OECD

Studie: Viele Ärzte, wenig Pflegepersonal

Österreich hat zwar viele Ärzte, aber viel zu wenig Pflegepersonal.
Österreich hat zwar viele Ärzte, aber viel zu wenig Pflegepersonal.(c) Bilderbox

International gesehen hat Österreich viele Ärzte, (leicht) überdurchschnittlich viele Medizin-Absolventen, dafür aber viel zu wenig Pflegepersonal.

Wien. Österreich verfügt im internationalen Vergleich über eine hohe Anzahl an Ärzten pro Einwohner sowie eine leicht überdurchschnittliche Anzahl an Medizin-Absolventen. Zumindest theoretisch. Das zeigt die am Donnerstag präsentierte OECD-Studie „Gesundheit auf einen Blick 2019“.

Vergleichsweise unterversorgt ist Österreich dagegen mit Pflegepersonal. Dazu kommt, dass Österreich offenbar wenig attraktiv für Ärzte aus dem Ausland ist.

Diese Studie widerspricht damit heimischen Politikern, die eine wesentliche Erhöhung von Medizin-Studienplätze gefordert hatten, um die ärztliche Versorgung in ländlichen Regionen zu verbessern. Denn es mangelt in Österreich nicht an der Gesamtzahl der Ärzte, sondern an deren Verteilung. Im OECD-Vergleich kommen hierzulande im Schnitt 5,2 praktizierende Ärzte auf 1000 Einwohner. Das ist Platz zwei hinter Griechenland (6,1) und weit über dem OECD-Schnitt von 3,5.

Bei den Medizin-Absolventen ergibt sich folgendes Bild: Pro Jahr schließen hierzulande im Schnitt 14,4 Personen pro 100.000 Einwohner ein Medizinstudium ab. Das ist mehr als im OECD-Schnitt (13,1), liegt aber deutlich hinter Spitzenländern wie Irland (24,9).

Im OECD-Vergleich unterversorgt ist Österreich jedenfalls mit Pflegepersonal: Pro 100.000 Einwohner werden im Schnitt jährlich 34,5 Pflegekräfte ausgebildet. Das ist weniger als im OECD-Schnitt (43,6) und wesentlich weniger als in Deutschland (54,5) und beim Spitzenreiter Schweiz (100,9).

Hat Österreich zu viele Ärzte, obwohl oft von einem Ärztemangel geredet wird? Thomas Szekeres, Präsident der Österreichischen Ärztekammer, relativiert in einer ersten Reaktion die OECD-Angaben zur hohen Ärztedichte in Österreich. Hierzulande sei ein Drittel der Mediziner nur teilbeschäftigt, erklärte er. Außerdem würden die in Ausbildung befindlichen Mediziner (im Gegensatz zu den anderen Ländern) in Österreich hinzugerechnet, so Szekeres, der ein Verteilungsproblem ortet: „Junge wollen nicht aufs Land.“ (APA)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.11.2019)