Luftfahrt

Gewerkschaft zu Kahlschlag bei AUA: Katastrophe war absehbar

APA/HELMUT FOHRINGER

Falsche Standortpolitik führte zu Lohndrückerei und „Wettbewerbsgemetzel“ unter den Airlines am Flughafen Wien, kritisiert die Gewerkschaft vida.

Noch bevor das AUA-Management Details zum 90 Millionen Euro schweren Sparpaket auf den Tisch legte, ging die Gewerkschaft vida bereits davon aus, dass das Sparpaket Hunderte Beschäftigte des Unternehmens den Job kosten wird. „Diese Katastrophe war absehbar. Dass es soweit kommen musste, dafür ist die Wirtschaftskammer Österreich zum Gutteil mit in die Verantwortung zu ziehen. Sie hat seit Jahren Sozialpartnerverhandlungen über einen Branchen-Kollektivvertrag für die Airlines mit Heimatbasen am Flughafen Wien verweigert und die WKÖ-Standortpolitik an die ausländischen Vorstandsetagen diverse Airlines delegiert“, kritisierte Daniel Liebhart, Vorsitzender des Fachbereichs Luftfahrt in der Verkehrs- und Dienstleistungsgewerkschaft vida in einer Aussendung.

Die Wirtschaftskammer habe gebetsmühlenartig erklärt, dass der Abschluss eines Branchen-KV für den Standort Wien zur Folge hätte, dass aufgrund möglicher Abwanderungen von Airlines aus Österreich zahlreiche Jobs in Gefahr seien. Jetzt vernichte der beinharte Wettbewerb die ersten 500 Jobs, das habe die WKÖ zu verantworten. 

Faire Spielregeln gefordert

Liebhart: „Dass es am Flughafen Wien stationierte Airlines mit Dumping-Lohn-Leiharbeitsverträgen um 1130 Euro brutto im Monat oder Fluglinien ohne Betriebsrat und Kollektivvertrag, die eine Flugbegleiterin gerade einmal mit einem garantierten Monatsgehalt von 1000 Euro brutto abspeisen, gibt, das geht ganz klar auf das Konto der verfehlten WKÖ-Politik.“

Es sei klar, dass Airlines wie etwa die AUA, die faire Löhne nach Kollektivvertag bezahlen, im Wettbewerbsgemetzel der Billigflieger und Lohndrücker immer mehr unter Druck kommen, so Liebhart. Er forderte die WKÖ auf, unfaire Wettbewerbsbedingungen „nicht weiter zu hegen und zu pflegen", sondern mit der Gewerkschaft faire Spielregeln zu etablieren. Dazu gehöre auch ein Branchen-KV für das in Österreich stationierte fliegende Personal. 

Zudem müsse es vermehrte und strengere Kontrollen auf allen Ebenen geben. Konkret:

+Austro Control: Die Sicherheitskultur sei insbesondere bei Lauda in den letzten Wochen und Monaten auf ein gefährliches Niveau heruntergewirtschaftet worden. Hier müsse die Behörde strenger durchgreifen.

+Finanzpolizei und Sozialversicherung: Der Wettbewerbsdruck führe zu fragwürdigen Beschäftigungskonstrukten. Es sei dringend notwendig, die Unternehmen zu überprüfen, ob alle Beschäftigten richtig bei der Sozialversicherung angemeldet sind und der ortsübliche Lohn bezahlt werde. Darüber hinaus seien auch mögliche Steuerhinterziehungen, wie zum Beispiel im Zuge fragwürdiger Geldtransporte aus Österreich zu den Muttergesellschaften, genauer unter die Lupe zu nehmen.

+Verkehrsarbeitsinspektorat: Insbesondere die neuen, sehr schnell wachsenden Airlines seien bisher in keiner ausreichenden Genauigkeit vom Arbeitsinspektorat überprüft. Das sei dringend notwendig, damit sichergestellt werde, dass alle Arbeitnehmerschutzvorschriften eingehalten würden.

-Anhebung der Ticketabgabe für Unternehmen, die sich nicht vollständig an die in Österreich üblichen sozialen Spielregeln halten. Diese müssen lauten: Abfuhr der Lohnsteuer in Österreich bzw. Gegenrechnung der Lohnsteuer zur erhöhten Ticketabgabe sowie keine prekären Beschäftigungsverhältnisse beim sicherheitsrelevanten Personal.