Wien Modern: Wenn Stimmen verschwimmen

Eine abstrakt-geräuschhafte und trotzdem sinnliche Novität von
Pierluigi Billone begeisterte.

Das Saxofon beginnt mit einem leise klagenden Ton – doch plötzlich scheint sich dieser aufzuspalten: Wo kommt der zweite Klang her, der sich dazugesellt, ganz nah und gerade deshalb so durchdringend eigenwillig? Ein Schlagzeuger streicht über das Donnerblech; wie sein Kollege trägt er an einer Schnur um den Hals in Brusthöhe einen kleinen Gong. Natürlich werden beide später darauf schlagen, genau wie sich die beiden Sängerinnen, die mit ihren Stimmwerkzeugen alles Mögliche vollführen, aber kaum jemals singen, auf die Brust klopfen werden und den Klang damit in eine Art Schluckauf versetzen. Das alles erinnert zumindest optisch an die Mischungen aus Mensch und Perkussion, die – eine Szene von vielen – 1971 in Hamburg durch Mauricio Kagels hintersinniges „Staatstheater“ geisterten. Aber Pierluigi Billone hat mit seiner neuesten Schöpfung weder eine umfassend ironische Infragestellung der Gattung und Institution Oper im Sinn wie einst Kagel mit seinem skandalträchtigen „instrumentalen Theater“, noch geht es ihm überhaupt um szenische Elemente und eine Übersetzung außermusikalischer Dinge in Klang – zumindest nicht auf einer direkten Ebene.