Mein Freitag

Lisa kennt sich mit Schuhen aus und Lena mit Reisen

Von der Werbung, die man sich selbst ins Haus geholt hat.
Von der Werbung, die man sich selbst ins Haus geholt hat.(c) Bilderbox

Von der Werbung, die man sich selbst ins Haus geholt hat.

Seit die E-Mail-Flut weniger werden soll, wird sie immer mehr, was auch daran liegt, dass man in der Eile auf irgendwelchen Seiten OK-Buttons anklickt und sich erst später ansehen will, wozu man gerade sein Einverständnis gegeben hat. Das passiert natürlich nie, daher darf man sich auch nicht beklagen, es handelt sich um das persönliche Versagen, die eigene Netz-Unordnung aufzuräumen.

Da unordentliche Menschen offenbar als vergesslich gelten, häufen sich neuerdings Nachrichten mit dem Betreff „Reminder“, die mich in etwa so fühlen lassen wie bei einer Fahrscheinkontrolle, also voll des schlechten Gewissens, und das mit einer gültigen Jahreskarte. Das ist wohl auch der Plan hinter der personalisierten Werbung, wenn mir etwa Lisa schreibt oder Lena und Angela und man vor seinen Augen ein feenhaftes Wesen hat, das keine Mühen scheut und es richtig gut mit einem meint.

Bald werden Verkäufer wieder an der Wohnungstür klingeln. Das hat schon lang niemand mehr versucht, seit vor Jahren die Zeugen Jehovas geflüchtet sind, weil sie mit so einer Antwort auf die Frage, ob man das Glück finden wolle, nicht gerechnet haben. In Griechenland, wo Vertreter noch mit Lieferwagen voll mit Melonen, Besen und anderen wichtigen Dingen durch die Dorfstraßen kurven, konnte man dem Angebot hingegen nicht widerstehen. Neue Besen kehren gut.

Der Wunsch, zu reduzieren, steht sich selbst im Weg. „Seit ich weniger esse, esse ich mehr, kennt ihr das Phänomen?“, sage ich und schaue in lauter fragende Gesichter. Und wer früher schlafen gehen will, bleibt mit Garantie beim Nachtfilm hängen. „Dein inneres Kind ist in der Trotzphase“, bemerkt jemand mit psychologischem Tiefgang, und dagegen kann man wirklich nur empört protestieren.

E-Mails an: friederike.leibl-buerger@diepresse.com

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.11.2019)