsammlung, so der Verlag laut „FAZ“, „für unsere Partner weltweit“. Der Suhrkamp Verlag bezeichnet das Dokument als „work in progress“. Es sei „besonders für die Länder, in denen die meisten schrägen/teils falschen Zitate ,von‘ Peter Handke auftauchen“ gedacht und deswegen auf Englisch verfasst. Der Verlag verweist außerdem darauf, dass in vielen dieser Länder Handke-Texte gar nicht gelesen werden könnten, weil es dafür an Übersetzungen fehle.

38 Aussagen zu Srebrenica, Milošević, etc.

Insgesamt 38 Aussagen wird in der Materialsammlung entgegengetreten: allen voran der Behauptung, Handke habe die serbischen Gräueltaten bestritten, speziell das Massaker in Srebrenica, oder geleugnet, dass es sich um einen Genozid handle. Auch gegen den Vorwurf, Handke habe in Texten die bosnischen Opfer verhöhnt, wird darin argumentiert, sowie dagegen, dass er während des Jugoslawien-Kriegs für Milošević eingetreten sei, eine „bewegende“ Grabrede auf ihn gehalten habe oder sich nie von gewissen Positionen wieder distanziert habe.

Die erwiderten Zitate seien „häufig stark verkürzt und aus dem Kontext gerissen“, kommentierte die „FAZ“ das Schreiben. Das sei eine Praxis, „wie Handke sie seinen Kritikern vorhält“. Weiter schreibt die „FAZ": "Um die Plausibilität von deren Anwürfen zu überprüfen, braucht es in der Tat, was Handke immer wieder fordert: Lektüre der vollständigen Aufsätze. Dann erst wird man entscheiden können, ob die 'Materialdarreichung' des Suhrkamp Verlags als Helden- oder Bubenstück in die Literaturgeschichte eingehen wird."

>> Das Suhrkamp-Dokument ist auf einem Blog einsehbar.

(sim/APA)