Turek Modehaus
Porträt

Jasmin Turek-Rezac: "Ich wollte von klein auf immer Mode machen"

Die Geschäftsführerin des Wiener Modehauses Turek, Jasmin Turek-Rezac, strebte von klein auf in die Modewelt. Gemeinsam mit Schwester Bettina holte sie so manchen Trend ins Land. Nicht selten waren sie dabei aber ihrer Zeit voraus.

Vor mehr als 60 Jahren begann ein junger Herbert Turek als erster in Österreicher damit, Jeans ins Land zu importieren. Heute sind es dessen Töchter Jasmin Turek-Rezac und Bettina Turek-Sundström, die das Familienunternehmen in zweiter Generation weiterführen. Das ehemalige Geschäft in Hernals hat sich indes auf 14 Standorte mit 130 Mitarbeitern erweitert, der bekannteste davon ist der Flagshipstore auf der Wiener Mariahilfer Straße.

Vor dessen Glasfassade (eine der ersten, die in Österreich errichtet wurden) sitzt an diesem Tag im zweiten Stock Jasmin Turek-Rezac in der vormittäglichen Sonne. Dass die studierte Betriebswirtin die Kunden heute als Geschäftsführerin empfängt, war „von klein auf“ vorgezeichnet: Schon als Jugendliche und Studentin half die 38-Jährige an Samstagen im Geschäft aus, absolvierte Praktika und sammelte Erfahrungen auf Modemessen. Nach dem Studium ging sie als Trendscout für ein Jahr nach Hongkong zu Swarovski. Anschließend war sie zwei Jahre in einem deutschen Konzern in Hamburg tätig, um dessen Markteintritte, unter anderem in Frankreich, abzuwickeln.

2007 schließlich kehrte sie in das elterliche Unternehmen zurück. Heute teilt sich die zweifache Mutter gemeinsam mit ihrer Schwester Bettina die Geschäftsführung. Das kuratierte, streng selektierte Sortiment von Turek orientiert an Denim und urbanen Trends. Auf der Website bezeichnet man sich als „einzige fixe Konstante im Bereich Jeans und Sportswear“ und als „Plattform für internationale Trendlabels“. Tatsächlich gibt es kaum vergleichbares in der heimischen Branche, die Turek-Rezac „überschaubar“ nennt.

Öko-Trendsetter und -Pioniere

Ihre Nähe zum Frankophonen hat sie von der Mutter, einer gebürtigen Französin, geerbt. Generell ist Internationalität ein Aspekt, den Turek-Rezac für ihre Familie charakteristisch findet. Die Schwester heiratete einen Schweden, Turek-Rezac' Kinder besuchen einen französischen Kindergarten in Wien. „Wir sind ständig international unterwegs und haben eigentlich alles, was es im urbanen Bereich gibt, nach Österreich gebracht, weil wir sehr weltoffen sind“, sagt die Unternehmerin.

"Abschalten oder Urlaube ohne Erreichbarkeit gibt es nicht. Ich weiß nicht mehr wie das ist, nicht erreichbar zu sein."

Jasmin Turek-Rezac

Auch das Thema nachhaltige Mode hatte Turek schon lange vor der aktuellen Klimadebatte für sich entdeckt. „Das ist jetzt ein großes Thema bei uns, weil das Bewusstsein erst jetzt entstanden ist“, sagt Turek-Rezac. „Wir haben nachhaltige Marken aber schon seit 12 Jahren im Sortiment.“ Der österreichische Kunde aber ist weniger Trendsetter denn Gewohnheitsmensch: „Wir bringen vieles her, aber es dauert länger, bis der Kunde das anfasst. Mit gewissen Marken kann man auch zu früh dran sein.“ Modisch sei zudem ein Unterschied zwischen Ost- und Westösterreich zu merken: „Wien ist eher wie Berlin, clean und undekoriert. In den Alpen hat man es gern ein bisschen dekorierter und verspielter.“ 

Hähne im Korb

Nach der Geburt ihrer beiden Kinder („als Selbstständige geht das ohne fremde Hilfe gar nicht“) wollte sich die Unternehmerin für die Geschäftsführung „fit machen“ und „weiterentwickeln“. 2016 war sie deshalb Teilnehmerin des Führungskräfte-Programms Zukunft.Frauen, dessen Module zu Sprechtraining und Soft- sowie psychologischen Skills sie besonders wertvoll fand.

