Wahlkampf

Großbritannien: Fehlstart für Johnson und seine Tories

Boris Johnson.
Boris Johnson.(c) REUTERS (POOL New)

Rücktritt eines Ministers, Fauxpas eines anderen und ein Video überschatten Wahlkampf.

Wien/London. Der Wahlkampf in Großbritannien ist längst im Gang. Jüngst besuchte Boris Johnson Schulen, Spitäler und Polizeistationen. Doch der offizielle Wahlkampfstart erfolgte erst am Mittwoch, als der Premier in einer Audienz im Buckingham Palace die Queen bat, die Auflösung des Parlaments zu proklamieren. Sodann schritt Johnson in der Downing Street vor die Presse, um zu betonen, dass er Neuwahlen nicht angestrebt habe – schon gar nicht im Dezember. Das Brexit-Chaos habe ihm indes keine Alternative gelassen.

Freilich liefen die Vorbereitungen der Tories für eine Kampagne spätestens mit der Amtsübernahme Johnsons im Juli an – und sie mündeten jetzt in einen Fehlstart. Eine Stunde nach seiner Stippvisite bei der Königin sah sich Johnson bereits gezwungen, seinen Minister für Wales zu entlassen. Er hatte sich im Fall eines Ex-Mitarbeiters in einem Vergewaltigungsprozess in eine Lüge verstrickt.

Zuvor hatte Jacob Rees-Mogg, der Parlamentsminister, für Aufsehen gesorgt, als er empfahl, die Brandopfer im Grenfell Tower hätten besser auf die Anweisungen der Feuerwehr gehört. Bei der Brandkatastrophe waren vor zwei Jahren 72 Menschen umgekommen. Rees-Mogg entschuldigte sich für den Fauxpas, doch die Tory-Wahlstrategen drängen ihn nun dazu, nicht mehr regelmäßig in TV-Shows aufzutreten. Schließlich veröffentlichten die Konservativen ein manipuliertes Video des Labour-Sprechers.

Währenddessen bleiben Johnson und Labour-Chef Jeremy Corbyn einander nichts schuldig. Warf Corbyn dem Premier „aufgeputschten Thatcherismus“ und den Ausverkauf des Gesundheitssystems vor, so verglich Johnson den Labour-Chef mit Josef Stalin und dessen brutalem Vorgehen gegen die Kulaken. Zum Auftakt eines selten aggressiven Wahlkampfs verheißen die Umfragen den Tories einen Vorsprung von bis zu 16 Prozentpunkten. (vier)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.11.2019)