Theater

Joe Harriet als Olga Schnitzler: Die historische Talkmasterin

Elisabeth-Joe Harriet lädt als Olga Schnitzler diesmal Berta Zuckerkandl zum Gespräch.
Elisabeth-Joe Harriet lädt als Olga Schnitzler diesmal Berta Zuckerkandl zum Gespräch.(c) Katharina Fröschl-Roßboth

Die geschichtsaffine Elisabeth-Joe Harriet unterhält sich mit der Salondame Berta Zuckerkandl. Die nächsten Persönlichkeiten sind schon in Planung.

„Ich bin schwer in eine Lade zu stecken“, sagt Elisabeth-Joe Harriet – Schauspielerin, Autorin, Chansonnière. „Aber was sich aus dieser Mischung heraus entwickelt hat ist wohl das Historientheater, das beschreibt es am besten.“ Tatsächlich hat sich die Austroamerikanerin schon mit so einigen historischen Figuren auseinandergesetzt, von Kaiserin Zita über Lina Loos, Olga Waissnix und Constanze Mozart bis zu Olga Schnitzler.

Als Letztere kommt sie nun wieder – und lädt nach Hugo von Hofmannsthal im Vorjahr Berta Zuckerkandl zu einem Gespräch in den einstigen Herrenhof. Olga Schnitzler, die ab 1903 knapp 20 Jahre lang mit dem Schriftsteller Arthur Schnitzler verheiratet war, steht dabei freilich nicht im Vordergrund. Sondern fungiert als Moderatorin, als eine Art Talkmasterin. „Es ist eine Talkshow an einem historisch verbürgten Ort, wo all diese Persönlichkeit verkehrt haben.“

 

„Unsterbliche Kulturgesellschaft“

Darauf gekommen ist die Künstlerin, nachdem das Café Griensteidl zusperrt hatte und sie nach einigen Jahren ihren literarischen Kaffeehauspfad nicht mehr machen konnte. „Das war eine Spontanidee“, sagt sie. Olga Schnitzler wiederum habe sich als Conférencieuse angeboten: als Frau, die man kennt und die alle ihre Zeitgenossen kannte. „Sie ist eine Frau, die durch Arthur Schnitzler in eine Wiener Kulturgesellschaft eingeführt wurde, die im Grunde genommen unsterblich ist.“

Diese Kulturgesellschaft will Harriet nun nach und nach auf die Bühne bringen. „Da habe ich bis zu meinem Tod wahrscheinlich zu tun“, sagt sie schmunzelnd. „Es gibt nur leider viel zu wenige Frauen.“ Nach dem Auftakt mit Hugo von Hofmannsthal – den Namen kenne jeder, aber über ihn selbst wisse man kaum etwas – ist nun aber eben mit Berta Zuckerkandl die erste Frau dran: die 1864 geborene Salondame und Schriftstellerin, deren gute Kontakte Österreich etwa auch durch die Zwischenkriegszeit halfen.

„Sie ist sicher die bekannteste Frau aus dieser Zeit – und man weiß über sie persönlich nur wenig“, sagt Harriet über die Figur, die von Beatrice Gleicher dargestellt wird, die selbst im Palais Schönburg ein Theaterstück über Zuckerkandls Salon spielt. „Man weiß, wen sie kannte, wen sie in ihren Salon eingeladen hat. Aber wer war diese Frau wirklich? Was ist ihr Background? Wie war ihre Familie?“ Diese und andere Fragen stellt Olga Schnitzler ihr in ihrer historischen Talkshow.

„Ich lese“, sagt die Künstlerin auf die Frage, wie sie sich einarbeitet. „Ich gehe in die Nationalbibliothek und grabe aus, ich fahre auch dorthin, wo diese Personen gelebt haben – im Geburtsort von Karl Kraus, den ich als Nächsten machen möchte, war ich gerade. Das arbeitet in meinem Hinterkopf vor sich hin, und es entsteht diese Person. Und dann setze ich mich hin und schreibe sehr diszipliniert.“

 

„Man könnte sagen, Infotainment“

Bei allen ihren Stücken gibt es neben dem Unterhaltungswert daher auch einen gewissen Lerneffekt. „Das ist im Grunde immer so“, sagt Harriet. „Sie können sagen, es ist Infotainment. Ich bin sehr geschichtsaffin, ich erzähle gerne Geschichte und unterhalte damit.“ Vor allem eben, was die ehemalige k. u. k. Zeit angeht – die sei ihr Spezialgebiet. „Und besonders interessant sind natürlich all jene Persönlichkeiten, die in dieser Zeit groß geworden sind – und die dann die neue Zeit auch erlebt haben: Zuckerkandl, Hofmannsthal – und wie sie das verkraftet haben oder nicht.“

ZUR PERSON

Elisabeth-Joe Harriet (65) lädt wieder zu „Olga Schnitzlers Talkshow mit Zeitgenossen“ in den Herrenhof. Zu Gast ist dieses Mal Berta Zuckerkandl (gespielt von Beatrice Gleicher). Nächste Termine: 10. November und 8. Dezember, jeweils um 15 Uhr im Steigenberger Hotel Herrenhof (39 Euro inklusive Kaffee, Torte und Getränk). Auch Olga Schnitzlers erster Gast aus der vorigen Saison kommt zurück: Mit Hugo von Hofmannsthal (Florian Sedivy) unterhält sich Harriet unter anderem am 17. November. Infos: www.elisabeth-joe-harriet.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.11.2019)