Turek-Rezac vor der Glasfassade des Turek-Flagshipstores an der Wiener Mariahilfer Straße.(c) Olivia Henningsson

Die Gleichstellung von Frauen werde im elterlichen Betrieb ohnedies auf allen Ebenen gelebt, in der Branche aber kaum: „Je höher man raufkommt, desto höher ist die Männerquote“, sagt Turek-Rezac. „Zuerst sind überall nur Frauen. Und dann, plötzlich, sitzt ganz oben ein Mann.“ Zwei Frauen an der Spitze seien die Ausnahme. Ob es nicht doch bald mehr Frauen in den höheren Sphären der Branche gebe? „Nein“, erwidert sie ohne Zögern.

Modebranche ohne Geschlechterrollen?

Im Gegenteil: Es seien heute junge Männer, die immer öfter den Weg in den Einzelhandel fänden - auch als Lehrlinge im Verkauf. Das zeigt sich auch deutlich im Store unter den Mitarbeitern. „Es gibt immer mehr modische, coole Männer, die sich als Verkäufer bewerben. Das Interesse an Mode ist nicht mehr traditionell, geschlechtermäßig behaftet. Wir haben auch keine „Klimbim-Mode“, sondern alles mit viel Street-Credibility“, sagt Turek-Rezac.

"Wien ist eher wie Berlin, cleaner und undekorierter. In den Alpen hat man es gern ein bisschen gerüscht und verspielt“, sagt sie lachend."

Jasmin Turek-Rezac

Die Idee, dass die neuen, jungen Männer an der Basis so manche Frau in der Hierarchie nach oben schieben könnten, findet Turek-Rezac durchaus amüsant. Denn die Tätigkeit als Selbstständige sei unabhängig davon für Frauen besonders herausfordernd: „Abschalten oder Urlaube ohne Erreichbarkeit gibt es nicht, auch weil wir im Handel tätig sind und am Samstag offen haben. Ich weiß nicht mehr wie das ist, nicht erreichbar zu sein.“ Die fehlende Kinderbetreuung für ganz kleine Kinder - die in Frankreich normal ist - kritisiert sie. Doch anders als erwartet strahlen ihre Augen, wenn sie über diese Herausforderungen spricht: „Ich habe mir nie etwas anderes vorstellen können, ich wollte von klein auf genau das machen.“ Das Kreative liege ihr nahe, „und hat mir immer Spaß gemacht“. Im Shop zu verkaufen sei „für mich wie Entspannung.“

In Zukunft will das Unternehmen im Qualitätssektor wachsen, denn „wie in der Gastronomie wollen wir ein Fünf-Sterne-Service bieten.“ Das Gesamterlebnis mit guter Beratung steht im Mittelpunkt, expandieren eher weniger: „Wir haben keinen Expansions-Plan, entweder es ergibt sich etwas oder nicht.

Auf einen Blick

Das Führungskräfteprogramm Zukunft.Frauen will Frauen in Management- und Aufsichtsratspositionen oder in der Selbstständigkeit etablieren, vernetzen und in der Öffentlichkeit sichtbar machen. Frauen sollen motiviert werden, sich für Führungspositionen zu bewerben. Entwickelt wurde der Lehrgang nach norwegischem Vorbild vom ehemaligen Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft, der Wirtschaftskammer Österreich (WKO) und der Industriellenvereinigung (IV). Jeder Durchgang besteht aus acht Modulen und Kamingesprächen mit Experten.

Der 17. Durchgang startet am 3. März 2020. Voraussetzungen für die Bewerbung sind mindestens fünf Jahre Führungserfahrung, Fachwissen, Vernetzung und ein neuer Karriereschritt. Bewerbungen sind noch bis
21. November 2019 möglich. Nähere Infos unter: www.wko.at/zukunftfrauen.

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