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Kommentar

First Things First: Grönland

Für Mike Pompeo markierte der bereits einmal aufgeschobene Antrittsbesuch in Deutschland eine Rückkehr.

Ende der 1980er-Jahre hatte der US-Außenminister die Jahre rund um die Wiedervereinigung als US-Offizier in der Nähe von Bayreuth verbracht, nah am Hotspot der Zonengrenze.

Die Rivalen der Merkel-Regierung, Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) und Außenminister Heiko Maas (SPD), beeilten sich, Trumps Chefdiplomaten zu besänftigen. Die eine – die „Neue“, wie sie in Washington apostrophiert wird – schwor ihr Land auf die Nato-Ziele und eine größere militärische Rolle ein. Der andere umschmeichelte Pompeo, indem er den Part des Verbündeten am Einheitsprozess doch noch rühmte und ihn in die Leipziger Nikolaikirche begleitete.

Alles wieder gut zwischen den Alliierten? Just im transatlantischen Kuschelmoment fuhr Emmanuel Macron mit dem Feuerschwert dazwischen. Die Nato sei „hirntot“, beschied Frankreichs Präsident der Allianz. Als Indiz führte er den Mangel an strategischer Koordination beim Abzug der US-Truppen aus Nordsyrien an – einem Instantmanöver Trumps. Touché. Pflichtschuldig mahnte Macron die Verantwortung Europas ein – bisher nur leere Rhetorik.

Ein Schlaglicht auf die Prioritäten der US-Außenpolitik warf indes der US-Botschafter in Kiew. First things first: Für die Ukraine-Krise habe es im Weißen Haus wegen der Intention für einen Kauf Grönlands keine Kapazität im August gegeben. Ein Trump'scher Popanz. Nicht verwunderlich, dass Außenminister Pompeo erwägt, für den Senat in Kansas zu kandidieren.

thomas.vieregge@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.11.2019)